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Chronik der Biowissenschaften
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LifeScience bei NOVO:
Chronik der
Biowissenschaften
Schon vor rund 9000 Jahren nutzten Menschen
biologische Prozesse zur Herstellung von Bier, Met und Wein ähnlichen
Getränken - wenig später zum Backen von Brot. Sie nutzten dabei
Biotechnologien, ohne deren Wirkungsweise zu begreifen. Von der Frühzeit
bis ins Mittelalter konnte über Prozesse in der Natur und über
den Ursprung des Lebens nur spekuliert werden. Schließlich wurden
Mikroorganismen entdeckt und seit dem 18ten Jahrhundert und dem Einsetzen
der industriellen Revolution wissenschaftliche Verfahren entwickelt, die
immer tiefere Einblicke in den Mikrokosmos der Lebewesen erlaubten. Die
Arbeiten von Louis Pasteur, Charles
Darwin und Gregor Mendel im 19ten Jahrhundert
waren bahnbrechend für die Entwicklung der Biowissenschaften und
das Studium der Stoffwechselprodukte in Organismen. Mit der Entdeckung
der DNA als Träger der Erbinformation 1944
und ihrer räumlichen Doppelhelix-Struktur 1953
wurde eine neue Ära eingeleitet. Die Methoden des DNA-Transfers wurden
entwickelt, und Wissenschaftler suchten nach Verfahren zur direkten Veränderung
von Erbanlagen. Als es 1977 erstmals gelang,
ein menschliches Gene zu klonen, es in ein Bakterium einzuschleusen und
damit ein für den Menschen nützliches Protein herzustellen,
wurde der Eintritt ins Zeitalter der Biotechnologie besiegelt. Seit der
vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahre
2000 ist von einer bevorstehenden gentechnischen
Revolution die Rede.
11.-17. Jahrhundert
· Als vorherrschende Erklärung für das Entstehen lebender Organismen
gilt die Theorie der "Spontanen Erzeugung", der zufolge Lebewesen
aus nicht-lebenden Stoffen entstehen. So heißt es, dass Maden von
Pferdehaar stammen. Andere Theorien behaupten, dass bereits im Innern
des Eies oder der Samenzelle ein winziger, vollständig ausgebildeter
Mensch sitzt - ein so genannter "Homunculus".
1630
· William Harvey konstatiert, dass sich auch Pflanzen und Tiere sexuell
fortpflanzen: Der männliche Teil trägt Samen oder Pollen bei,
der weibliche Eier.
1660
· Marcello Malpighi nutzt erstmals ein Mikroskop, um die Blutzirkulation
in den Kapillargefäßen zu beobachten. Er beschreibt das Nervensystem
als Bündel von Fäden, die über die Wirbelsäule mit
dem Gehirn verbunden sind. Außerdem schildert er die Entwicklung
des Kükens im Ei und das Sexualleben der Flöhe und publizierte
ein Werk über Pflanzenanatomie.
1668
· Francesco Redi stellt mit einem ersten kontrollierten Experiment
erstmals die Theorie der "Spontanen Erzeugung" von Lebewesen
in Frage. Er beobachtet, dass sich auf vor Fliegen geschütztem Fleisch
keine Maden bilden.
1673
· Der holländische Kaufmann Anton van Leewenhoek entwickelt
Mikroskope und beginnt mit der Beobachtung von Bakterien und andere Mikroorganismen
(Hefezellen). Er konstatiert, dass die Einzeller beim Gärungsprozess
eine Rolle spielen und dass sich Fliegen sexuell fortpflanzen. Vier Jahre
später bestätigt der erste Mikrobiologe die Existenz von Spermazellen:
eine Entdeckung von Louis Dominicus Hamm.
1701
· Giacomo Pylarini aus Konstantinopel erfindet die Impfungstechnik:
er infiziert Kinder mit dem Pockenerreger, um einen schweren Krankheitsausbruch
im späteren Leben auszuschließen. Alternativ dazu werden Schutzimpfungen
mit dem Erreger der Kuhpocken entwickelt.
1724
· Die Möglichkeit der Kreuzungsbefruchtung von Getreide wird
entdeckt.
1799
· Lazaro Spallanzani erhitzt "hermetisch versiegelte Gefäße"
in kochendem Wasser und testet, ob er mit diesem Verfahren Mikroben in
einer Flüssigkeit abtöten kann.
1802
· Gottfried Reinhold Treviranus führt in seinem Hauptwerk Biologie oder Philosophie der
lebenden Natur für Naturforscher und Ärzte den Begriff „Biologie“ als
Klammer des damals schon existierenden Spektrums an Lebenswissenschaften ein.
In der Einleitung schreibt
er: „Die Gegenstände unserer Nachforschungen werden die verschiedenen
Formen und Erscheinungen des Lebens sein,
die Bedingungen
und Gesetze unter
welchen der Lebenszustand stattfindet und die Ursachen, wodurch derselbe bewirkt
wird. Die Wissenschaft,
die sich mit diesen Gegenständen
beschäftigt, werden wir mit dem Namen Biologie
oder Lebenslehre bezeichnen.“
1809
· Nicolas Appert entwickelt eine Technik, um mit Hitze Essen steril
einzudosen.
1845
· Die Chromosomen im Kern der Zellen werden unter dem Mikroskop entdeckt.
1856
· Louis Pasteur konstatiert, dass die Säuerung der Milch ein
biologischer Prozess ist und dass Mikroben den Gärungsprozess bewirken.
Seine Experimente beweisen später, dass Hefe und Bakterien die Gärung
steuern.
1859
· Charles Darwin formuliert und erläutert seine These von der
"natürlichen Selektion" in der Tierwelt. Er behauptet,
dass sich Tierpopulationen mit der Zeit ihrer Umwelt anpassen und dass
nur die Spezies, die das leisten, überleben. Sein revolutionäres
Buch On the Origin of Species (dt. Ausgabe: Über
die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl) wird
in London verlegt.
1863
· Louis Pasteur erfindet die Pasteurisierung: Er erhitzt Wein, um
Mikroben darin abzutöten, ohne dass der Weingeschmack davon beeinträchtigt
wird. Er findet heraus, dass Mikroorganismen die Oxidation des Alkohols
zu Essigsäure steuern.
1865
· Der Augustinermönch Gregor Mendel entdeckt durch Kreuzungsexperimente
mit Erbsen, dass es bei der Vererbung von Eigenschaften auf nachfolgende
Generationen Gesetzmäßigkeiten gibt. Die Mendelschen Vererbungsgesetze
finden zunächst wenig Beachtung und verblassen hinter den Arbeiten
von Charles Darwin. Erst Anfang des 20ten Jahrhunderts (Mendel stirbt
1884) verhelfen Hugo de Vries, Erich von Tschermak und Carl Correns dem
Werk Mendels zum wissenschaftlichen Durchbruch. Die Vererbungsgesetze
haben noch heute Gültigkeit.
· Louis Pasteur entdeckt die Fleckenkrankheit der Seidenraupen und
konstatiert, dass Krankheiten von einem Tier auf ein anderes übertragen
werden können.
· Joseph Lister nutzt erstmals Desinfektionsmittel bei der Wundversorgung.
1868
· Friedrich Miescher, ein Schweizer Arzt, isoliert aus den Kernen
von Zellen eine Substanz, die er "Nukleinsäure" (die heutige
DNA) nennt.
1871
· Charles Darwin veröffentlicht sein Werk The
Descent of Man, and Selection in Relation to Sex (dt. Ausgabe:
Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl),
in dem er seine Evolutionstheorie auf den Menschen überträgt.
1878
· Joseph Lister entdeckt eine Möglichkeit, reine Bakterienstämme
zu isolieren und leistet damit dem Verständnis von Infektionskrankheiten
weiter Vorschub.
1879
· William James Beal führt in Michigan die ersten Laborversuche
zur Kreuzung von Maispflanzen durch, um deren Ertrag zu steigern.
1881
· Robert Koch studiert Bakterienkulturen, die auf Gemüse, Getreide
und Tieren wachsen, und entdeckt dabei erstmals die Ursache von bakteriellen
Krankheiten. Er entwickelt mehrere Techniken, um Mikroorganismen heranzuzüchten
und zu färben. 1882 bestimmt er den Tuberkulose-Erreger und konstatiert,
dass bestimmte Krankheiten von bestimmten Organismen ausgelöst werden.
In den Folgejahren werden zahlreiche weitere bakterielle Krankheiten entschlüsselt.
1883
· Der deutsche Physiologe August Weismann postuliert, dass Vater
und Mutter gleichermaßen die Vererbung auf den gemeinsamen Nachkommen
bestimmen und dass den Chromosomen hierbei die entscheidende Rolle zukommt.
· Francis Galton prägt den Ausdruck "Eugenik". Darunter
versteht er eine Verbesserung des Menschen durch gezielte Zuchtwahl.
1884
Christian Gram beschreibt eine Färbetechnik, um Bakterien zu unterscheiden.
1885
Louis Pasteur setzt erstmals einen Tollwut-Impfstoff bei Menschen ein.
1886
· Friedrich Miescher beschreibt eine chemische Substanz, die er aus
weißen Blutkörperchen isolierte. Diese Substanz wird Jahrzehnte
später als DNA erkannt.
1887
· Edouard-Joseph-Louise-Marie van Beneden entdeckt, dass jede Spezies
mit einer bestimmten Anzahl von Chromosomen ausgestattet ist. Außerdem
findet er heraus, dass während der Keimzell-Entwicklung der Chromosomensatz
halbiert wird (Meiose)
1893
· Forscher am Lister-Institut isolieren das Antitoxin gegen Diphtherie.
1896
· Der deutsche Bakteriologe Wilhelm Kolle entwickelt Impfstoffe gegen
bestimmte Cholera- und Typhus-Erreger.
1897
· Eduard Buchner zeigt, dass die Gärung auch nur mit Teilen
von Hefezellen funktioniert. Seine Entdeckung gilt als Geburtsstunden
der Biochemie und Enzymologie.
· Ronald Ross entdeckt den Malaria-Erreger Plasmodium. Außerdem
weist er nach, dass der Erreger von Anopheles-Mücken übertragen
wird.
1900
· Die endgültige Geburtsstunde der Genetik schlägt, als
Hugo de Vries, Erich von Tschermak und Karl Correns unabhängig voneinander
Gregor Mendels Werk wieder entdecken. Der deutsche Forscher Karl Correns
entdeckt einen selten zu beobachtenden, so genannten "zwischenelterlichen"
Erbgang bei Wunderblumen: Bei der Kreuzung einer weiß und einer
rot blühenden Pflanze entstehen in der nächsten Generation rosa
blühende Blumen, was dafür spricht, dass beide Erbanlagen bei
der Ausbildung der Blütenfarbe gleichberechtigt sind.
· Walter Reed weist nach, dass Gelbfieber von Mücken übertragen
wird. Erstmals wird eine Krankheit auf einen Virus-Erreger zurückgeführt.
· Erstmals werden wichtige chemische Stoffe für die Industrie
(Glycerin, Aceton, Butanol) mit Hilfe von Bakterien hergestellt. Mikroben
werden zur Wasserreinigung in großstädtischen Kläranlagen
eingesetzt.
1901
· Die Geschichte des Klonens beginnt in Deutschland: Der deutsche
Entwicklungsbiologe Hans Spemann klont durch Zufall einen Molch aus einer
Embryozelle.
· Hugo de Vries beschreibt plötzliche Veränderungen des
Erbguts und nennt sie Mutationen.
· E. Wildiers entdeckt eine neue Substanz bei der Entwicklung von
Hefe. Diese Substanzen werden später als Vitamine definiert.
1902
· Die Gültigkeit der Mendelschen Gesetze wird von Walter Stanborough
Sutton nachgewiesen. Er konstatiert, dass sich die Mendelschen Vererbungsfaktoren
auf Chromosomenpaaren befinden und entwickelt die Chromosomen-Theorie
der Vererbung: Chromosomen kommen als Paar vor, Ei- und Sperma-Zelle erhalten
in der Meiose nur ein Chromosom. Sutton nennt diese Mendelschen Erbfaktoren
"Gene". In der Folge werden die ersten Erbkrankheiten bestimmt.
1903
· Walter Sutton und Theodor Boveri konstatieren, dass sich in einer
weiblichen Ei- und in einer männlichen Spermazelle jeweils nur ein
Chromosomenstrang befindet, und dass sich diese Stränge bei der Befruchtung
verbinden.
1904
· Der Brite Archibald Garrod weist die Erblichkeit von vier Stoffwechselkrankheiten
nach und kommt als damit der biochemischen Grundlage der Vererbung sehr
nahe, in dem er den Zusammenhang zwischen Vererbung, Chromosom, Gen und
Zellen erkennt.
1905
· Edmund Wilson und Nellie Stevens konstatieren, dass unterschiedliche
X- und Y-Chromosomen für das Geschlecht verantwortlich sind.
1906
· Erstmals wird der Begriffs "Genetik" von William Bateson
verwendet. Zusammen mit Reginald Crudell Punnett weist er nach, dass sich
Gene gegenseitig beeinflussen.
1909
· Der dänische Biologe Wilhelm Johannsen definiert das "Gen"
als Träger der Vererbung. Er führt außerdem die Begriffe
"Genotyp" und "Phänotyp" ein. Mit Genotyp bezeichnet
er die genetische Konstruktion eines Organismus, mit Phänotyp sein
tatsächliches Erscheinungsbild. Der Phänotyp entsteht nach seiner
Theorie aus einem Zusammenspiel von Genotyp und Umweltfaktoren.
1910
· An der Columbia-Universität in New York wird unter der Leitung
von Thomas Hunt Morgan das Wissenschaftsgebiet "Genetik" eingeführt.
Morgan gilt als Begründer der modernen Genetik. Er forciert seine
Studien an der Taufliege Drosophila melanogaster, die zum Modelltier zahlreicher
Genetiker wird. In der Folgezeit weist er nach, dass die Gene linear auf
den Chromosomen angeordnet und für die Vererbung verantwortlich sind.
Der Abstand zwischen den Erbanlagen wird noch heute in "Morgan"
angegeben. Morgans Forscherteam demonstriert außerdem die Existenz
geschlechtsspezifischer Gene. 1933 erhält Morgan den Nobelpreis.
1912
· Lawrence Bragg entdeckt, dass Röntgenstrahlen benutzt werden
können, um die Struktur simpler kristalliner Substanzen zu untersuchen.
Dies führt später zur Entdeckung der Röntgen-Kristallographie.
1915
· Frederick Twort entdeckt eine "Bakterienkrankheit" und
weist nach, dass sie durch einen übertragbaren, im Lichtmikroskop
unsichtbaren Erreger ausgelöst wird. Später wird der Erreger
als Virus identifiziert.
1917
· F. D'Herelle beschreibt eine "unsichtbare Mikrobe",
die Bakterien angreift. Er erfindet für dieses Phänomen den
Ausdruck "Bakteriophage".
· Sewall Wright weist nach, dass die Produktion der Farbpigmente
in Säugetieren mehrere biochemische Stufen benötigt, die in
einer festgelegten Reihenfolge ablaufen. Er postuliert, dass jede Stufe
von spezifischen Enzymen gesteuert wird.
1918
· Die deutsche Armee benutzt Azeton aus Pflanzen, um Bomben zu bauen.
· Als Folge einer weltweiten Influenza-Virusepidemie sterben 20 Millionen
Menschen - mehr als im Ersten Weltkrieg.
1919
· Der ungarische Ingenieur Karl Ereky prägt den Begriff "Biotechnologie".
1920
· In den USA wird die Hybridzüchtung von Nutzpflanzen vorangetrieben.
Sie führt in den Folgejahren zu immensen Steigerungen bei den Ernteerträgen.
1923
· In München wird der erste Lehrstuhl für "Rassenhygiene"
eingerichtet.
1924
· In den USA wird ein Einwanderungsgesetz verabschiedet, um die Zuwanderung
"minderwertiger" Immigranten aus Süd- und Ost-Europa zu
bremsen.
1926
· Hermann J. Muller weist nach, dass sich Gene spontan und durch
Einwirkung von Röntgenstrahlung verändern und dass die Bestrahlung
zu einer Zunahme von Mutationen führt. 1946 erhält er den Nobelpreis.
· Thomas Hunt Morgan publiziert sein bedeutendes Werk The Theory
of the Gene.
1928
· Lewis Stadler weist nach, dass durch die Einwirkung von ultravioletter
Strahlung zur Mutation von Genen führt.
· Alexander Fleming entdeckt, dass in einer Petrischale um einen
bestimmten Pilz (Penicillium notatum) keine Bakterien wachsen. Das Zeitalter
der Antibiotika wird eröffnet. Allerdings dauert es noch bis zum
Zweiten Weltkrieg, bis das Antibiotikum Penicillin massiv zum Einsatz
kommen.
1929
· Phoebus Levene studiert den zuvor unbekannten Zucker Desoxyribose
in Nukleinsäuren, die keine Ribose enthalten. Er legt damit einen
wichtigen Grundstein zur Entdeckung der Desoxyribonukleinsäure DNS
- im Englischen DNA genannt.
1933
· In Nazideutschland tritt das "Gesetz zur Verhütung erbkranken
Nachwuchses" in Kraft. Mehr als 56.000 Menschen werden zwangssterilisiert.
Die entsetzlichen Folgen der pseudowissenschaftlichen Politik während
des Dritten Reiches führen zu einem tiefen Misstrauen gegenüber
der Genetik.
1935
· Max Delbrück und andere Wissenschaftler äußern
im "Grünen Pamphlet" die Vermutung, dass es sich bei Genen
um fest umrissene, molekulare Einheiten eines Stoffs (später als
DNA identifiziert) handelt. Delbrück erhält 1969 den Nobelpreis.
· Andrej Nikolajewitsch Beloserskij gelingt es erstmals, reine DNA
zu isolieren.
1937
· In den USA wird von Wickliffe Draper der "Pioneer Fund"
gegründet - eine Stiftung, die in den USA die "Rassenverbesserung"
fördern soll.
1938
· Howard Florey und Ernst Chain von der Oxford Universität in
England isolieren Penicillin. Zwei Jahre später beginnt die Massenproduktion
des Medikaments. Der Begriff "Molekularbiologie" wird geprägt.
1941
· George Beadle und Edward Tatum konstatieren nach Experimenten mit
Schimmelpilzen, dass jedes Gen in ein Enzym übersetzt wird, welche
das Leben im Organismus steuern.
1943
· Die Rockefeller-Siftung initiiert mit der mexikanischen Regierung
ein Agrarprogramm - zum ersten Mal wird Pflanzenzucht als Entwicklungshilfe
eingesetzt. 14 Jahre später ist Mexiko erstmals in der Lage, sich
selbst zu ernähren.
· Das hormonelle Medikament Cortison wird erstmals industriell gefertigt.
· Salvador Luria und Max Delbrück entwickeln den ersten quantitativen
Test für Mutationen in Bakterien.
· Cortison wird erstmals in großen Mengen hergestellt.
1944
· Unter der Leitung von Oswald Theodore Avery gelingt einem US-Forscherteam
der Nachweis, dass die DNA Träger der genetischen Information ist.
Ihre Studien finden zunächst wenig Beachtung, da die meisten Wissenschaftler
glauben, die DNA sei zu einfach strukturiert, um komplexe genetische Vorgänge
steuern zu können. Sie denken, dass dies nur von den komplexeren
Proteinen bewerkstelligt werden kann. Ihr Name ist aus dem Griechischen
abgeleitet und bedeutet "erstrangig".
· Der österreichische Physiker Erwin Schrödinger formuliert
in seinem viel beachteten Buch What is life? (dt: Was
ist Leben?) die Idee eines genetischen Codes.
1945
· Salvador Luria und Max Delbrück entwickeln ein simples Modell,
in dem sie Phagen einsetzen, um zu studieren, wie genetische Informationen
in Bakterienzellen übertragen werden. Sie organisieren ein Seminar,
das viele Forscher nach Cold Spring Harbor (Long Island) zieht. CSH entwickelt
sich zur Trainingsstätte der ersten Generation von Molekularbiologen.
1946
· Der in Japan stationierte US-Militärberater D.C. Salmon macht
eine Entdeckung, die später zur Bestimmung des "Zwergengens"
führt und maßgeblich zum Erfolg der Grünen Revolution
beiträgt.
· Max Delbrück und Alfred Day Hershey weisen unabhängig
voneinander nach, dass das Erbmaterial unterschiedlicher Viren miteinander
zu einem neuen Virustyp kombiniert werden kann.
· Edward Tatum und Joshua Lederberg zeigen, dass Bakterien genetisches
Material direkt miteinander austauschen können. Diese Methode zur
Einschleusung von Fremd-DNA wird später Konjugation genannt.
1947
· Barbara McClintock postuliert die "springenden Gene"
(Transposons). Ihre Entdeckung bleibt lange Zeit unerkannt. 1983 bekommt
sie den Nobelpreis.
1950
· Erwin Chargaff findet heraus, dass vier Bausteine der DNA, die
"Basen", in bestimmten Verhältnissen zueinander vorliegen
- bekannt als die "Chargaff-Regel". Dabei bilden A Adenin (A)
und Thymin (T) sowie Guanin (G) und Cytosin (C) jeweils ein Paar.
· Erstmals gelingt die Befruchtung von landwirtschaftlichen Nutztieren
mit zuvor eingefrorenem Sperma.
1952
· Alfred Hershey und Martha Chase führen ihre berühmten
"Blender-Experimente" mit markierten DNA-Sequenzen und Proteinen
und Phagen durch, um den Lebenszyklus der Viren zu verfolgen. Sie weisen
nach, dass die DNA Träger der genetischen Information ist und dass
die Proteine nur eine untergeordnete Rolle spielen.
· Robert Briggs und Thomas King führen bei Fröschen einen
Kerntransfer durch und klonen bei 104 Experimenten 27 Kaulquappen.
· Joshua Lederberg und Norton Zinder zeigen, dass Bakterien manchmal
Gene in einer indirekten Methode austauschen. Bei dieser Transduktion
genannten Methode zur Einschleusung von Fremd-DNA fungieren Viren als
Genfähren. Sie transportieren kleine DNA-Stücke von einer Bakterienzelle
in eine andere.
· Joshua Lederberg und Edward Tatum entdecken die Plasmide.
· Jean Brachet schlägt vor, dass die Nukleinsäure RNA eine
wichtige Rolle bei der Synthese von Proteinen spielt.
· Mit einer UNESCO-Deklaration wird der politisch motivierte Abschied
vom Rassenbegriff eingeleitet. Die wissenschaftlich motivierte Abkehr
ist noch umstritten.
1953
· James Watson und Francis Crick entdecken die räumliche Struktur
der DNA - die berühmte Doppelhelix. Sie schaffen damit die Voraussetzungen
für die moderne Molekulargenetik. 1962 erhalten sie gemeinsam mit
Maurice Wilkens den Nobelpreis.
1955
· Frederick Sanger entschlüsselt die Aminosäuresequenz
von Insulin und zeigt erstmals, dass Eiweiße aus einer definierten
Abfolge von Aminosäuren bestehen.
1956
· Levan und Tijo weisen nach, dass der Mensch 23 Chromosomenpaare
hat.
· Arthur Kronberg gelingt es erstmals, eine DNA-Sequenz zu synthetisieren.
Parallel beginnt die Entwicklung einer Vielzahl von Methoden zur Analyse
des Erbguts.
1957
· Der Brite Francis Crick und George Gamov postulieren den funktionellen
Zusammenhang zwischen DNA und Proteinen. Ihre "Sequenz-Hypothese"
besagt, dass eine DNA-Sequenz die Folge von Aminosäuren in den Proteinen
bestimmt und dass dies nur in einer Richtung - vom Gen zum Protein - funktioniert.
1959
· François Jacob und Jacques Monod beginnen am Pasteur-Institut
in Paris mit Studien zur genetischen Regulation. Darunter verstehen sie
nachweisbare Steuerungsmechanismen auf der DNA. Sie weisen die Existenz
von Proteinen mit mehreren Funktionen nach. Zwei Jahre später postulieren
sie ihr Modell der "Gen-Regulation". Sie erhalten 1965 den Nobelpreis.
1961
· Francis Crick entdeckt, dass Botenmoleküle (mRNA) nötig
sind, um die Informationen der DNA aus dem Zellkern ins Zytoplamsa zu
transportieren, wo die Proteine gebildet werden. Entsprechende Vermutungen
hatte Crick bereits ab 1957 geäußert.
· Marshall Nirenberg synthetisiert einen mRNA-Strang der nur aus
der Base Uracil aufgebaut ist. Er entdeckt, dass diese Sequenz die Aminosäure
Phenylalanin definiert. Seine Entdeckung ist der erste Schritt, um den
"genetischen Code" aufzuklären.
1962
· Die so genannte Zytogenetik wird begründet. Zuvor werden Zusammenhänge
zwischen Chromosomenveränderungen und Krankheiten wie Trisomie 21
entdeckt.
· In Mexiko beginnt der Anbau von Hochleistungs-Nutzpflanzensorten.
Die Grüne Revolution nimmt von dort ihren Anlauf.
1965
· Auf Grundlage der Arbeiten von Marshall Nirenberg gelingt es Heinrich
Mathaei und Severo Ochoa, den Zusammenhang zwischen Genen und Proteinbildung
(den so genannten genetischen Code) aufzuklären: Drei DNA-Bausteine
definieren jede der 20 Aminosäuren. In der Folgezeit wird eine Reihe
von neuen Analyseverfahren entwickelt. Nirenberg erhält 1968 den
Nobelpreis.
1966
· John Gurdon klont Kaulquappen aus Darmwandzellen erwachsener Krallenfrösche.
1968
· Der Schweizer Genetiker Werner Arber entdeckt die "Restriktionsenzyme",
die DNA-Moleküle an definierten Stellen schneiden können - ein
bedeutendes Werkzeug der Gentechnik wird geschaffen. Er erhält 1978
den Nobelpreis.
1970
· Howard Temin und David Baltimore entdecken in unterschiedlichen
Studien in Retroviren das Enzym Reverse Transkriptase, mit dessen Hilfe
Viren ihre Erbinformationen umschreiben können, um sie in die Wirts-DNA
einzubauen. 1975 erhalten sie den Nobelpreis.
· Peter Duesberg und Peter Vogt entdecken das erste Krebsgen in einem
Virus.
· Torbjorn Caspersson und andere schwedische Wissenschaftler stellen
eine Methode vor, Chromosomen derart zu färben, dass sie das heute
bekannte Banden-Muster zeigen.
1972
· Einer Forschergruppe um Paul Berg gelingt es, mit Hilfe von Restriktionsenzymen
DNA zu zerschneiden und mit einem weiteren Enzym (Ligase) wieder zu verbinden.
So entsteht das erste vollständige rekombinante DNA-Molekül,
man spricht vom ersten gelungenen gentechnischen Experiment. Berg erhält
1980 den Nobelpreis.
1973
· In Stanford transferieren Stanley Cohen, Annie Chang und Herbert
Boyer in einem historischen Experiment zum ersten Mal DNA von einem Organismus
in einen anderen: Sie vereinen virale und bakterielle DNA und kreieren
ein Plasmid mit zwei Antibiotika-Resistenzen. Anschließend integrieren
sie das Plasmid in die DNA des Darmbakteriums Escherichia coli und schaffen
so den ersten rekombinanten Organismus. Sie legen damit den Grundstein
für alle heutigen gentechnischen Arbeiten.
· Der Biochemiker Bruce Ames entwickelt einen Test, der Chemikalien
identifiziert, welche DNA angreifen. Dieser "Ames-Test" wird
im Anschluss zur Feststellung Krebs erregender Stoffe eingesetzt.
1974
· Gene von Insekten und Wirbeltieren werden zum ersten Mal in Bakterienkulturen
vermehrt.
· Die Möglichkeit, DNA-Abschnitte verschiedener Herkunft miteinander
zu verbinden, wird entdeckt.
· Paul Berg und zehn weitere Wissenschaftler rufen zu einem weltweiten
Moratorium für bestimmte molekularbiologische Arbeiten auf, bis Richtlinien
für den Umgang mit dem neuen Wissen erstellt sind.
1975
· Auf der Konferenz von Asilomar in Kalifornien wird über internationale
Sicherheitsrichtlinien für Arbeiten in der Gentechnik beraten. 140
führende Wissenschaftler fordern ein Moratorium für gentechnische
Experimente und drängen ihre Regierungen, Richtlinien für die
Forschung zu erlassen.
· Die National Institutes of Health (NIH) in den USA gründen
das "Recombinant DNA Advisory Committee" (RAC) zur Erstellung
von Richtlinien für Arbeiten in der Gentechnik. Die ersten Regeln
werden 1976 implementiert. Sie dienen später auch als Vorlage für
das bundesdeutsche "Gentechnikgesetz" (GenTG).
· Georges Köhler und Cesar Milstein veröffentlichen die
Ergebnisse ihrer Forschungen zur Herstellung von "monoklonalen Antikörpern"
- einem wichtigen Werkzeug in der Molekular- und Zellbiologie. 1985 erhalten
sie den Nobelpreis.
1976
· Die Virologen J. Michael Bishop und Harold Varmus weisen Krebsgene
auf den Chromosomen von Tieren nach und zeigen, dass bestimmte Variationen
ihrer Anordnung zu Krebswucherungen führen können.
· In San Francisco wird von Herbert Boyer und Robert Swanson die
erste Gentech-Firma der Welt gegründet: Genentech Inc.
1977
· Erstmals gelingt die Klonierung eines menschlichen Gens und die
gentechnische Herstellung eines menschlichen Proteins in einem Bakterium:
des Hormons Somatostatin, das u. a. die Ausschüttung von Insulin
hemmt. Das Biotech-Unternehmen Genentech zeichnet verantwortlich für
diesen wissenschaftlichen Durchbruch, der als Einstieg ins Zeitalter der
Biotechnologie kommentiert wird.
· Walter Gilbert, Allan Maxam und Frederick Sanger entwickeln eine
leistungsfähige Methode zur DNA-Sequenzierung auf Basis von Chemikalien
statt Enzymen. Sie erhalten 1980 den Nobelpreis.
1978
· Louise Joy Brown kommt am 25. Juli als erstes "Retortenbaby"
in England zur Welt. Die Befruchtung der Eizelle in einem Reagenzglas
wird als In-vitro-Fertilisation (IVF) bezeichnet.
· Die US-Richtlinien für Arbeiten in der Gentechnik werden gelockert.
Folglich darf auch DNA aus Viren neu kombiniert werden.
· Erstmals wird ein gentechnisch veränderter Organismus patentiert.
Es handelt sich um ein Bakterium, das in der Lage ist, Öl zu absorbieren.
Die Patentierung des Unternehmens Exxon Oil wird angefochten, aber zwei
Jahre später vom Supreme Court in den USA bestätigt.
· In Deutschland werden "Richtlinien zum Schutz vor Gefahren
durch in-vitro neukombinierte Nukleinsäuren" (Genrichtlinien)
eingeführt. 1990 werden die Richtlinien durch das Gentechnikgesetz
abgelöst.
· Dem Biotech-Unternehmen Genentech gelingt die erfolgreiche gentechnische
Herstellung von Humaninsulin im Labor.
1979
· John Baxter berichtet vom ersten erfolgreichen Klonen eines menschlichen
Wachstumshormons.
1980
· Jeff Schell entdeckt das Agrobacterium tumefaciens als Vektor,
um Gene über Artgrenzen hinweg in Pflanzen einzuschleusen. In der
Grünen Gentechnik ist das Bodenbakterium bis heute der am häufigsten
benutzte Vektor.
1981
· Der entscheidende Durchbruch für die Stammzelltechnologie
gelingt: englische und amerikanische Embryologen trennen bei embryonalen
Stammzellen den Prozess der Vermehrung von der Differenzierung.
· Die erste durch Embryonenteilung geklonte Kuh und die erste ebensolche
Maus kommen zur Welt. Die Maus trägt das Gen für ein Wachstumshormon
der Ratte in ihren Zellen und erreicht eine stattliche Größe.
· Die Hoechst AG gibt dem Massachusetts General Hospital 70 Millionen
Dollar, um eine molekularbiologische Abteilung aufzubauen. Als Gegenzug
erwartet die Firma die exklusiven Rechte für alle Patente.
1982
· Das erste gentechnisch hergestellte (rekombinante) Medikament kommt
in den USA auf den Markt. Es handelt sich um Insulin für Zuckerkranke,
das von einem transgenen Bakterium gewonnen wird.
1983
· Erstmals werden in den USA Patente für transgene Pflanzen
vergeben, denen fremde Gene eingeschleust wurden.
· Die aus 48.502 Nukleotiden bestehende DNA-Sequenz des Bakteriophagen
Lambda wird veröffentlicht.
· Ein Gentest für Chorea Huntington ("Veitstanz")
wird entwickelt.
· Marvin Carruthers entwickelt an der Colorado-Universität eine
Methode, um DNA-Fragmente von fünf bis 75 Bausteinen Länge zusammenzusetzen.
· Kary Mullis entwickelt ein Verfahren, um mit Hilfe der "Polymerase-Kettenreaktion"
(Polymerase Chain Reaction, PCR), DNA zu vervielfältigen. Damit wird
die Molekularbiologie revolutioniert. 1993 erhält Mullis für
seine Entdeckung den Nobelpreis.
1984
· Das Genom des Human-Immundefizienz-Virus (HIV), das für Aids
verantwortlich ist, wird entschlüsselt.
· Die Ethik-Kommission der Universität San Diego erteilt erstmalig
die Erlaubnis zur Durchführung einer somatischen Gentherapie beim
Menschen. Die zuständigen US-Behörden lehnen das Projekt jedoch
ab.
· Der Brite Alec Jeffreys entwickelt die Technik des genetischen
Fingerabdrucks (Fingerprint).
· Der dänische Wissenschaftler Steen Willadsen von der Universität
Cambridge in England kloniert Schafe aus frühen Embryo-Zellen. Er
mixt auch Zellen verschiedener Arten und schafft die "Schiege"
aus Schaf und Ziege.
1985
· In den USA beginnen erste Freilandversuche mit insekten-, bakterien-
und virusresistenten transgenen Pflanzen.
· Die NIH geben Richtlinien für Experimente zur Gentherapie
an Menschen bekannt.
1986
· Der erste therapeutische Antikörper wird in den USA zugelassen
und gegen Abstoßungsreaktionen bei Nierentransplantationen eingesetzt.
· Die US-Behörden vergeben die erste Lizenz zur Herstellung
eines gentechnisch hergestellten Impfstoffs: Er schützt vor Hepatitis
B. Der Wirkstoff kommt ein Jahr später auf den Markt.
· Ian Wilmut klont identische Lämmer aus neun Tage alten Embryo-Zellen.
· EPA stimmt der Freisetzung der ersten genveränderten Pflanzen
(Tabak) zu.
1987
· Die im Sommer 1984 ins Leben gerufene Enquete-Komission des Deutschen
Bundestags "Chancen und Risiken der Gentechnologie" legt im
Januar einen umfassenden Bericht vor, der in das Gentechnikgesetz von
1990 einfließt. Die Bundesregierung beginnt mit der Förderung
des Programms "Biologische Sicherheitsforschung".
· Das Unternehmen Advanced Genetic Sciences beginnt im April in Kalifornien
mit ersten Feldversuchen mit transgenen frostbeständigen Bakterien
auf einem Erdbeerfeld. Gentechnik-Gegner besetzen das Feld, die Wissenschaftler
essen demonstrativ die Früchte.
· Zur Übertragung von Fremd-DNA in Pflanzenzellen wird der Mikroprojektilbeschuss,
die so genannte "Gen-Kanone", erfunden.
1988
· Die Initiative "Human Genome Project" wird in den USA
und in Japan beschlossen. Sie soll die systematische Entschlüsselung
des menschlichen Erbguts leisten. Die "Human Genome Organisation"
(HUGO) übernimmt im Oktober 1990 die Koordination dieses Vorhabens.
· Im April wird erstmals ein gentechnisch verändertes Säugetier
patentiert. Es handelt sich um eine Maus, die als Tiermodell für
die Krebsforschung dient. Das transgene Tier wurde von den Molekulargenetikern
Philip Leder und Tomothy Steward entwickelt. Es ist extrem anfällig
für Krebs und wird daher "Krebsmaus" oder "Onkomaus"
genannt.
· Erstmals wird das Enzym Chymosin (Labferment), das zur Käseproduktion
benötigt wird und traditionell aus Kälbermagen gewonnen wurde,
von gentechnisch veränderten Bakterien produziert.
1989
· Mario Capecchi stellt eine zuverlässige Technik vor, mit der
bestimmte Gene in Mäusen gezielt ausgeschaltet werden können.
Sie wird als "Knock-out-Methode" bezeichnet.
· US-Forscher entwickeln ein rekombinantes Vakzin gegen das Rinderpest-Virus.
· Gentechnisch hergestelltes Erythropoetin (EPO), das für Patienten
mit Nierenfunktionsstörungen lebensnotwendig ist, kommt auf den Markt
(Amgen).
· Francis Collins und Lap-Lee Tsui finden das Gen für Zystische
Fibrose (Mukoviszidose) auf Chromosom 7.
1990
· French Anderson führt im September in den USA erstmalig ein
Gentherapieexperiment an einem vierjährigen Kind durch. Das Mädchen
leidet an einer schweren Immunkrankheit (ADA-Mangel), die unbehandelt
rasch zum Tode führt.
· In Frankreich werden die ersten Mädchen geboren, die im Frühstadium
ihrer Embryonalentwicklung mittels Präimplantationsdiagnostik (PID)
auf mögliche Erbkrankheiten untersucht worden sind.
· Die Epidemiologin Mary Claire King aus Berkeley entdeckt ein Brustkrebs-Gen
auf Chromosom 17.
· Das Agrarunternehmen Calgene berichtet von erfolgreichen Anbauversuchen
mit herbizid-toleranten Baumwollpflanzen.
· Die EU beschließt im April die Systemrichtlinie über
die "Anwendung genetisch veränderter Mikroorganismen in geschlossenen
Systemen" und die Freisetzungsrichtlinie für die "Freisetzung
von genetisch veränderten Organismen in die Umwelt".
· Im Juli tritt das bundesdeutsche "Gesetz zur Regelung von
Fragen der Gentechnik" (Gentechnikgesetz - GenTG) in Kraft. Es überträgt
die System- und Freisetzungsrichtlinien der EU in nationales Recht.
· Die holländische Firma Bejo Zaden beginnt mit der Forschung
an transgenem Radicchio.
o In den Niederlanden werden Rinderembryonen gentechnisch so verändert,
dass die Milch der aus ihnen entstehenden Kühe Human-Laktoferrin
enthalten soll. Im Dezember kommt der erste und einzige Nachwuchs zur
Welt: ein männliches Kalb, das Herman getauft wird.
· Das Human Genome Project wird gestartet, um das menschliche Genom
zu entschlüsseln.
1991
· Im Januar tritt das bundesdeutsche Embryonenschutzgesetz (EschG)
in Kraft. Es verbietet unter anderem die Keimbahntherapie beim Menschen
und die Präimplantationsdiagnostik (PID).
· Im April erhält das Max-Delbrück-Laboratorium die erste
Genehmigung zur Freisetzung eines gentechnisch veränderten Organismus
in der BRD. Es handelt sich um transgene Petunien, deren Blütenfarbe
verändert wurde.
· Belgische Reproduktionsmediziner erfindet die ICSI-Technologie
(Intra-Cytoplasma-Spermien-Injektion), bei der ein Spermium direkt in
die Eizelle gespritzt wird.
· Das transgene Schaf Tracey produziert große Mengen an humanem
Antitrypsin in der Milch.
1993
· Der Gendefekt für die schwere Erbkrankheit SCID auf dem X-Chromosom
wird entdeckt.
· Wissenschaftler der George-Washington-Universität klonen menschliche
Embryos und kultivieren sie in einer Petrischale. Entsprechend den US-Gesetzen
verwerfen sie die Zellen nach einigen Tagen. Ihr Experiment wird von zahlreichen
Ethikern und Politikern kritisiert.
· Im Van-Helmont-Krankenhaus bei Brüssel soll es durch Zufall
im Rahmen der Reagenzglasbefruchtung (IVF) zu einem Embryonensplitting
und dem Klonen identischer Zwillinge gekommen sein.
· Das 1990 beschlossene deutsche Gentechnikgesetz wird durch eine
Reihe zusätzlicher Verordnungen ergänzt und novelliert.
1994
· Leonard M. Adlemann von der Universität Südkalifornien
gibt den Startschuss für die Entwicklung von Biocomputern. Er zeigt,
dass DNA-Moleküle Informationen speichern und verarbeiten können.
· Ein in gentechnisch veränderten Hamsterzellen produziertes
Medikament zur Behandlung der Mukoviszidose kommt auf dem Markt.
· Wissenschaftler an der Universität Texas berichten, das Enzym
Telmoerase isoliert und analysiert zu haben. Sie sprechen ihm eine große
Bedeutung für unkontrollierte Tumorbildungen zu.
· Das Brustkrebs-Gen BRCA1 wird entdeckt.
· In den USA kommt die erste gentechnisch veränderte Pflanze
auf den Markt. Es handelt sich um die gegen Verrottung beständigere
FlavrSavr-Tomate.
· In den USA erscheint das Buch The
Bell Curve von Charles Murray und Richard J. Herrnstein. Die Autoren
behaupten, dass Schwarze aufgrund genetischer Ursachen durchschnittlich
weniger intelligent seien als Weiße. Das Buch löst eine heftige
Kontroverse aus.
1995
· Forscher am Medizinischen Zentrum der Duke-Universität gelingt
eine Herztransplantation von einem transgenen Schwein in einen Pavian.
Sie stellen damit unter Beweis, dass Organtransplantationen über
Artengrenzen hinweg möglich sind.
· Der US-Kongress spricht sich gegen die Forschung an menschlichen
Embryonen aus.
· Ein Verfahren wird entdeckt, das die parallele Analyse einer Vielzahl
von DNA-Sequenzen auf kleinstem Raum ermöglicht: Die Genanalyse mittels
"DNA-Chips".
· Eine transgene Maus mit dem menschlichen Gen für die Alzheimer-Krankheit
wird entwickelt.
· Erstmals wird das Genom eines Bakteriums (Haemophilus influenzae)
vollständig sequenziert. Die Daten werden im Mai veröffentlicht.
· Die deutsche Biochemikerin Christiane Nüsslein-Volhard und
die Amerikaner Eric F. Wieschaus und Edward B. Lewis erhalten für
ihre Arbeiten über die grundlegenden genetischen Steuerungsmechanismen
der Embryonalentwicklung bei Fliegen den Nobelpreis.
· Die BRD schließt sich dem internationalen Humangenomprojekt
an.
· Nach langem Antragsprozedere kommt erstmals ein transgenes Pflanzenprodukt
(Tabak) auf den EU-Markt.
· Das Unternehmen AgrEvo (mittlerweile in Aventis aufgegangen) beantragt
erstmals die EU-Genehmigung zur Vermarktung von herbizidtolerantem Raps
in Deutschland.
· In den USA kommt das Rapsöl Laurical auf den Markt, das mittels
eines der Pflanze eingeschleusten Fremdgens reich an der Fettsäure
Laurin ist und sich deshalb besonders gut für die Herstellung von
Pralinen, Margarine und Molkereiprodukten eignet.
1996
· Der Durchbruch der Grünen Gentechnik in den USA erfolgt mit
der Einführung transgener Sorten der bedeutendsten Nahrungspflanzen
Raps, Mais und Soja.
· Das Pharmaunternehmen Biogen bringt rekombinantes Interferon gegen
Multiple Sklerose auf den Markt.
· Das erste Genom eines komplexen Organismus, der Bäckerhefe
(Saccharomyces cerevisiae), wird vollständig entschlüsselt.
Mit mehr als zwölf Millionen Basen handelt es sich um das bislang
umfangreichste entschlüsselte Genom.
· Schaf Dolly
kommt in Edinburgh zur Welt. Ian Wilmut und Keith Campbell am schottischen
Roslin-Institut sind die Schöpfer des geklonten Tieres aus der Euterzelle
eines erwachsenen Schafes. Die Geburt von Dolly wird erst im Februar des
nächsten Jahres bekannt gegeben
· Das Kenianische Agrarforschungsinstitut (KARI) startet eine Forschungsprojekt
mit dem Ziel der Entwicklung von Bananen mit gentechnisch erzeugter Pilzresistenz.
· Transgene Sojabohnen treffen erstmals auf dem EU-Markt ein.
· In Dänemark entwickeln Wissenschaftler gentechnisch veränderte
Hefekulturen für die Carlsberg-Brauerei, mit dem Ziel, den Biergeschmack
zu stabilisieren.
· Forscher schleusen einer Sojabohne zu Versuchszwecken ein Paranuss-Gen
ein. Der Gentransfer im Experiment ruft bei Testpersonen Paranuss-Allergien
hervor. Auf eine kommerzielle Entwicklung dieser Sojabohne wird deshalb
verzichtet.
1997
· Die UNESCO-Deklaration "Allgemeine
Erklärung über das menschliche Genom und Menschenrechte"
wird verabschiedet.
· Im Mai tritt das im Januar bewilligte Gesetz, welches den Marktzugang
für gentechnisch veränderte Lebensmittel innerhalb der Europäischen
Union regelt, in allen Mitgliedsländern in Kraft: die Novel Food-Verordnung
über "neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten".
· An Ostern gibt es einen "Schokoladen-Schock", als in
der legendären Toblerone transgene Sojalecithinspuren ausgemacht
werden: 250 Tonnen des "Gipfels der Genüsse" werden aus
dem Verkehr gezogen.
· Huntington F. Willard von der Medizinischen Fakultät der Universität
Case-Western-Reserve in Cleveland stellt erstmals ein künstliches
menschliches Chromosom her.
· Die erste EU-Genehmigung für die Inverkehrbringung von transgenem
Mais wird erteilt.
· Ein japanischer Forscher bringt Mäuse unter Schwarzlicht zum
Leuchten, in dem er ihnen ein als Marker genutztes Leuchtgen einer Qualle
einschleust.
· Am schottischen Roslin-Institut kommt das aus Körperzellen
des Muttertieres geklonte Schaf Polly zur Welt, dem erstmals ein menschliches
Gen eingeschleust wurde.
· Zwei Rhesusaffen werden geklont.
· Die Genome der Krankheitserreger Borrelia burgdorferi, Escherichia
coli und Helicobacter pylori werden entschlüsselt.
· In den USA wird die erste Antikörpertherapie gegen die Krebserkrankung
Non-Hodgkin's Lymphom zugelassen.
· Der US-Physiker Richard Seed verkündet im Dezember, er wolle
Menschen klonen.
· Die Ufologen-Sekte der Raelianer bietet durch ihre Firma Clonaid
das Klonen von Menschen für 200.000 Dollar im Internet an.
1998
· Im Frühjahr schleusen US-Forscher Schweineembryos das bei
fast allen Säugetieren in geringen Konzentrationen vorkommende Wachstumsgen
IGF-I (Insulin-Like Growth Factor-I) ein.
· Im April bekommt das Schaf Dolly, das erste Tier, das aus der Zelle
eines erwachsenen Tiers geklont wurde - auf ganz natürliche Weise
- Nachwuchs. Am Ostermontag kommt ein weibliches Lamm namens Bonnie zur
Welt.
· Die EU beschließt im Mai die Verordnung zur "Kennzeichnung
von Lebensmitteln und -zutaten aus Gen-Mais und Gen-Soja".
· Die EU beschließt im Juli die Patentrichtlinie über
den "Schutz
biotechnologischer Erfindungen".
· Der Deutsche Bundesrat beschließt im Juli eine Verordnung,
die die freiwillige Verwendung der Kennzeichnung "Ohne Gentechnik"
auf Waren regelt. Sie tritt im Oktober in Kraft.
· Es gibt die vorläufig letzten EU-Handlungen zum Inverkehrbringen
transgener landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Nach der Novellierung von
Gesetzen wird 2002 wieder mit neuen Markteinführungen gerechnet.
· In Hawaii werden erstmals transgene Papayasorten, die gegen das
Papaya-Ringspot-Virus resistent sind, kommerziell angebaut.
· Wissenschaftler in Japan klonen acht identische Kälber aus
Zellen einer ausgewachsenen Kuh.
· Im August meldet sich im britischen Fernsehen der Lektin-Forscher
Arpad Pusztai vom Rowett-Forschungsinstitut in Aberdeen zu Wort und behauptet,
gentechnische Veränderungen bei Kartoffeln hätten im Versuch
bei Ratten zu schweren Gesundheitsbeeinträchtigungen geführt.
· Im September tritt die EU-Ergänzungsverordnung zur im Mai
1997 implementierten "Novel-Food-Verordnung" in Kraft.
· Der aus den USA importierte Erdnuss-Cornflakes-Riegel Butterfinger
von Nestlé mit transgenem Mais kommt im September in Deutschland
erstmals auf den Markt. Im Juli 1999 wird er wieder aus dem Sortiment
genommen.
· Im November wird berichtet, dass es zwei Arbeitsgruppen in Baltimore
und Wisconsin unter der Leitung von John Gearhart erstmalig gelungen sei,
menschliche embryonale Stammzellen zu isolieren und im Labor zu züchten.
· Das Genom des ersten mehrzelligen Tierorganismus (des Fadenwurms
Caenorhabditis elegans) wird vollständig entschlüsselt.
· Die Firma Advanced
Cell Technology klont erstmals einen Menschen. Dabei wird das Erbmaterial
eines Mannes in eine entkernte Eizelle einer Kuh eingebracht. Der daraus
entstandene Embryo wird nach 12 Tagen vernichtet.
· Unter der Leitung von Stewart Cole vom Pariser Pasteur-Institut
wird das Erbgut des Tuberkulose-Erregers entschlüsselt.
· Dem Hoechst-Konzern wird nach 14-jähriger Genehmigungsphase
gestattet, in Deutschland eine Anlage zur gentechnischen Herstellung von
Insulin in Betrieb zu nehmen.
· In der EU werden blau blühende Nelken zugelassen, denen zur
Farbgebung ein Petunien-Gen eingeschleust wurde.
· In den USA wird erstmals transgener StarLink-Mais angebaut.
· Auf transgene Nutzpflanzen mit Terminator-Technologien werden erste
Patente angemeldet.
· Das isländische Parlament beschließt im Dezember den
Aufbau einer Datenbank, in der die Gendaten der gesamten Bevölkerung
zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelt werden.
1999
· Im Januar befindet das US-amerikanische "Department of Health
and Human Services" (DHHS), dass menschliche embryonale Stammzellen
nicht generell unter das Verbot der Embryonenforschung fallen.
· Der britische Wissenschaftler Ian Wilmut, "Vater" des
Klonschafes "Dolly" gibt an, in Kooperation mit dem US-Unternehmen
Geron, noch in diesem
Jahr menschliche Embryos klonen zu wollen.
· Im März verabschiedet die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) eine Stellungnahme zum Problemkreis "Humane Embryonale Stammzellen"
und spricht sich gegen Forschung an und mit menschlichen Stammzellen und
gegen das Klonen von Menschen oder die Erzeugung von Menschen mit künstlich
verändertem Erbgut aus.
· Im April beschließen weltweit führende Pharmakonzerne,
ein Forschungsprogramm zu finanzieren, mit dem Variationen des menschlichen
genetischen Codes (SNPs) im Hinblick auf allgemeine Krankheiten analysiert
werden sollen. Die Ergebnisse sollen nicht patentiert werden, sondern
frei zugänglich sein.
· Ab Mai steht der Monarchfalter an oberster Stelle der durch Grüne
Gentechnik angeblich bedrohten Schmetterlingsarten.
· Im Mai berichten US-Wissenschaftler von einer erfolgreichen Schwangerschaft,
bei der mittels Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgeschlossen worden
war, dass das Kind betroffener Eltern ebenfalls Träger der Erbkrankheit
Sichelzell-Anämie sein würde.
· Im Juni fordert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), aufgrund
der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Perspektiven der Genomforschung
sei eine deutliche Erhöhung der Fördermittel in der BRD notwendig.
· Im Juni fordern deutsche Mediziner angesichts der medizinischen
Fortschritte bei der Arbeit mit embryonalen Stammzellen in den USA und
in Großbritannien ein Umdenken und eine Revision des Embryonenschutzgesetzes
in Deutschland.
· In der Nähe von Würzburg und auf einem Versuchsgelände
bei Siebeldingen werden im Juli die ersten transgenen Riesling-Reben freigesetzt.
o Im August vermelden US-Wissenschaftler ihren Erfolg, bei Ratten fehlerhafte
DNA-Abschnitte dauerhaft durch intakte Fragmente der Erbsubstanz zu ersetzen
und so funktionsfähige Gene wiederherzustellen. Das Ergebnis gilt
als medizinischer Meilenstein, da es die Heilung schwerer monogenetischer
Krankheiten beim Menschen ermöglichen könnte.
· Im September stirbt in den USA der 18-jährige Jesse Gelsinger,
nachdem er bei einem Gentherapieexperiment sehr große Mengen von
Adenoviren injiziert bekommen hatte.
· Im September berichten Fachjournale über transgene Mäuse,
die aufgrund einer gezielten genetischen Veränderung im Gehirn bei
verschiedenen Tests deutlich bessere Lern- und Gedächtnisleistungen
erbrachten als ihre unveränderten Artgenossen.
· Der Vortrag "Regeln
für den Menschenpark" des deutschen Philosophen Peter Sloterdijk
entfacht im Herbst in Deutschland eine heftige Auseinandersetzung über
die Züchtung von Menschen.
· Wissenschaftler der Neuseeland-Universität transplantieren
erstmals ohne Anwendung von Immunosuppressiva eingekapselte Schweine-Inselzellen
in einen Menschen.
· Ende des Jahres sorgt die Erfindung des "Goldenen Reises"
durch die beiden deutschen Wissenschaftler Ingo Potrykus und Peter Beyer
erstmals für Schlagzeilen.
· Rekombinante Proteine aus der Milchdrüse transgener Schafe
und Ziegen befinden sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der
klinischen Prüfung. Insgesamt werden rund 300 rekombinante Medikamente
in klinischen Studien getestet, hunderte mehr sind in der Entwicklung.
2000
· Die Novel-Food-Verordnung
der EU wird durch die ab Januar gültige "Schwellenwert-Verordnung"
ergänzt und verschärft. Sie regelt die Kennzeichnung von aus
transgenen Organismen hergestellten Lebensmitteln ab einem Fremd-DNA-Anteil
von einem Prozent. Ebenfalls in Kraft tritt die Verordnung der EU-Kommission
über die "Kennzeichnung von Zusatzstoffen und Aromen" auf
der Grundlage gentechnischer Herstellungsverfahren.
· Im Januar verkündet der damalige US-Präsident Clinton
eine nationale Nanotechnologie-Initiative. Er erklärt die Forschung
auf diesem Gebiet zur obersten Priorität.
· Im Februar stoppt Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne)
mittels einer Weisung an das Robert-Koch-Institut (RKI) die erste Zulassung
für den kommerziellen Anbau von transgenem Mais in Deutschland.
· Im Frühjahr legen Forscher der weltweit bedeutendsten Wissenschaftsakademien
ein gemeinsam verfasstes Dokument mit dem Titel "Transgene Pflanzen
und die Welt-Agrarwirtschaft" vor, um die Sorgen der Entwicklungsländer
zu betonen.
· Im März beschließt der Deutsche Bundestag die Einsetzung
der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin".
· Im April meldet der Agrarkonzern Monsanto die Entschlüsselung
eines Großteils des Reisgenoms und ergänzt, dass der Konzern
die Genomdaten veröffentlichen und Wissenschaftlern die lizenzierte
Nutzung der hauseigenen Technologien ermöglichen werde.
· Im April wird ein Durchbruch bei der Entwicklung einer Gentherapie
für die schwere Erbkrankheit SCID vermeldet: Einem französischen
Ärzteteam ist erstmals gelungen, ein Kind ausschließlich mit
einer Gentherapie zu heilen.
· Im Mai wird auf deutschem Ackerland "illegal gepflanzter"
transgener Raps entdeckt.
· In Nairoi wird im Mai auf einer UN-Konferenz das "Abkommen
zum internationalen Handel mit gentechnisch veränderten Organismen"
(Biosafety Protocol) von 68 Staaten unterzeichnet, darunter Deutschland.
· Im Juni geben Craig Venter und Francis Collins die Entschlüsselung
des menschlichen Genoms durch die Firma Celera Genomics und das internationale
Humangenomprojekt bekannt.
· Im Juli berichten Wissenschaftler aus Kalifornien und Taiwan, dass
es ihnen gelungen sei, Patienten mit massiv verletzten Augen zu helfen.
Sie nutzten dazu Hornhautstammzellen.
· Im Juli berichtet der Forscher Nick Wright vom Nationalen Krebsforschungszentrum
(ICRF) in London von Erfolgen bei der Entwicklung von Lebergewebe aus
Stammzellen des Knochenmarks.
· Im Juli erklärt der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft,
Ernst-Ludwig Winnacker, dass auch beim Menschen unter bestimmten Bedingungen
Eingriffe in die Keimbahn gerechtfertigt seien. Allerdings seien die technischen
Voraussetzungen auf absehbare Zeit noch nicht erfüllt.
· Im Sommer gelingt Forschern der Cornell-Universität die Entwicklung
einer transgenen Kartoffel, die Hüllproteine des Norwalk-Virus enthält.
Daraus soll ein essbarer Impfstoff entstehen, der das Immunsystem der
Kartoffelesser gegen das Virus aktiviert.
· Wissenschaftler eines vom amerikanischen
Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID)
geförderten Projekts veröffentlichen im August die Genomsequenz
des Cholera-Erregers (Vibrio cholerae).
· Im August kommen in Kenia erstmals virusresistente Süßkartoffeln
auf den Markt.
· Einer Emnid-Studie von August zufolge lehnen 70 Prozent der Deutschen
gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Das Allensbach-Institut
für Demoskopie veröffentlicht parallel dazu eine Umfrage, nach
der jeder zweite Deutsche die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts
für bedeutender hält als die Mondlandung.
· Im August berichten Forscher aus New Jersey, dass es ihnen gelungen
sei, Hirnzellen aus Knochenmarkszellen zu züchten.
· Im August kündigt die britische Regierung an, zukünftig
das Klonen menschlicher Embryonen zu therapeutischen Zwecken zu erlauben.
· Die US-Regierung gibt im August bekannt, die Forschung mit embryonalen
Stammzellen zukünftig staatlich zu fördern.
· Im August berichten australische Forscher der Firma Stem Cell Sciences,
dass ihnen erstmals die Prozedur des therapeutischen Klonens bei der Maus
gelungen sei.
· Im August stellen japanische Forscher ein geklontes Ferkel vor,
das sie Xena taufen. Xena wurde mit einem neuen Verfahren aus einem für
Transplantationen optimierten Schwein geklont.
· Im September wird an der Uniklinik Freiburg erstmals bei einem
Patienten ein Teil der Ohrmuschel, den er bei einem Unfall verloren hatte,
durch aus einer Rippe des Patienten gezüchtetes Knorpelgewebe ersetzt.
· Die Firma Celera Genomics von Craig Venter stellt im September
eine neue Datenbank mit 2,8 Millionen SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms)
vor - Stellen, an denen sich die Genome verschiedener Menschen unterscheiden.
· Im September kommt die bislang folgenreichste Panne in der Geschichte
der Grünen Gentechnik ans Tageslicht: In Maischips-Packungen der
Marke TacoBell werden Spuren von transgenem StarLink-Mais festgestellt,
der nur als Futtermittel zugelassen ist.
· Im September beschließt die Regierung Estlands, genetische
Daten der Bürger des Landes in einer Datenbank zu erfassen und der
Wissenschaft zur Verfügung zu stellen.
· Der älteste bekannte Organismus wird aus einer Art Winterschlaf
geweckt, in dem er die letzten 250 Millionen Jahre in einer mit Salzlake
gefüllten Höhlung im Inneren eines pflaumengroßen Salzkristalls
verbracht hatte. Es handelt sich um ein Bakterium der Gattung Bacillus.
· Im Oktober wird bekannt, dass die Bundeswehr im laufenden Kalenderjahr
25 gentechnische Forschungsprojekte mit insgesamt drei Millionen D-Mark
unterstützte.
· Im Oktober wird berichtet, dass genetische Tests einem amerikanischen
Paar gezielt zur Geburt eines Retortenbabys verholfen haben, aus dessen
Nabelschnurblut Ärzte Stammzellen entnehmen, mit denen sie das Leben
der Schwester des Kindes retten können.
· Im Oktober spricht sich der Präsident der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, dafür aus,
das bestehende Embryonenschutzgesetz hinsichtlich der Verwendung menschlicher
Stammzellen vorerst nicht zu ändern.
· Ende November meldet ein internationales Forscherteam die Entschlüsselung
der rund 25.000 Gene der für die Grüne Gentechnik bedeutenden
Modellpflanze Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana).
· Britische Forscher berichten, ihnen sei es gelungen, bei Ratten
bestimmte Stützzellen des Gehirns wieder in ihrer Entwicklung zurückzudrehen
und diese rückprogrammierten Zellen in eine andere Richtung weiterzuentwickeln.
· Im Dezember berichten Forscher des US-Unternehmens Transkaryotic
Therapies von einer zumindest teilweise erfolgreichen Gentherapie
bei Blutern.
· Als einziges EU-Land beschließt das britische Parlament im
Dezember ein Gesetz, das therapeutisches Klonen mit dem Ziel der Behandlung
Kranker erlaubt.
· Schottische Wissenschaftler aus Edinburgh melden Ende des Jahres,
transgene Kartoffeln gezüchtet zu haben, die gelb zu leuchten beginnen,
sobald ihnen das Wasser knapp wird.
· Im Jahr 2000 wurden in Deutschland mit Hilfe der Gendateien über
15.000 Tatverdächtige ermittelt.
1/2001
· Die Medizinische Hochschule Hannover startet in Zusammenarbeit
mit der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) einen Modellversuch, bei
dem sich Freiwillige auf die genetisch bedingte Eisenspeicherkrankheit
(Hämochromatose) testen lassen können.
· Der Schweizer Agrarkonzern Syngenta
und die amerikanische Gentechnikfirma Myriad
Genetics geben die vollständige Entschlüsselung des Reisgenoms
bekannt.
· Dem Internationalen
Reisforschungsinstitut auf den Philippinen (IRRI) und dem nationalen
philippinischen Reisforschungsinstitut PhilRice werden erste Proben des
"Goldenen Reises" überreicht.
· Die Kuh Bessy bringt einen geklonten Gaur namens Noah zur Welt.
Das Jungtier stirbt allerdings zwei Tage später wegen einer bakteriellen
Infektion.
· Der US-Fortpflanzungsforscher Panayiotis Zavos und sein italienischer
Kollege Severino Antinori geben bekannt, dass sie im Laufe des Jahres
erstmals einen Menschen klonen wollen.
2/2001
· Das EU-Parlament stimmt der verschärften Freisetzungsrichtlinie
für transgene Pflanzen zu, in der auch deren Inverkehrbringung geregelt
ist. Bis Ende 2002 soll die Regelung in nationales Recht umgesetzt werden.
Die EU arbeitet parallel an einem neuen Gentechnik-Gesetz für Lebens-
und Futtermittel.
· Craig Venter gibt die komplette Entschlüsselung des Maus-Genoms
durch seine Firma Celera
Genomics bekannt.
· Wissenschaftler der Human
Genome Organisation (HUGO) und des Biotechnik-Unternehmens Celera
Genomics stellen Gen-Atlanten vor, die die vor mehr als einem Jahr
entschlüsselten DNA-Sequenzen in sinnvoller Weise zusammenfügen.
Schätzungen über die Zahl menschlicher Gene werden von bisher
rund 100.000 auf nur 30.000 bis 40.000 korrigiert.
· Forscher der Firma PPL
Therapeutics melden, sie hätten erstmals vollständig differenzierte
Hautzellen von Kühen in den Zustand pluripotenter Stammzellen zurückprogrammiert
und anschließend zu Herzzellen entwickelt.
3/2001
· Nach dem Mord an einem zwölfjährigen Mädchen in
Brandenburg wird von Politikern der Unionsfraktion gefordert, von allen
männlichen Bewohnern Deutschlands einen genetischen Fingerabdruck
zu erstellen.
4/2001
· In Kalifornien wird erstmals eine Gentherapie bei einer Alzheimer-Patientin
durchgeführt. Der Lehrerin werden ihre eigenen, gentechnisch veränderten
Hautzellen ins Gehirn implantiert.
· Das Erbgut des wichtigsten Milchbakteriums Lactococcus lactis ist
entschlüsselt. Milchbakterien sind notwendig, um aus dem Rohstoff
Milch verschiedene Käsesorten oder Joghurt herzustellen.
5/2001
· Auf Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder formiert
sich der Nationale
Ethikrat mit 24 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft
und Kirche.
· Die Deutsche Forschungsgesellschaft
(DFG) verkündet Anfang des Monats einen Kurswechsel hinsichtlich
ihrer Haltung zur Embryonenforschung. DFG-Präsident Ernst-Ludwig
Winnacker erklärt die bedingte Zustimmung zur Arbeit mit embryonalen
Stammzellen in Deutschland.
· Bundespräsident Rau fordert in seiner "Berliner
Rede" zur Bio- und Gentechnik "Tabus anzuerkennen",
am Verbot der Embryonenforschung und der PID festzuhalten sowie der Selbstbestimmung
der Bürger und der Freiheit der Wissenschaftler Grenzen zu setzen.
· Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
zur Förderung der Wissenschaften, Hubert Markl, kritisiert in
seiner Rede bei der Jahresversammlung der Gesellschaft die biologistische
Position des Bundespräsidenten und ruft dazu auf, den Unterschied
zwischen einer embryonalen Stammzelle und einem Menschen anzuerkennen
und der Forschung mehr Freiheit einzuräumen.
· Abgeordnete des Bundestages rufen das "Bündnis
Menschenwürde" ins Leben, das als Plattform für die
Gegner eines Kurswechsels in der Biomedizin dienen soll.
· Amerikanische Forscher können erstmals bei blinden Hunden
die Sehfähigkeit mit einer Gentherapie komplett wieder herstellen.
· In Deutschland sind bisher 80 gentechnisch hergestellte Medikamente
mit 60 verschiedenen Wirkstoffen zugelassen.
· Die Universität Lübeck erhält eine Lieferung humaner
embryonaler Stammzellen vom US-amerikanischen Wicell
Institute.
· Forscher der Technischen Hochschule Aachen stellen im Spritzgussverfahren
eine künstliche Herzklappenprothese her, die (weltweit erstmalig)
vollständig aus körpereigenem Material besteht.
· Die USA lehnen das "Abkommen zum Verbot der Entwicklung, Herstellung
und Lagerung biologischer Waffen" ab und kündigen an, das Protokoll
zur Durchsetzung des Verbots nicht zu unterschreiben, weil sie durch die
Kontrolle ihrer Waffen-Labors die Nationale Sicherheit der USA gefährdet
sehen. Eine baldige Umsetzung der Biowaffenkonvention scheint damit unwahrscheinlich.
6/2001
· Xiangzhong Jang von der Connecticut Universität gibt bekannt,
die erste Katze ohne Allergene züchten zu wollen.
· Die Association of the British Pharmaceutical Industry gibt den
Start einer klinischen Studie mit 80 Patienten für einen Impfstoff
gegen die Alzheimer-Krankheit bekannt.
· Ein erster Versuch einer Gentherapie bei Hämophilie A ist
Erfolg versprechend verlaufen. Wissenschaftlern vom Beth Israel Deaconess
Medical Center in Boston ist es gelungen, das Gen für den Gerinnungsfaktor
VIII ohne Einsatz von Viren in Zellen der Patienten zu übertragen.
· Das Auswärtige Amt gibt bekannt, Deutschland und Frankreich
wollen mit einer gemeinsamen Initiative bei den Vereinten Nationen (UN)
das Klonen von Menschen verhindern.
7/2001
· In den USA haben Forscher menschliche Embryonen erstmals rein für
Forschungszwecke erzeugt. Die Wissenschaftler vom Jones
Institut für Reproduktive Medizin in Norfolk (Virginia) gewannen
50 Embryonen aus den Eizellen von bezahlten Spenderinnen und aus Spendersamen.
Sie entnahmen ihnen Stammzellen und zerstörten den Rest der Embryonen
anschließend.
· Die amerikanische Biotechnik-Firma Advanced
Cell Technology hat mit dem "therapeutischen Klonen" begonnen,
um auf diese Weise menschliche embryonale Stammzellen zu gewinnen.
· Australischen Wissenschaftlern gelingt es, Eizellen mit genetischem
Material aus Körperzellen zu befruchten, so dass kein Sperma mehr
benötigt wird.
· Forscher von der Universität Toronto und der Universität
von Kalifornien in Davies stellen die erste gentechnisch veränderte
Tomate vor, die in salzigen Böden wachsen kann.
· Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut
für biophysikalische Chemie in Göttingen haben eine vergleichsweise
einfache und universelle Methode ("RNA-Interferenz") entwickelt,
um einzelne Gene abzuschalten, und in menschlichen Zellen erprobt.
· Zahnmediziner vom Forsyth-Institut
in Boston haben eine Impfung gegen Karies erfolgreich an Ratten getestet.
Dabei wurde das Immunsystem der Tiere aktiv und verhinderte, dass sich
die für Karies verantwortlichen Bakterien der Art Streptococcus mutans
als dichter Belag an die Zähne hefteten.
8/2001
· Der italienische Gynäkologe Severino Antinori, der Amerikaner
Panayiotis Michael Zavos und die kanadische Chemikerin Brigitte Boisselier
verteidigen bei einer Anhörung in der National Academy of Sciences
in Washington ihre Pläne, Menschen zu klonen.
· Der lybische Revolutionsführer Muammar el Gaddafi bietet
nach einem Bericht des österreichischen Standard dem italienischen
Arzt Severino Antinori seine "volle Unterstützung" beim
Klonen eines Menschen an.
· US-Präsident George W. Bush gibt bekannt, die Forschung
an neuen menschlichen embryonalen Stammzellen solle in Zukunft nicht staatlich
gefördert werden, jedoch Experimente mit bereits bestehenden Zelllinien.
Das reproduktive Klonen von Menschen als auch das (therapeutische) Klonen
von Embryonen für Forschung bzw. Therapie solle verboten werden.
· Düsseldorfer Mediziner haben nach einem Zeitungsbericht
einen Herzinfarkt-Patienten weltweit erstmals erfolgreich mit seinen eigenen
Stammzellen behandelt. Die aus dem Knochenmark des 46-Jährigen gewonnen
Zellen hätten das zerstörte Gewebe des Herzmuskels weitgehend
wieder aufgebaut.
·
Die Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) in Bethesda veröffentlichen
eine Liste der Laboratorien, die dem NIH gemeldet haben, dass sie humane
embryonale Stammzellen entwickelt haben. Die meisten Zell-Linien (nämlich
19) befinden sich danach in den Händen von Stammzellforschern an
der Universität von Göteborg in Schweden.
· Forscher des Montreal Neurological Institute (MNI) der McGill-Universität
haben eine neue Quelle für Stammzellen identifiziert, die eine Reihe
von verschiedenen Zelltypen wie Neuronen, Glia, glatte Muskelzellen und
Fettzellen herstellen kann. Die so genannten SKPs wurden aus der Haut
von Nagetieren isoliert.
· Wissenschaftler der Universität von Abertay, Dundee
berichten, erstmals gentechnisch veränderte Ulmen, die gegen die
Ulmenkrankheit resistent sind, entwickelt zu haben.
· Amerikanische Gentechniker haben eine französische Weinrebe
so verändert, dass sie auch in Florida wachsen kann. Die Forscher
schleusten ein Gen der Seidenraupe in die Rebsorte Merlot ein, damit die
Pflanze auch Hitze widersteht.
· Die Roundup-Ready-Sojabohne, die weltweit am häufigsten
angebaute gentechnisch veränderte Pflanze, enthält einige bisher
unbekannte DNA-Sequenzen in der Nähe des eingeschleusten Gens, berichten
belgische Wissenschaftler.
· US-Forscher haben nach eigenen Angaben die Gene für
hohes Alter eingekreist. Die Erbanlagen, die Menschen 90, 100 und mehr
Jahre alt werden lassen, liegen demnach in einem eng begrenzten Bereich
auf Chromosom 4.
· Entomologen von der Staatsuniversität Michigan geben
bekannt, ein malariaresistentes Designer-Moskito entwickelt zu haben,
mit dessen Hilfe es gelingen soll, die Krankheit, der zwei Millionen Menschen
jährlich zum Opfer fallen, auszurotten.
· Deutschen Forschern ist es erstmals gelungen, einen elektrischen
Schaltkreis aus einem Halbleiter und Nervenzellen herzustellen. Solch
ein Neurochip könnte sich künftig für die Entwicklung von
mikroelektronischen Prothesen, etwa für das Ohr, eignen.
· Mit Lasern modellierten japanische Forscher eine Stierskulptur
in der Größe eines Blutkörperchens.
· Das indische Parlament verabschiedet die "Plant Variety
Protection and Farmers Rights Bill". Das neue Gesetz sieht eine beschleunigte
Zulassung von gentechnisch veränderten Getreidesorten vor, untersagt
die Anwendung der Terminator-Technologie und erlaubt es den Bauern, Saatgut
selbst zu vermehren und zu verkaufen, sofern dies nicht unter dem Markennamen
der Sorte erfolgt. Das Gesetz sieht weiter die Einrichtung eines gemeinnützigen
"Gene Funds" vor, in den Saatguterzeuger, die traditionelle
Sorten nutzen, um neue zu erzeugen, Lizenzgebühren einzahlen.
9/2001
·
Das SPD-geführte Bundesforschungsministerium fordert, endlich
ein Forschungsprogramm zur Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen,
das im Koalitionsvertrag vereinbart worden war, zu starten.
· Weltweit wurden bzw. werden bisher 90 verschiedene experimentelle
Impfstoffe gegen AIDS getestet.
· Forscher der University of Wisconsin, Madison, haben die
ersten teilweise transgenen Affen produziert. Sie haben die befruchteten
Eier der Rhesusaffen mit Leuchtgenen von Quallen ausgestattet und konnten
im Uterus das Leuchten einzelner Zellen beobachten.
· Amerikanische Forscher entwickeln eine Sonnencreme, die nach
einem ungeschützten Sonnenbad mögliche Hautschäden repariert.
Die Creme enthält ein Bakterien-Enzym, das fehlerhafte Erbmoleküle
ausbessert. Sie soll in Kalifornien an 600 Personen getestet werden.
· Die Rheinbacher Firma Gen-o-Safe bietet nach eigenen Angaben
erstmals eine private Aufbewahrung menschlichen Erbguts an. Für eine
einmalige Gebühr von 365 DM bewahrt das Unternehmen eine DNA-Probe
für 25 Jahre anonym auf.
· In der Wüste Nevadas hat das Department of Defense (DoD)
eine Fabrik errichten lassen, in der Mikroben für die Verwendung
als Biowaffe hergestellt werden können. Die Central Intelligence
Agency (CIA) hat unter dem Codewort "Klare Sicht" Biowaffen
entwickelt und getestet, berichtet die New York Times. Das Verteidigungsministerium
bestätigt, dass auch an gentechnisch veränderten Milzbranderregern
geforscht werde.
· Die Firma Decode Genetics meldet, ein Gen lokalisiert zu
haben, das zur Entstehung von krankhaften Angstzuständen beiträgt.
· Die EU gibt den Auftrag für die Entwicklung eines "Aqua-Chips",
mit dem es in Zukunft möglich sein soll, die Art und Zahl der bakteriellen
Krankheitserreger im Wasser schnell und genau über ihr Erbmaterial
zu bestimmen.
· Die genetische Ursache des Wolfsrachens wird entdeckt. Das
Gen T-box-22 ist für die so genannte Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte
(Wolfsrachen) verantwortlich, melden Wissenschaftler des Imperial College
in London.
· Britische Forscher von der Universität Oxford und dem
Institute of Child Health in London haben eine Genveränderung entdeckt,
die für die häufigsten Kinderallergien wie Asthma und Neurodermitis
anfällig macht.
· Amerikanischen Forschern ist es mit Hilfe einer Gentherapie
gelungen, bei alkoholsüchtigen Laborratten das Verlangen nach dem
Berauschungsmittel zu dämpfen.
· Forschern von der Case Western Reserve University in Cleveland
gelingt es, ein Gen in die Malaria übertragende Art Anopheles stephensi
zu pflanzen, das diese gegen den Malariaerreger resistent macht.
· Fortschritte auf dem Weg zum essbaren Impfstoff werden gemeldet:
Im Tierversuch wird bei Mäusen, die mit gentechnisch veränderten
rohen Kartoffeln gefüttert wurden, ein ausreichender Antikörperschutz
gegen eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus erreicht.
· Amerikanische Forscher entdecken ein Jungbrunnen-Gen. Es
trägt den Namen FoxM1B und kontrolliert eine Vielzahl anderer Gene,
die die Zellteilung steuern. Im Tierversuch wurde mit einer entsprechenden
Gentherapie die Teilungsfähigkeit von Zellen in der Leber alter Mäuse
wieder hergestellt und damit die Regeneration des Organs ermöglicht.
· Wissenschaftler der Technischen Universität München
haben ein so genanntes Gesundheitsbier erfunden. Das Getränk namens
Xan enthalte bis zu vier Mal mehr gesundheitsfördernde Stoffe als
gewöhnliches Bier und habe weniger als drei Prozent Alkohol, sagt
der Weihenstephaner Brau-Professor Werner Back.
· Das Europäische Patentamt (EPA) lehnt einen Einspruch
gegen ein Patent auf Mischwesen aus Mensch und Tier ab. Das Patent (EP
322240) der amerikanischen Universität Stanford (USA) erstreckt sich
auf Tiere, in die menschliche Zellen oder Organe verpflanzt werden.
· Das Europäische Patentamt erteilt erstmals ein Patent
auf gentechnisch veränderte Fische. Eine kanadische Firma erhält
ein Patent auf Lachse und andere Fische, die mit Genen eines Wachstumshormons
versehen worden sind.
· Forscher des Instituts für Biochemie und Biotechnologie
der Pflanzen der Universität Münster haben genetisch modifizierte
Tomaten entwickelt, deren neue Gene nicht auf andere Kulturpflanzen übertragbar
sind. Das Gen wird dabei nicht in die Kern-DNA, sondern in den für
die Photosynthese verantwortlichen Teil der Pflanze, die Chloroplasten,
eingebracht. Entscheidend für die für Pflanzen neu angewandte
Technologie ist, dass die Chloroplasten-DNA nicht in Blütenstaub
übertragen wird. Eine so genannte Auskreuzung der gentechnisch erzeugten
Merkmale wird verhindert.
· Schweizer Wissenschaftler haben transgene Mäuse erzeugt,
die Antikörper gegen Prionen bilden und dadurch vor einer Infektion
mit Scrapie-Erregern geschützt sind. Scrapie ist das Pendant zu BSE
bei Schafen.
· Der Vatikan stimmt der Transplantation von Tierorganen (Xenotransplantation)
auf den Menschen zu.
· Amerikanische Forscher haben erstmals humane embryonale Stammzellen
(ES-Zellen) in Vorläuferzellen umgewandelt, aus denen sich dann die
verschiedenen Typen von Blutzellen entwickelten.
· Chinesische Biologen pflanzen das Erbgut eines Menschen in
die entkernte Eizelle eines Kaninchens. Ziel ist die Gewinnung embryonaler
Stammzellen.
10/2001
·
Das Mannheimer Biotech-Unternehmen Febit präsentiert den weltweit
ersten programmierbaren DNA-Chip. Der briefmarkengroße Chip ist
Herzstück eines "Geniom" genannten, kühlschrankgroßen
Geräts, das erstmals sämtliche Funktionen von der Chipherstellung
bis zur Analyse und Auswertung von DNA-Sequenzen beherbergt.
· In Deutschland haben sich zum Wintersemester 2001 8196 Bewerber
auf einen der 5234 verfügbaren Studienplätzen im Fach Biologie
beworben.
· Japanische Forscher haben einen durchsichtigen Fisch gezüchtet,
dessen Haut keine Pigmente enthält. Er soll in der Forschung für
Experimente eingesetzt werden, bei denen man die Organe des Fischs beobachten
will, ohne ihn töten zu müssen.
· Die Umweltschutzorganisation Greenpeace behauptet, der US-Konzern
Monsanto habe beim Europäischen Patentbüro in Genf ein Patent
auf Sojapflanzen beantragt, die natürlicherweise in China vorkommen.
Tatsächlich hat Monsanto ein Markergen identifiziert und dafür
Patentschutz beantragt.
· Ein europäisches Forscherteam hat das Erbgut des Bakteriums
Listeria monocytogenes entschlüsselt. Der Mikroorganismus ist für
die Infektionskrankheit Listeriose verantwortlich, die durch verunreinigte
Lebensmittel verursacht wird.
· Weltweit sind in 2001 in 14 Ländern zehn Prozent der
Baumwollanbaufläche mit gentechnisch veränderten Pflanzen bestellt
worden, berichtet der National Cotton Council of America.
· Die weltweite Anbaufläche transgener Pflanzen hat sich
von 2000 auf 2001 um 10 Prozent auf insgesamt rund 50 Millionen Hektar
erhöht.
· Eine Sonnencreme gegen Hautkrebs wird erstmals am Menschen
erprobt. In einer Versuchsreihe, die in diesem Monat in Sydney anläuft,
wird ermittelt, ob der Wirkstoff der neuartigen Creme für Menschen
verträglich ist.
· Die EU legt einen Kommissionsbericht zum Thema Biosicherheit
(http://europa.eu.int/comm/research/quality-of-life/gmo/index.html) vor,
in dem die Ergebnisse aus 81 Forschungsprojekten zur Sicherheit gentechnisch
erzeugter Lebensmittel zusammengefasst sind. Demnach sind gentechnisch
modifizierte Pflanzen sicherer als konventionell erzeugte.
· Erstmals seit 85 Jahren wurde in Frankreich wieder Wermut
(Artemisia absinthium) für die Absinthherstellung geerntet. Der beliebte
Aperitiv wurde 1915 verboten und 1991 in der EU -mit einem Thujon-Grenzwert
versehen - wieder zugelassen. Die neuen Pflanzen enthalten das giftige
Thujon nicht mehr.
· Die größte Vereinigung von Lebensmittelforschern
und -technologen, das US Institute of Food Technologists (IFT), legt einen
Bericht (http://www.ift.org/govtrelations/biotech) zur Nutzung der Biotechnologie
vor, der eine Stellungnahme zu Fragen der Sicherheit, der Kennzeichnung
sowie zu Nutzen und Risiken beinhaltet.
· In Italien wird ein geklontes Mufflon von einem Hausschaf
zur Welt gebracht.
· Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entscheidet,
dass Patente auf Leben nicht automatisch im Widerspruch zur Menschenwürde
und anderen Grundrechten stehen, weist damit eine Klage der Niederlande
ab und billigt die europäische Biopatentrichtlinie von 1998.
· Der britische Epidemiologe George A. Venters hält es
für nicht plausibel, dass die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
(vCJK) bei Menschen tatsächlich in einem kausalen Zusammenhang mit
dem Verzehr von Fleisch steht, das von BSE-infizierten Rindern stammt.
· US-Forscher haben ein Protein identifiziert, das eine wichtige
Rolle bei der Fortbewegung von Spermien spielt. Die Entdeckung könnte
zu einem neuen nicht-hormonellen Verhütungsmittel führen, das
sowohl von Frauen als auch von Männern genommen werden könnte.
· Wissenschaftler der University of Pennsylvania School of
Veterinary Medicine haben erstmals durch genetische Veränderung von
Spermien ein transgenes Tier (Maus) erzeugt.
· Wissenschaftler der Purdue Universität haben ein allgemeines
Bewertungsverfahren für Gefahren genetisch modifizierter Organismen
entwickelt.
· Kanadische Wissenschaftler haben zufällig eine genetisch
veränderte Maus erzeugt, die nicht dick wird. Statt Fett zu speichern,
bauen die Tiere verstärkt energiereiches Fett ab, wobei Wärme
erzeugt wird.
· Das Genom des Typhus-Bakteriums, das pro Jahr 17 Millionen
Menschen befällt und 600.000 tötet, ist entschlüsselt.
· Auf Chromosom 7 wird ein "Grammatik-Gen" entdeckt.
Menschen, bei denen das Gen beschädigt ist, haben Mühe, die
Grammatik von Sprachen zu lernen.
· Wissenschaftler der Firma Geron ist es erstmals gelungen,
menschliche embryonale Stammzellen (ES) in Reinkultur zu vermehren.
· Wissenschaftler aus Los Angeles stellen eine neue Methode
vor, um embryonale Stammzellen zu gewinnen, ohne Embryos zu nutzen. Bei
der so genannte Parthenogenese wird die Eizelle zur Teilung angeregt,
ohne befruchtet zu sein.
· Amerikanische Forscher haben ein Mittel gegen das tödliche
Gift des Milzbrand-Erregers entwickelt. Der Wirkstoff besteht aus einer
unkonventionellen Eiweiß-Kunststoff-Kombination. Er schützte
in Versuchen Ratten vor dem Zehnfachen einer normalerweise tödlichen
Giftmenge.
· US-Forscher haben eine Batterie von Testverfahren entwickelt,
mit denen man zuverlässig und schnell - weil vollautomatisierbar
- zigtausende von Blutproben auf Pockenviren untersuchen kann.
· Die US-Umweltschutzbehörde EPA erneuert die Zulassung
von Bt-Getreidesorten für die nächsten sieben Jahre.
· Wissenschaftler von der Dartmouth Medical School haben einen
neuen Gentyp entdeckt. Die bisher unbekannten Gene enthalten keine Baupläne
für Proteine sondern für außergewöhnlich kleine RNA-Moleküle,
die etwa bei der Organentwicklung eine Rolle spielen.
· Italienische Wissenschaftler haben die Nelkenart Osteospermum
ecklonis und die Enzianart Eustoma grandiflorum gentechnisch so verändert,
dass deren Blüten unter UV-Licht grün leuchten.
· Die britische Regierung hat ein zunächst auf fünf
Jahre beschränktes Moratorium erlassen, welches Versicherungen verbietet,
die Ergebnisse von Gentests zu benutzen, um Versicherungsprämien
zu berechnen. Für Chorea Huntington gelten Sonderregelungen.
· Die Umweltminister der EU-Staaten sprechen sich mehrheitlich
gegen ein Ende des Moratoriums in der Zulassung gentechnisch veränderter
Pflanzen in Europa aus.
· Forscher der US-Gesundheitsbehörden NIH haben erstmals
einen "globalen" HIV-Impfstoff entwickelt, der gegen eine Vielzahl
von Subtypen des HIV-Erregers schützen soll.
11/2001
· Das EU-Parlament entscheidet, die Forschung an menschlichen
Embryonen finanziell zu fördern.
· Die Bundestags-Enquete-Kommission "Recht und Ethik der
modernen Medizin" gibt die Empfehlung ab, jegliche Forschung an humanen
embryonalen Stammzellen zu verbieten. Ein Minderheitenvotum spricht sich
dafür aus, unter sehr strikten Bedingungen Forschung an embryonalen
Stammzellen zuzulassen.
· Die Vereinten Nationen verabschieden die deutsch-französische
Resolution
gegen das reproduktive Klonen von Menschen.
· Das 1992 erteilte Krebsmaus-Patent (EP 169672) wird in veränderter
Form vom Europäischen Patentamt in München bestätigt. Die
Einspruchsabteilung wies nach einer zweitägigen Anhörung 17
Sammeleinsprüche von über 100 Organisationen im Wesentlichen
zurück. Das Krebsmaus-Patent umfasst jetzt eingeschränkt Säuge-
und Nagetiere, in deren Erbgut ein menschliches Krebsgen eingefügt
wird, um diese so genannten transgenen Tiere für Forschungszwecke
häufiger und schneller an Krebs erkranken zu lassen.
· Indische Wissenschaftler haben ein menschliches Gen in eine
Fruchtfliege eingebaut. An dem genetisch veränderten Insekt wollen
die Forscher künftig neue Arzneien zur Behandlung von Darmkrebs auf
ihre Wirksamkeit testen.
· Die deutsche Versicherungswirtschaft erklärt sich in
einer Selbstverpflichtung bereit, prädikative Gentests nicht zur
Voraussetzung eines Vertragsabschlusses zu machen.
· Wissenschaftler am israelischen Weizmann-Institut haben aus
biologischen Molekülen einen winzigen Computer im Reagenzglas gebaut.
Der Nanorechner sei so klein, dass eine Billion solcher Computer nebeneinander
in einem Wassertropfen Platz fänden, berichtet die Fachzeitschrift
Nature.
· Britische Forscher haben in Tabakpflanzen ein Gen eingesetzt,
das ein spezielles Enzym produziert, das den für Pflanzen und Tiere
hochgiftigen Sprengstoff TNT abbaut.
· Ein neuer Impfstoff gegen Malaria hat sich in einer Studie
in Gambia über einen Zeitraum von neun Wochen als sicher erwiesen.
· Forscher der Johns-Hopkins-Universität im US-Bundesstaat
Maryland haben das Bakterium Clostridium novyi genetisch verändert
und im Tierversuch damit erfolgreich Tumore in kürzester Zeit komplett
vernichtet.
· Die Biotechnologiefirma Advanced Cell Technologies (ACT)
aus Worcester im US-Staat Massachusetts gibt bekannt, erstmals menschliche
Embryonen geklont zu haben, die sich jedoch lediglich bis zum Sechszellstadium
entwickelt haben, so dass keine Stammzellen isoliert werden konnten. Ziel
der Versuche war es, mithilfe "umprogrammierter" menschlicher
Zellen Gewebe für Transplantationen zu gewinnen (therapeutisches
Klonen). Spenderinnen der nötigen Eizellen waren sieben Frauen im
Alter zwischen 24 und 32 Jahren. Die ACT-Forscher haben außerdem
Embryonen mittels Jungfernzeugung (Parthenogenese) erzeugt - eine Methode,
bei der die unbefruchtete Eizelle ohne Zuführung fremder DNA zur
Teilung angeregt wird.
· Insgesamt 24 von der Biotechnologiefirma Advanced Cell Technologies
(ACT) geklonte Holsteiner Rinder, die inzwischen ein bis vier Jahre alt
sind, lassen nach Angaben des Unternehmens keine genetischen Mängel,
Krankheiten oder Schwächen ihres Immunsystems erkennen.
· David Quist und Ignacio Chapela von der Berkeley-Universität
in Kalifornien berichten, den unbeabsichtigten Gentransfer von in der
Landwirtschaft genutzten Gentech-Maissorten auf Wildformen und Landrassen
in Oaxaca, einer entlegenen Bergregion Mexikos, nachgewiesen zu haben.
Das "International Maize and Wheat Improvement Center" in Mexiko
meldet, dass es durch eigene Forschung diese Ergebnisse nicht bestätigen
könne.
· Das von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einst in
Aussicht gestellte großflächige Anbau- und Versuchsprogramm
mit gentechnisch veränderten Pflanzen stehe nicht mehr auf der Tagesordnung,
sagt ein Sprecher von Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne).
· In Arizona werden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
erstmals gentechnisch veränderte Insekten freigesetzt. Die Motten
waren mit einem Leuchtgen ausgestattet. Der Versuch dient der Untersuchung
ihres Fortpflanzungsverhaltens.
· Der Nationale Ethikrat spricht sich mit großer Mehrheit
für einen Import menschlicher embryonaler Stammzellen aus.
· Amerikanische Forscher des Instituts für Genomforschung
TIGR (http://www.tigr.org)
haben das Erbgut des Milzbranderregers entschlüsselt.
12/2001
· Australischen Forschern vom Women's and Children's Hospital
in Adelaide ist es gelungen, das Virus der Immunschwächekrankheit
(HIV) zu entschärfen, so dass es als Fähre bei Gentherapien
eingesetzt werden kann.
· Chromosom 20 ist als dritter Erbgutträger vollständig
entschlüsselt.
· In Großbritannien wird es Eltern von erbkranken Kindern
erlaubt, unter künstlich befruchteten Eizellen durch Präimplantationsdiagnostik
(PID) diejenige auszuwählen, die im Leib ihrer Mutter zum idealen
Spender für ihr krankes Geschwisterchen heranwachsen wird.
· Einem israelischen und einem deutsch-amerikanischen Forschungsteam
ist es unabhängig voneinander gelungen, menschliche embryonale Stammzellen
in Vorläufer von Gehirnzellen umzuwandeln.
· Der nationale schwedische Wissenschaftsrat spricht sich für
die Forschung mit embryonalen Stammzellen und das Klonen zu medizinischen
Zwecken aus.
· US-Forschern ist es gelungen, Mäuse mit Sichelzellanämie
durch eine Gentherapie zu heilen. Ursache der Krankheit ist ein Defekt
im Hämoglobin-Gen.
· US-Forschern von den Nationalen Instituten für Allergien
und Infektionskrankheiten in Rockville im Staat Maryland und von der Firma
Genzyme Transgenics ist es gelungen, in das Erbgut von Mäusen das
Gen für ein Protein des Malaria-Erregers einzuschleusen, das dann
ausschließlich in der Milch gebildet wurde. Als Impfstoff verwendet,
schützte dieses Protein Nachtaffen (Aotus nancymai) vor den
Folgen einer Infektion mit dem Malaria-Erreger Plasmodium falciparum,
von dem das eingeschleuste Gen stammt.
01/2002
· Zwei Arbeitsgruppen geben fast gleichzeitig bekannt, das
Erbgut von Schweinen gezielt geändert zu haben, um bei Organtransplantation
die sonst übliche Immunabwehr beim Menschen zu umgehen.
· Amerikanische Wissenschaftler haben eine neue Form der Gentherapie
entwickelt, um den Gendefekt in Lungenzellen von Mukoviszidose-Patienten
zu beheben. Die Methode versucht nicht, ein defektes Gen durch ein intaktes
zu ersetzen, sondern es zu reparieren. Sie greift in den Zusammenbau der
Boten-RNA ein und korrigiert damit die fehlerhafte Bauanleitung des Mukoviszidose-Gens
auf RNA-Ebene.
· Forschern des Massachusetts Institute of Technology ist es
gelungen, einzelne DNA-Moleküle mittels Radiowellen aus- und wieder
einzuschalten.
· China gibt an, bisher 141 gentechnisch veränderte Pflanzen
entwickelt zu haben, von denen 65 für eine Freisetzung zugelassen
sind. Das Land ist damit weltweit führend bei der Entwicklung transgener
Pflanzen.
· Dolly, das Klonschaf, leidet unter Arthritis. Mit fünf
Jahren ist sie eigentlich zu jung dafür. Es wird spekuliert, ob ihre
Erzeugung durch Klonen schuld daran ist.
· Die kalifornische Firma Aegen Biosciences entwickelt einen
Chip, mit dem der Kerntransfer für das Klonen von Säugetieren
automatisiert werden soll. Das Gerät soll dazu dienen, geklonte Tiere
in großem Maßstab zu erzeugen.
· Die britische Aufsichtsbehörde Human Fertilisation and
Embryology Authority (HFEA) entscheidet, dass die Präimplantationsdiagnostik
(PID) grundsätzlich auch zur Schaffung von genetisch geeigneten Blut-
oder Gewebespendern benutzt werden darf.
· Japanische Forscher haben ein Spinatgen auf Schweine übertragen.
Ziel ist es, den Gehalt an ungesättigten Fettsäuren im Schweinefleisch
zu erhöhen.
· Wissenschaftler in Tokio haben nach eigenen Angaben erstmals
"künstliche" Augen gezüchtet. Die Organe wachsen aus
in Kaulquappen implantierten Froschembryo-Stammzellen.
· Forscher an der Universität von Minnesota berichten,
eine bei Erwachsenen vorkommende Stammzelle (multipotent adult progenitor
cell, MAPC) entdeckt zu haben, die eine vergleichbare Pluripotenz aufweist
wie embryonale Stammzellen.
· Forscher der US-Firma ACT geben an, aus embryonalen Stammzellen
von Kühen mit der Methode des therapeutischen Klonens eine funktionierende
Mini-Niere gezüchtet zu haben.
· Erstmals ist es US-Forschern mit Hilfe der Jungfernzeugung
bei Affen gelungen, embryonale Stammzellen zu gewinnen.
· Der deutsche Bundestag entscheidet, dass der Import humaner
embryonaler Stammzellen nach Deutschland grundsätzlich verboten,
für bestimmte vor einem Stichtag hergestellte Zelllinien aus überzähligen
Embryonen jedoch erlaubt wird.
02/2002
· Australische Wissenschaftler haben einen Impfstoff gegen
Heuschnupfen entwickelt. Es handelt sich um ein gentechnisch hergestelltes,
verändertes Eiweiß aus Gräserpollen, mit dem eine Desensibilisierung
wirksamer und gefahrloser als bisher möglich ist.
· Wissenschaftler der Universität von Florida haben ein
neues gentechnisch verändertes Mundwasser entwickelt, das nach einer
einmaligen fünfminütigen Spülung das Problem der Karies
ein für alle Mal verschwinden lassen soll.
· Wissenschaftler der Texas A&M Universität geben
die Geburt der ersten geklonten Katze bekannt. Die Katze, mit dem Namen
CC für das englische Wort "Carbon-Copy" (Durchschlag) ist
im Februar schon zwei Monate alt und gesund.
· Wissenschaftler der amerikanischen Vektor Gruppe haben Tabakpflanzen
genetisch so verändert, dass die Produktion von Nikotin in den Wurzeln
blockiert ist. Der Tabak der Bio-Zigarette besitzt einen Nikotingehalt
zwischen 400 bis 1000 ppm (parts per million), während der Gehalt
bei herkömmlichen Zigaretten zwischen 20.000 und 30.000 ppm liegt.
· Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung hat ein Mediziner
in den USA erstmals genetische Tests an Embryonen zum Nachweis eines speziellen
Alzheimer-Gens durchgeführt. Damit konnte verhindert werden, dass
das Gen an ein Kind weitergegeben wird.
· Forscherinnen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT)
ist es erstmals gelungen, funktionierendes dreidimensionales Herzgewebe
zu züchten.
03/2002
· Chinesische Forscher haben Dutzende von menschlichen Embryonen
geklont. Die Embryonen hätten sich erstmals weit genug entwickelt,
um aus ihnen Stammzellen gewinnen zu können, berichten Forscher von
der Medizinischen Hochschule Xiangya.
· Wissenschaftler der Universität Houston haben ein Verfahren
patentiert, mit dem Forscher das gesamte Genom eines Menschen in weniger
als 24 Stunden auslesen können.
· Deutsche Wissenschaftler von der Universität Marburg
haben einen Bluttest zur Diagnose von Lungenkrebs entwickelt.
· Die dänische Pharmafirma Pharmexa hat einen neuen Impfstoff
gegen Brustkrebs vorgestellt. Klinischen Studien sollen zeigen, ob die
vielversprechende DNA-Vakzine sicher und beim Menschen ausreichend wirksam
ist.
· Amerikanische Forscher vom medizinischen Zentrum Cedars-Sinai
in Los Angeles haben erfolgreich eine Impfung gegen Herzinfarkte an Mäusen
getestet.
· Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung hat ein Mediziner
vom Reproductive Genetics Institute in Chicago erstmals genetische Tests
an Embryonen zum Nachweis eines speziellen Alzheimer-Gens durchgeführt.
Damit konnte verhindert werden, dass das Gen an ein Kind weitergegeben
wird.
· US-Forschern vom Massachusetts Institute of Technology (MIT)
in Cambridge ist es erstmals gelungen, neue primitive Blutgefäße
aus den Stammzellen eines menschlichen Embryos zu züchten.
04/2002
· Der umstrittene italienische Arzt Severino Antinori hat im
italienischen Fernsehen behauptet, es gebe derzeit weltweit drei Klon-Schwangerschaften.
· Ärzte vom medizinischen Zentrum Cedars-Sinai in Los
Angeles berichten erstmals über eine erfolgreiche Therapie mit körpereigenen
Nervenstammzellen bei einem schwer erkrankten Parkinson-Patienten.
· Der Bundestag hat nach mehr als dreijähriger kontroverser
Diskussion das Stammzellengesetz mit breiter Mehrheit verabschiedet. Danach
soll der Import menschlicher embryonaler Stammzellen zwar "grundsätzlich"
verboten sein, Ausnahmen aber für "hochrangige Forschungsziele"
unter strengsten Auflagen zugelassen werden.
· Die meisten Deutschen würden die Gene ihrer Kinder verbessern
lassen, wenn dies möglich wäre. Einer repräsentativen Umfrage
des Emnid-Instituts zufolge wollen 55 Prozent der Befragten damit verhindern,
dass ihr Kind krank oder behindert zur Welt kommt.
· Knapp zwei Drittel der Bevölkerung (64 Prozent) sind
laut Emnid der Meinung, daß die Fortschritte in der Gentechnik zu
großen medizinischen Fortschritten führen werden. Bei der Krebstherapie
erwarten 67 Prozent "entscheidende Fortschritte" durch den Einsatz
gentechnisch hergestellter Medikamente.
· Forscher der Universität von Massachusetts haben eine
neue Methode entdeckt, um antibakterielle Kunststoffe herzustellen. Die
daraus erwachsenden Anwendungen reichen von antiseptischen Küchentischen
bis OP-Einrichtungen.
· Um die Transparenz bei der Forschung zur Umweltsicherheit
gentechnisch veränderter Pflanzen zu erhöhen, wird das Informationsportal
www.bioSicherheit.de eröffnet.
05/2002
· Laut eines EU-Forschungsrahmenprogramms für die Jahre
2003 bis 2006 wird die Verwendung von "überzähligen"
Embryonen zu Forschungszwecken und die Forschung an embryonalen Stammzellen
künftig mit EU-Forschungsgeld finanzierbar sein.
· Die Frühjahrsumfrage der US-Landwirtschaftsbehörde
(USDA) bestätigt das ungebrochene Vertrauen der Landwirte in transgenes
Saatgut. Bei den bedeutenden Kulturpflanzen Baumwolle, Mais und Soja werden
deutliche Zuwächse bei den transgenen Sorten erwartet. Allein in
den USA werden 2002 auf über 35 Mio. Hektar transgene Pflanzen angebaut.
In Deutschland hat das Bundessortenamt die während laufenden Zulassungen
üblichen, zeitlich und mengenmäßig begrenzten Betriebsgenehmigungen
für transgenen Mais erteilt: insgesamt 50 t Saatgut.
· Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania zeigen
in Klonversuchen mit Mäusen, dass die Reprogrammierung in der Regel
nur unvollständig erfolgt und daher bei fast allen Tieren die Genexpression
gestört ist. Sie liefern damit eine Erklärung für die niedrige
Erfolgsquote des Klonens, die bei Säugetieren bei 3 Prozent liegt.
· Wissenschaftler der Universität von York stellen eine
neue Methode zur Erhöhung der Erfolgsrate bei der In-vitro-Fertilisation
(IVF) vor. Sie überprüfen hierfür im Reagenzglas den Stoffwechsel
von zwei Tage alten Embryonen, um gezielt die auswählen zu können,
die die besten Entwicklungschancen haben.
· Mit einer Gentherapie verhelfen amerikanische Wissenschaftler
unfruchtbaren Mäusemännchen zu Nachwuchs. Die Forscher injizierten
ein Gen, das die Bildung und Reifung von Sperma bewirkt, in unfruchtbare
männliche Mäuse.
· Britische Forscher wollen den Leichnam einer 1918 gestorbenen
Frau exhumieren, um das Virus der damaligen Grippe-Welle zu finden. Es
war das bisher aggressivste Virus dieser Art. Um künftig besser gegen
solche Epidemien gewappnet zu sein, wollen die Wissenschaftler die genetische
Struktur des Virus entschlüsseln.
· Deutsche Wissenschaftler von der Universität Giessen
haben Karotten entwickelt, die einen Impfstoff gegen Hepatitis B enthalten.
06/2002
· Der genetische Unterschied zwischen Maus und Mensch scheint
deutlich geringer zu sein als vermutet. Während man bisher davon
ausging, dass sich das Mäusegenom zu etwa 15 Prozent von dem des
Menschen unterscheidet, sind es tatsächlich wohl nur 2,5 Prozent,
berichten Forscher der amerikanischen Firma Celera Genomics.
· Mehr als ein halbes Jahrhundert nachdem der Colorado Kartoffelkäfer
von den USA nach Russland eingeschleppt wurde, haben Wissenschaftler beider
Länder eine resistente Gen-Kartoffel entwickelt.
· Wissenschaftlern der Firma ACT ist es gelungen, durch Klonen
mit Hilfe des Kerntransfers aus Hautfibroblasten von Holstein-Stieren
Herz- und Skelettmuskelzellen sowie Nierenzellen herzustellen und diese
ohne Abstoßungsreaktion in das Unterhautgewebe jenes Stiers zu verpflanzen,
von dem jeweils der Fibroblasten-Zellkern stammt.
· In einem Artikel der Fachzeitschrift Science berichten australische
Wissenschaftler von Feldstudien, denen zufolge die Auskreuzungsrate von
gentechnisch verändertem Raps wesentlich niedriger ist als bisher
angenommen.
· Das Image der Gentechnik in der deutschen Bevölkerung
ist einer durch einen Artikel in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
bekannt gewordenen Umfrage des Allensbach-Instituts zufolge besser als
angenommen. 44 Prozent sind der Ansicht, dass der Nutzen der Gentechnik
deren Risiken überwiegt, 1998 waren noch 25 Prozent dieser Ansicht
gewesen. Die Immunisierung von Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten
wird überwiegend begrüßt. Eine große Mehrheit hat
jedoch weiterhin Zweifel an der Beherrschbarkeit der Risiken. Die Umfrage
im Auftrag des Bundespresseamtes (BPA) wurde bereits im Herbst 2001 durchgeführt.
07/2002
· Um den weltweiten Handel mit Flossen von oftmals bedrohten
Haifischarten überwachen zu können, hat ein britisch-amerikanisches
Forscherteam einen Genschnelltest entwickelt. Damit könne auch von
getrockneten Haiflossen auf Märkten die Art bestimmt werden.
· Forscher aus Boston kreieren Mäuse mit menschenähnlichen
Riesengehirnen. Sie haben bei den Mäusen lediglich ein Gen verändert.
In der Folge hatten die Tiere eine größere Hirnoberfläche
mit mehr "grauen Zellen", die beim Menschen für höhere
Denkprozesse verantwortlich sind. Zudem war die Form der Oberfläche
bei den veränderten Mäuse deutlich anders als bei ihren Artgenossen.
Sie wies Windungen auf, die typisch für den Menschen und seine nächsten
tierischen Verwandten sind.
· Forscher aus Jena stellen eine neue Methode vor, um Gene
in Säugerzellen einzuschleusen. Mit ultrakurzen Laserblitzen wird
ein Loch in die Zelle geschossen und damit kurzzeitig ein Tor für
das fremde Erbgut geöffnet.
· Forscher aus Malaysia haben Palmen entwickelt, die in ihren
Blättern Plastik erzeugen.
· Die Europäische Union (EU) will vorerst doch keine Gelder
für Embryonenforschung bereitstellen. Nach einem Vorschlag der dänischen
Ratspräsidentschaft solle bis zum 31. Dezember 2003 kein Geld aus
dem gerade verabschiedeten 6. EU-Forschungsrahmenprogramm in Projekte
mit menschlichen Embryonen und embryonalen Stammzellen fließen.
· Düsseldorfer Forscher melden Erfolge mit einer Gentherapie
bei Arthritis.
· In einem Amsterdamer Krankenhaus sollen erstmalig gentechnisch
veränderte Bakterien im menschlichen Körper freigesetzt werden.
In einem Versuch sollen Testpersonen, die unter der chronischen Darmentzündung
Morbus Crohn leiden, Milliarden von gentechnisch veränderten Bakterien
schlucken. Die Ärzte hoffen, dass die genveränderten Mikroorganismen
im Darm wie lebenden Arzneifabriken wirken und ein entzündungshemmendes
Protein herstellen.
· Australische Neurologen behandeln Querschnittsgelähmte
mit Nervenzellen aus der Nase, die eine Art Überbrückung zwischen
den durchtrennten Teilen des Rückenmarks bilden.
· Das Europäische Parlament (EP) tritt für eine verschärfte
Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln mit gentechnisch veränderten
Organismen (GVO) ein. Bereits ab einem GVO-Bestandteil von 0,5 Prozent
soll nach dem Willen der Europaparlamentarier jedes Produkt ausgewiesen
werden. Die EU-Kommission hatte in ihrem Richtlinienvorschlag zur Rückverfolgbarkeit
und Kennzeichnung von Lebensmitteln und Futtermitteln einen Schwellenwert
von einem Prozent vorgeschlagen.
· Erstmals ist es Chemikern und Molekulargenetikern gelungen,
das Erbgut eines Virus (Poliovirus) im Reagenzglas anhand der Genomsequenz
nachzubauen. Ebenfalls im Reagenzglas entstanden daraus infektiöse
Viruspartikel, die dem Original sehr ähnlich sind und Tiere lähmten
oder sogar töteten, wenn auch weniger effektiv als das natürliche
Virus.
· Deutsche Forscher können ab sofort beim Berliner Robert-Koch-Institut
(RKI) einen Antrag auf Import oder Verwendung von embryonalen Stammzellen
stellen.
· Nach der erstmaligen Zulassung von gentechnisch verbesserter
Baumwolle in Indien, ist das neue Saatgut innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.
Die Bt-Baumwolle verfügt über einen gentechnisch erzeugten Selbstschutz
gegen den gefürchtetsten Frassschädling der Pflanze, den Baumwollkapselwurm.
08/2002
· US-Forscher haben mit Hilfe Löcher bohrender Moleküle
im Labor Antibiotika-resistente Kolibakterien getötet. Diese Moleküle,
die die Zellwand von Bakterien durchlöchern, könnten zu einer
neuen Waffe gegen resistente Erreger werden.
· Craig Venter kündigt an, das größte US-Zentrum
zur DNA-Sequenzierung zu gründen, wo er komplette Genome künftig
in Minutenschnelle zum Preis von wenigen tausend Dollar entschlüsseln
will.
· Die britische Firma PPL Therapeutics Plc gibt bekannt, vier
genetisch veränderte Ferkel geklont zu haben, deren Organe sich für
die Transplantation auf den Menschen eignen sollen.
· Britischen Forschern ist es gelungen, aus Stammzellen unreife
Mäusezähne zu züchten. Diese Zahnknospen könnten in
den Kiefer implantiert werden.
· Es wird bekannt, dass die US-Armee Wissenschaftler aufgefordert
hat, Projekte zur Entwicklung biologischer Waffen vorzuschlagen, die sich
nicht gegen Lebewesen richten, jedoch nach der Biowaffenkonvention verboten
sind.
· Amerikanischen Wissenschaftlern ist ein hoffnungsvoller Schritt
für ein Mittel gegen den Milzbranderreger gelungen. Bei 13 von 19
Mäusen, die mit einem Anthrax-ähnlichen Erreger befallen waren,
zeigte es lebensrettende Wirkung.
09/2002
· US-Forschern ist es gelungen, im Tiermodell Muskeldystrophie
zu stoppen und Muskeln aufzubauen. Die Forscher korrigierten bei Mäusen
einen Defekt im Dystrophin-Gen, das für den Muskelaufbau essentiell
ist, indem sie Adenoviren mit einem korrekten Dystrophin-Gen injizierten.
· Laut einer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND)
vorgestellten Studie lehnen über 80% der Verbraucher Gentechnik im
Essen weiterhin ab.
· Der von Verbraucherministerin Renate Künast initiierte
"Künast-Diskurs" zur Grünen Gentechnik geht nach neun
Monaten zu Ende. Der grundlegende Dissens zwischen Gentech-Kritikern und
-Befürwortern konnte nicht überwunden werden, konkrete Handlungsempfehlungen
für die Koexistenz verschiedener Anbausysteme mit und ohne Gentechnik
gibt es nicht.
· Aus den Bundestagswahlen am 22. September geht die Koalition
aus SPD und B'90/Grüne als Sieger hervor. Bei den Koalitionsverhandlungen
fordern die durch Stimmenzuwachs gestärkten Grünen, die Zulassung
von transgenen Nutzpflanzen aus dem Robert-Koch-Institut (das dem Bundesgesundheitsministerium
unterstellt ist) auszugliedern und in den Aufgabenbereich der von grünen
Politikern geleiteten Ministerien zu übertragen.
10/2002
· Die Zahl der Anträge auf Freilandversuche mit transgenen Pflanzen
ist aufgrund der Blockadepolitik der Bundesregierung von 23 im Jahre 1999
auf acht in den Jahren 2000 bis 2002 zurückgegangen. Versuchsanbauten
werden verstärkt ins Ausland verlegt. In Deutschland wurden 2002
auf nur etwa 400 Hektar transgene Pflanzen im Rahmen begrenzter Genehmigungen
kultiviert.
· Die neue Freisetzungsrichtlinie (2001/18/EG) tritt am 17.10.2002 in
Kraft. Die Frist der EU, sie bis zu diesem Tag in nationales Recht umzusetzen,
verstreicht allerdings in zwölf Ländern, darunter Deutschland,
ohne Ergebnis.
11/2002
· Das Europäische Parlament spricht sich am 21.11.2002 mit deutlicher
Mehrheit für die Aufhebung des seit 1998 geltenden Zulassungsmoratoriums
zur Grünen Gentechnik aus.
· Die Zuständigkeit für die Grüne Gentechnik wird dem Gesundheitsministerium
entzogen und an das Verbraucherschutzministerium unter Renate Künast
übertragen. Sie erhält auch die Aufgabe, das deutsche Gentechnikgesetz
gemäß neuer EU-Richtlinien zu novellieren.
· Chinesische Wissenschaftler testen eine Tomate, die einen Impfstoff
gegen Hepatitis B enthält.
12/2002
· Nach langen Verhandlungen verständigen sich die EU-Umweltminister
auf eine neue Verordnung zur Rückverfolgbarkeit von GVO-Futter- und
Lebensmitteln.
· Mexikanische und belgische Pflanzenwissenschaftler entdecken in einem
Wüstenfarn ein Gen, das möglicherweise für die Dürreresistenz
der Pflanze verantwortlich ist und bei Wassermangel in der Nahrungsmittelproduktion
Einsatz finden könnte.
· Erstmals seit 1999 werden in der EU wieder Lebensmittel aus transgenen
Pflanzen zugelassen. Es handelt sich um Speiseöle aus zwei GVO-Baumwollpflanzen,
und zwar insektenresistente und herbizidresistente Linien von Monsanto.
Die Öle unterscheiden sich nicht von solchen aus konventioneller
Bauwolle.
· Auf den Philippinen wird erstmals eine transgene Nutzpflanze für
den kommerziellen Anbau zugelassen. Es handelt sich um Bt-Mais.
· Einem israelischem Team gelingt es, aus fötalen Stammzellen von
Menschen und Schweinen komplette funktionierende Nieren in Mäusen
wachsen zu lassen.
· Das Genom der Maus ist offen gelegt. Über 99 Prozent der menschlichen
Gene haben Entsprechungen bei der Maus, 80 Prozent sind sogar identisch.
· In Deutschland wird die erste Genehmigung für den Import humaner
embryonaler Stammzellen erteilt.
· Die Raelianer geben bekannt, dass an Weihnachten ihr erstes Klonbaby
geboren werden möge.
01/2003
· Gegenüber dem Vorjahr ist 2002 der globale Anbau transgener Nutzpflanzen
weiter um 12% auf nunmehr 58,7 Mio. Hektar angewachsen. Knapp sechs Millionen
Landwirte in 16 verschiedenen Ländern kultivierten gentechnisch verändertes
Saatgut.
· Die Zahl der Freilandversuche mit transgenen Pflanzen in der EU ist
von 1998 bis 2001 um 76% zurückgegangen.
· Unter dem Markennamen Quest kommen in den USA neuartige Zigaretten auf
den Markt, die weniger oder kein Nikotin enthalten. Sie werden aus gentechnisch
verändertem Tabak hergestellt, in dem ein tabakeigenes, an der Nikotinbildung
beteiligtes Enzym blockiert ist.
· Die Bundestagsfraktionen von Union und Bündnisgrünen sprechen
sich für ein umfassendes Klonverbot aus. Das Außenministerium
vollzieht einen Kurswechsel und will international für die Ächtung
des therapeutischen Klonens werben.
· Die Französische Akademie der Wissenschaften verurteilt die populäre
Kritik an der Grünen Gentechnik als wissenschaftlich unbegründet.
· Japanische Wissenschaftler haben Seidenraupen genetisch so verändert,
dass sie das menschliche Protein Kollagen ausscheiden.
· US-Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sich Tiere schaffen
lassen, bei denen Gene gezielt nur stummgeschaltet wurden, statt sie wie
in Knockout-Mäusen komplett zu entfernen. Sie bezeichnen sie als
Knockdown-Tiere.
· US-Wissenschaftler drucken dreidimensionales lebendes Gewebe mit Hilfe
eines modifizierten Tintenstrahldruckers.
· Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig
Winnacker, bezeichnet das therapeutische Klonen für medizinische
Zwecke als "Irrweg".
· Die Firma Vector Tobacco bringt in den USA die ersten nikotinarmen Zigaretten
aus gentechnisch verändertem Tabak auf den Markt.
· Severino Antinori behauptet, in China sei ein Klonbaby zur Welt gekommen.
Die chinesischen Ärzte dementieren.
· In Neuseeland wurden Kühe gentechnisch so verändert, dass
ihre Milch sich besser für die Herstellung von Käse eignet.
· Forscher entwickeln eine neue Form der Keimbahntherapie bei Mäusen.
Mit Hilfe von RNA-Interferenz werden embryonale Stammzellen verändert
und dann mit Embryonen verschmolzen.
· US-Forscher behandeln Mäuse mit verschiedenen Krebserkrankungen
erfolgreich mit einem gentechnisch veränderten Milzbranderreger.
· In Holland wird ein Impfstoff erprobt, der die angenehme wirkung von
Nikotin und damit die Abhängigkeit vom Rauchen verhindern soll.
· Das Genom der Honigbiene ist sequenziert.
02/2003
· Seit 1999 wachsen auf zwei Versuchsfeldern in Franken und in der Pfalz
transgene Weinreben, die eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen
Pilzbefall auszeichnen soll. Für eine erste Testreihe wurde ein Teil
der 2002er-Ernte zu Wein verarbeitet.
· Im großflächigen Versuchsanbau durch 400 Bauern in Indien
werden hohe Ertragssteigerungen mit gentechnisch verbesserter Baumwolle
erreicht. Die Erträge der Bt-Baumwolle liegen um 80 Prozent höher
als die der verwandten Sorte und um 87 Prozent höher als die der
indischen Baumwolle. Zudem mussten bei der gentechnisch veränderten
Baumwolle 70 Prozent weniger Pestizide eingesetzt werden.
· Russische Forscher haben unbeschädigte Zellen eines aus dem Eis
geborgenen Mammuts gewonnen, die für einen Klonversuch genutzt werden
könnten.
· US- Wissenschaftler verändern Erdnüsse so, dass sie keine
lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen mehr auslösen können.
· Der Bundestag fordert ein weltweites und umfassendes Verbot des Klonens.
Die Bundesregierung wird in dem fraktionsübergreifenden Antrag von
SPD, CDU/CSU und Grünen aufgefordert, sich für ein solches Verbot
bei der nächsten UN-Vollversammlung einzusetzen. Auch therapeutisches
Klonen soll in dieses Verbot einbezogen werden.
· Das Klonschaf "Dolly" stirbt im Alter von nur sechseinhalb
Jahren aufgrund von Gesundheitsproblemen, die mit seiner Entstehung in
Zusammenhang gebracht werden.
· Die SPD-Fraktion wählt den Forschungspolitiker René Röspel
zum Vorsitzenden der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen
Medizin".
03/2003
· Spanien genehmigt den Anbau von fünf neuen gentechnisch veränderten
Maissorten. Spanien ist mit ca. 25.000 Hektar Ackerfläche das einzige
europäische Land mit nennenswertem Anbau transgener Pflanzen.
· Amerikanische Forscher haben ein Gen entdeckt, das für die Verbreitung
von Tumorzellen im Körper sorgt. Im Tierversuch haben sie das Gen
Cyklin D1 ausgeschaltet und festgestellt, dass sich bei den behandelten
Tieren keine Metastasen bilden.
· Forscher der US-Firma Geron haben eine therapeutische Impfung entwickelt,
die in Zellkulturen alle Arten von Krebs eliminierte. Sie basiert auf
einer telomerasespezifischen Immunreaktion.
· In Tasmanien wird versuchsweise gentechnisch veränderter Mohn mit
erhöhtem Morphingehalt angebaut.
04/2003
· Am 16.4.2003 feiert das Internetportal www.BioSicherheit.de seinen ersten
Geburtstag.
· Der in Friemar von Syngenta geplante und vom RKI genehmigte Versuchsanbau
mit pilzresistentem Weizen wird abgesagt, nachdem Greenpeace-Aktivisten
auf dem Feld konventionellen Weizen ausgesät haben.
· Die Entzifferung des menschlichen Erbguts ist praktisch abgeschlossen.
Die Forscher der internationalen Human-Genom- Organisation (HUGO) haben
die endgültige Version der Abfolge aller rund drei Milliarden Bausteine
des Erbgutes in ihren Datenbanken gespeichert.
· US-Forscher entdecken vielseitige Stammzellen in (ausgefallenen) Milchzähnen.
· Mäuse mit Diabetes werden erfolgreich mit einer Gentherapie behandelt,
bei der Leberzellen zur Produktion von Insulin gebracht werden.
· Britische Forscher bauen das Leuchtgen von Glühwürmchen in
Krebszellen ein, die sich in der Folge selbst zerstören.
· Forscher verwandeln embryonale Stammzellen der Maus durch Beigabe von
Vitamin C in Herzmuskelzellen.
· Australische Forscher haben ein Herpesvirus so verändert, dass
es weibliche Mäuse unfruchtbar macht. Das Land wird regelmäßig
von immensen Mäuseplagen heimgesucht.
05/2003
· Die Bundesregierung beschließt eine Neuregelung der Zuständigkeiten
für gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Anstelle des Robert-Koch-Instituts
(RKI) ist künftig das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
(BVL) Zulassungsbehörde bei Freisetzungen und Inverkehrbringen von
GVOs.
· Zusammen mit zwölf weiteren Staaten reichen die USA eine WTO-Handelsklage
gegen die EU ein. Sie richtet sich gegen die politische Weigerung der
EU, GV-Pflanzen zuzulassen.
· Dem deutschen Forscher Hans Schöler und seinen Kollegen an der
Universität von Pennsylvania gelingt es im Tierversuch, Eizellen
aus embryonalen Stammzellen zu gewinnen.
· Das Genom des Milzbrand-Erregers ist offen gelegt.
· Kanadische Forscher haben einen genetischen Trick entwickelt, der verhindert,
dass sich Gentech-Pflanzen mit wilden Artgenossen kreuzen.
· Australische Genetiker stellen fest, dass es eine vererbbare Eigenschaft
ist, ob Schafwolle beim Waschen eingeht. Sie stellen die Züchtung
von Schafen mit eingehsicherer Wolle in Aussicht.
· Amerikanische Forscher haben Adenoviren genetisch so verändert,
dass sie Krebszellen im Gehirn von Mäusen vernichten, gesunde Zellen
jedoch intakt lassen.
· Japanische Forscher haben Reis entwickelt, der es Diabetikern ermöglichen
soll, auf das Spritzen von Insulin zu verzichten. Die neu entwickelte
Sorte verfügt über einen hohen Gehalt des Hormons GLP-1, das
die Ausschüttung von Insulin durch die Bauchspeicheldrüse fördert.
· Britische Forscher legen neue Schätzungen vor, wonach in den nächsten
80 Jahren nur noch mit 40 Opfern der durch BSE verursachten Form der Creutzfeldt
Jakob-Krankheit zu rechnen ist. Bisher wurde von bis zu 50.000 Toten ausgegangen.
· Das erste geklonte Maultier kommt zur Welt, also das erste Maultier,
dessen Elter auch ein Maultier (und nicht Eselhengst und Pferdestute)
war.
· US-Forscher schalten in Zellkulturen Gene, die für die Machado-Joseph-Krankheit
und ALS verantwortlich sind mit RNA-Interferenz-Technologie stumm.
· Australische Forscher behandeln Bluterkranke mit einer Gentherapie,
bei der ein defektes Gen für den Faktor IX durch ein intaktes ersetzt
wird.
· US-Forscher heilen mit einer Gentherapie Mäuse mit aggressiven
Gehirntumoren (Gliome).
06/2003
· In der Nacht zum 24.6.2003 wird ein Freisetzungsversuch mit transgenen
Kartoffeln zerstört. Auf Gut Roggenstein bei München sollten
neuartige Kartoffeln vermehrt werden, die einen deutlich erhöhten
Gehalt an Zeaxanthin aufweisen. Diesem Wirkstoff wird eine gesundheitsfördernde
Wirkung zugeschrieben.
· Ein internationales Forscherteam hat in Äthiopien die bislang ältesten
Überreste des modernen Menschen Homo sapiens ausgegraben. Die Anthropologen
schätzen das Alter der fossilen Knochen auf 154.000 bis 160.000 Jahre.
· Der US-amerikanische Ärzteverband AMA (American Medical Association)
spricht sich offiziell für das therapeutische Klonen aus.
· Forscher vom Botanischen Garten in Bern legen eine Studie vor, wonach
sich der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen positiv auf die
Artenvielfalt auswirkt.
· Die EU-Kommission spricht sich für die Freigabe von sogenannten
überzähligen Embryonen für die Forschung aus. Das bis Ende
des Jahres geltende Moratorium soll aufgehoben werden. Zudem will Brüssel
aus EU-Mitteln auch die Forschung an neuen embryonalen Stammzell-Linien
finanzieren.
· Der gentechnisch veränderte, fluoreszierende Zebrafisch "Glofish"
kommt in Taiwan auf den Markt. Der Fisch wird für Forschungszwecke
schon seit zehn Jahren genutzt.
· Australische Forscher haben die zwei verbreitetsten Grassorten für
Rasen gentechnisch so verändert, dass sie keinen Heuschnupfen mehr
auslösen.
· Ein internationales Team hat 291 Gene identifiziert, die mit Asthma
in Verbindung stehen.
07/2003
· Die EU verabschiedet zwei neue Verordnungen für Zulassung, Kennzeichnung
und Rückverfolgbarkeit von Lebens- und Futtermitteln aus transgenen
Pflanzen. EU-Agrarkommissar Fischler präsentiert am 25.7.2003 "Leitlinien
zur Koexistenz" für den parallelen Anbau transgener, konventioneller
und ökologischer Pflanzen.
· Die EU-Kommission beschließt, Deutschland und zehn weitere Mitglieder
vor dem Europäischen Gerichtshof zu verklagen, weil diese Länder
die EU-Freisetzungs-Richtlinie nicht in nationales Recht umgesetzt haben.
Die Frist dazu war am 17.10.2002 abgelaufen.
· Die Vollversammlung der Codex-Alimentarius-Kommission in Rom beschließt
drei Dokumente, in denen Standards für die Sicherheitsbewertung von
GVO-Pflanzen und GVO-Mikroorganismen festgelegt werden.
· US-Wissenschaftler haben menschliche Embryonen erzeugt, die teils männlich,
teils weiblich sind. Die hybriden Embryos wurden nach sechs Tagen zerstört.
· Eine neue Therapie mit genetisch veränderten Blutstammzellen heilt
Mäuse von Thalassämie, einer häufigen genetisch bedingten
Blutkrankheit.
· Kanadische Forscher haben einen Gentest entwickelt, mit dem vorausgesagt
werden kann, ob Darmkrebspatienten auf die Chemotherapie ansprechen.
· Australische Forscher haben einen neuen Test zu nicht-invasiver Pränataldiagnostik
entwickelt. Statt Amniozentese ist nur noch ein Abstrich notwendig.
· Die Firma Roche bringt den ersten DNA-Chip zur Individualisierung der
Medikamententherapie auf den Markt. Er sagt voraus, wie schnell Medikamente
im Körper des Patienten verstoffwechselt werden.
08/2003
· US-Forscher haben mit der ersten Gentherapie gegen die Parkinsonsche
Krankheit begonnen. Amerikanische Kollegen identifizieren zudem eine Genvariante,
die das Risiko für Brustkrebs um 48%, für Eierstockkrebs um
53% und für Darmkrebs um 38% erhöht. Jeder Achte ist Träger
des Gens.
· Italienische Forscher klonen erstmals ein Pferd.
· Der Vatikan spricht sich für die Entwicklung gentechnisch veränderter
Pflanzen zur Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung aus.
09/2003
· Die EU-Kommission lehnt den Antrag Oberösterreichs ab, das gesamte
Bundesland zur gentechnikfreien Zone zu erklären.
· Untersuchungen im Auftrag des US-Landwirtschaftsministeriums kommen
zu dem Schluß, dass die Kultivierung transgener Bt-Pflanzen nicht
zu erhöhtem Auftreten Bt-resistenter Schädlinge führen.
· Am 11.9.2003 wird das Cartagena-Protokoll zur Biologischen Sicherheit
rechtswirksam - drei Monate, nachdem der 50. Staat das Abkommen ratifiziert
hat. Damit gelten die Regeln für den internationalen Handel mit gentechnisch
veränderten Organismen.
· Amerikanischen Wissenschaftlern gelingt es, bestimmte natürlich
in der Vagina vorkommende Bakterien genetisch zu verändern und damit
das Eindringen der Aids-Viren in die Schleimhaut zu verhindern.
· Der US-Mediziner Panayiotis Zavos behauptet, er hätte einen geklonten
Embryo erzeugt.
· Amerikanischen Forschern ist es erstmals gelungen, mit therapeutischem
Klonen eine Parkinson ähnliche Hirnstörung bei Mäusen erfolgreich
zu behandeln.
· Craig Venter hat das Genom seines Pudels Shadow sequenziert.
· Chinesische und französische Forscher klonen erstmals Ratten.
· Der Microsoft-Mitgründer Paul Allen spendet 100 Mio. Dollar für
ein privates Forschungsinstitut, das die im Gehirn aktiven Gene funktional
analysieren will.
· Japanische Forscher haben Spermien aus embryonalen Stammzellen von Mäusen
gezüchtet.
· US-Forscher pflanzen 60 gentechnisch veränderte Cottonwood Bäume,
die kontaminierte Böden von Quecksilber reinigen sollen.
· Israelische Forscher entdecken einen genetischen Marker, der die Anfälligkeit
für Lungenkrebs bestimmt. Betroffene Raucher haben ein fünf
bis zehn mal größeres Risiko als andere Raucher und ein 120
mal größeres als Nichtraucher.
· Das japanische Landwirtschaftministerium kündigt an, dass im Jahr
2007 ein gentechnisch veränderter Reis auf den Markt kommen soll,
der Menschen gegen Heuschnupfen immunisieren soll.
10/2003
· Bundesverbraucherschutzministerin Künast untersagt Freisetzungsversuche
mit transgenen Apfelbäumen. Die Bundesforschungsanstalt für
Züchtungsforschung (BAZ) wollte neue Konzepte gegen die Apfelkrankheiten
Mehltau, Feuerbrand und Apfelschorf testen.
· Am 18.10.2003 werden die EU-Verordnungen zu gentechnisch veränderten
Lebens- und Futtermitteln (1829/2003) sowie zur Rückverfolgbarkeit
(1830/2003) im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Es besteht eine Anwendungsfrist
bis April 2004. Die Verordnungen müssen nicht in nationales Recht
umgesetzt werden
· US-Forscher bauen ein künstliches, größeres und bei
Hitze stabileres DNA-Molekül, genannt xDNA.
· Australische Forscher haben Immunzellen von Mäusen genetisch so
verändert, dass sie Krebszellen erkennen und effektiv bekämpfen.
· US-Forscher identifizieren ein Gen, das Einfluss darauf hat, in welchem
Alter bei einem Patienten Alzheimer oder Parkinson ausbrechen. Amerikanische
Kollegen haben zudem Abnormitäten in der Nervenzellstruktur von Patienten
mit Down-Syndrom festgestellt, die für die Hirnschäden verantwortlich
sind. Eine Identifikation der verantwortlichen Gene könnte zu einer
Therapie für die Behinderung führen.
· Chinesische Mediziner haben menschliche Embryonen mit drei Elternteilen
geschaffen. Sie benutzten Eizellen von zwei Frauen, die im Reagenzglas
befruchtet wurden. Anschließend wurde die Zellkerne der Eizellen
der einen Frau auf die entkernten Eizellen der anderen übertragen.
Insgesamt drei Embryonen wurden in die Gebärmutter eingepflanzt.
Die Schwangerschaft endete jedoch mit Fehlgeburten.
11/2003
· Das Land Sachsen-Anhalt beschließt mit Unternehmen und Verbänden
eine Anbauinitiative zur Grünen Gentechnik. Geplant sind ab 2004
Versuchsanbauten mit transgenem Mais auf mehreren hundert Hektar Ackerfläche.
· Nach den USA lässt auch Kanada den von Monsanto entwickelten neuen
Bt-Mais (MON 863) für den Anbau zu. Diese Bt-Mais-Variante bietet
neue Möglichkeiten zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrer.
· US-Forscher um den Gen-Pionier Craig Venter haben in der Rekordzeit
von 14 Tagen ein Virus aus der Retorte geschaffen. Bei dem künstlichen
Organismus handelt es sich um den für Menschen und Tiere unschädlichen
Erreger Phi-X174, der nur Bakterien infiziert.
· US-Forscher identifizieren eine Genvariante, die zu Herzinfarkt führt.
· Russische Forscher erzeugen Spinnenseide in Tabakpflanzen.
· US-Forscher behandeln erfolgreich Patienten mit Prostatakrebs durch
eine Gentherapie, bei der Krebszellen anfälliger für nachfolgende
Bestrahlung gemacht werden. Amerikanische Kollegen klären zudem die
biologische Funktion der "Brustkrebsgene" BRCA1 und BRCA2 und
finden weitere Genvarianten, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen.
· Das Proteom der Fruchtfliege ist analysiert. Der Entwurf umfasst 20405
Interaktionen zwischen 7048 Proteinen.
· Israelische Forscher bauen einen Transistor aus DNA.
· US-Forscher entdecken drei Gene, die für Schuppenflechte verantwortlich
sind. Kollegen von ihnen behandeln erfolgreich Patienten nach Herzversagen
mit Stammzellen aus dem Knochenmark.
· Amerikanische und israelische Forscher implantieren nierenkranken Patienten
gentechnisch veränderte Haut, die kontinuierlich Erythropoietin produziert.
· US-Forscher setzen bei Mäusen zur Behandlung von Asthma ein Spray
ein, das therapeutische Gene auf Nanopartikeln in die Lunge, wo sie dann
Interferon gamma produzieren.
12/2003
· US-Ärzte haben vier Kinder mit Fanconi-Anämie (FA) durch Transplantation
von blutbildenden Stammzellen geheilt, die aus dem Nabelschnurblut ihrer
neugeborenen Geschwister gewonnen wurden.
· US-Forscher haben erstmals Insulin produzierende Zellen aus Knochenmark-Stammzellen
von Menschen entwickelt. Nach der Transplantation in diabetische Mäuse
verhielten sich diese gezüchteten Zellen wie körpereigene Insulin-Zellen.
· Forschern der Medizinischen Hochschule Hannover ist der Nachweis gelungen,
dass Stammzellen das Herz der Patienten zur Selbstheilung anregen und
das Herzmuskelgewebe regenerieren können. Vor zwei Jahren war die
Stammzelltherapie bei Herzinfarkt-Patienten weltweit erstmals in Düsseldorf
angewandt worden.
· Eine Substanz mit dem bezeichnenden Namen "Reversin" kann
die Programmierung spezialisierter Muskelzellen löschen und sie so
in ihre eigenen, unspezialisierten Vorläuferzellen verwandeln. Diese
Stammzellen können dann wiederum dazu gebracht werden, andere Gewebe
wie Knochen oder Sehnen zu bilden. Mithilfe von Reversin und ähnlichen
Stoffen könnten in Zukunft bei Bedarf für jeden Patienten aus
eigenem Körpergewebe Stammzellen hergestellt werden, die praktisch
nicht mehr vom Körper abgestoßen würden und so viel besser
einsetzbar wären.
· Mit einer Substanz aus Knoblauch ist es israelischen Wissenschaftlern
gelungen, Krebstumore bei Mäusen gezielt zu zerstören.
· Amerikanische Forscher haben eine Substanz entwickelt, die das Tumorwachstum
bei Mäusen stark hemmt, indem sie das Tumorsuppressorgen p53 reaktiviert.
· US-Forscher entdecken eine Genvariante, die das Risiko für Multiple
Sklerose stark erhöht.
· US-Foscher entwickeln eine Messmethode für die Biokompatibilität
von Materialien, die für Prothesen, Kontaktlinsen usw. Genutzt werden
sollen.
· Britische Forscher bekämpfen mit der Substanz Allicin aus Knoblauch
erfolgreich multiresistente Keime, denen Antibiotika nichts mehr anhaben
können.
· US-Forscher klonen einen Hirsch. Andere US-Wissenschaftler schaffen
eine cholesterinfreie Maus.
· Koreanische Forscher behandeln Parkinson-Ratten erfolgreich mit gentechnisch
veränderte humanen embryonalen Stammzellen.
· US-Forscher bekämpfen mit gentechnisch veränderten mesenchymalen
Stammzellen erfolgreich Tumore bei Mäusen. Wissenschaftler in den
USA bekämpfen außerdem mit einem modifizierten Polio-Virus
erfolgreich Gehirntumore bei Mäusen und Affen. Andere US-Forscher
erzeugen versehentlich eine gefährlichere Variante des Tuberkulose-Erregers.
01/2004
· Bundesverbraucherschutzministerin Künast legt ihren Entwurf zur
Novelle des deutschen Gentechnikgesetzes vor, durch das neue EU-Richtlinien
in nationales Recht übertragen werden sollen. Aufgrund der einseitigen
Benachteiligung der modernen Biowissenschaften ist von einem "Gentechnik-Verhinderungsgesetz"
die Rede. Das Bundeskabinett beschließt den Entwurf am 11.2.2004.
· Das Bundeskabinett billigt einen Gesetzentwurf, nachdem Verstöße
gegen die Vorschriften zur Kennzeichnung von GVO-Lebensmitteln mit einem
Bußgeld bis zu 50.000 Euro belegt werden können.
· Der "Goldene Reis" soll in Kürze erstmals im Freiland
getestet werden. Das kündigt Peter Beyer von der Universität
Freiburg an, der den transgenen Reis zusammen mit Ingo Potrykus von der
ETH Zürich entwickelt hat. Durch neu eingeführte Gene hat der
"Goldene Reis" einen erhöhten Gehalt an Beta Carotin, einer
Vorstufe des Vitamin A.
· Gewöhnliche Erkältungsviren können nach Beobachtung australischer
Ärzte Hautkrebszellen töten. Das in verschiedenen Varianten
vorkommende Coxsackie-Virus ist der gängigste Erkältungserreger
und besiedelt die oberen Atemwege.
· Die überwiegende Mehrheit der Deutschen befürwortet einer
Umfrage zufolge Gentests an Embryonen im Reagenzglas. 76 Prozent der Befragten
waren für den Gentest an Embryonen, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung
besteht, die innerhalb des ersten Lebensjahres zum Tod führt. 70
Prozent wollen PID zum Ausschluss von Mongolismus zulassen und 60 Prozent
im Fall einer chronischen Erkrankung, in deren Folge der Betroffene wahrscheinlich
im frühen Erwachsenenalter stirbt. Dagegen sprach sich die überwiegende
Mehrheit, 83 Prozent, gegen die Herstellung von Klonbabys nach dem Muster
des Klonschafs "Dolly" aus.
· Die erste kommerzielle Gentherapie kommt in China auf den Markt. Das
Produkt der Firma Shenzhen SiBiono Gene Technologies arbeitet mit Adenoviren
und wird zur Behandlung von Kopf- und Nackentumoren eingesetzt.
· In Argentinien kommen zwei geklonte Kälber zur Welt, in deren Milch
menschliches Wachstumshormon enthalten ist.
02/2004
· Das Bundessortenamt erteilt für mehrere transgene Maissorten
eine "beschränkte Sortenzulassung". Sie umfasst 25,5 Tonnen
Saatgut, was einer Fläche von etwa 1000 Hektar entspricht. Alle Sorten
gehen auf den insektenresistenten MON810-Mais zurück, der bereits
1998 EU-weit für Anbau und Verarbeitung zugelassen wurde.
· Nach Sachsen-Anhalt plant nun auch Bayern einen "kontrollierten
Versuchsanbau" mit gentechnisch verändertem Mais.
· Bei routinemäßigen Kontrollen findet das Bayerische Landesamt
für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gentechnisch veränderte
Papayas, die seit mehreren Jahren in Hawaii angebaut werden und in den
USA frei verkäuflich sind. Sie verfügen über eine gentechnisch
vermittelte Resistenz gegen ein verbreitetes Virus.
· Extrem kurze elektrische Pulse könnten in Zukunft Tumoren schrumpfen,
Wunden heilen und Fettpolster schmelzen lassen. Erste Experimente im Labor
und an Mäusen seien vielversprechend verlaufen, erklären amerikanische
Wissenschaftler. Die kurzen, sehr starken Pulse veränderten offensichtlich
innere Strukturen von Zellen und lösten so ein Selbstmordprogramm
aus.
· Südkoreanische Wissenschaftler haben den proof of principle für
das therapeutische Klonen erbracht. Sie haben durch Zellkerntransfer 30
geklonte menschliche Embryonen hergestellt, aus einem embryonale Stammzellen
gewonnen und zu verschiedenen Zelltypen weiterentwickelt.
· Würzburger Forscher stellen ein neues Verfahren vor, bei dem gentechnisch
veränderte Bakterien kleinste Tumoren im Körper aufspüren
und sichtbar machen, so dass diese gezielt mit Medikamenten bekämpft
werden können, ohne gesundes Gewebe zu belasten.
· US-Forscher haben Tomaten gentechnisch so verändert, dass sie gesundheitsförderliche
Antioxidatien aus Rotwein enthalten. Amerikanischen Forschern ist es zudem
erstmals gelungen, mit therapeutischem Klonen Mäuseherzen nach einem
Infarkt zu regenerieren.
· US-Forscher entdecken in Moskitos ein Virus (namens Sindbis), das gezielt
Tumorzellen angreift und tötet, andere Zellen jedoch verschont.
03/2004
· Der Deutsche Bauernverband rät Landwirten ab, sich an der Anbauinitiative
Sachsen-Anhalts mit gentechnisch verändertem Mais zu beteiligen.
Als Grund werden die anstehende Novelle des deutschen Gentechnikgesetzes,
unklare Haftungsfragen bei Auskreuzungen im Regierungsentwurf sowie der
Rückzug der Biologischen Bundesanstalt aus dem wissenschaftlichen
Begleitprogramm genannt.
· Greenpeace-Aktivisten blockieren erneut Freilandversuche mit gentechnisch
verändertem Weizen der Firma Syngenta. Mit einem motorisiertem Gleitschirm
werden mehrere Tonnen Öko-Weizen auf zwei Feldern in Sachsen-Anhalt
ausgebracht, auf denen der transgene Weizen mit einer Resistenz gegen
Fusarien-Pilze getestet werden sollte.
· Die britische Regierung erlaubt den Anbau von transgenem herbizidresistentem
Mais. Die britische Umweltministerin Beckett beruft sich dabei auf Ergebnisse
einer im Herbst 2003 abgeschlossenen Versuchsserie. Dabei hatte das Paket
aus transgenen Maissorten und passendem Herbizid weniger schädliche
Auswirkungen auf die Artenvielfalt gezeigt als die derzeit üblichen
Unkrautbekämpfungskonzepte. Der Anbau von transgenem Sommerraps und
Zuckerrüben wird nicht gestattet, da umgekehrte Ergebnisse erzielt
wurden.
· Die ersten genmanipulierten Schmetterlinge flattern durch ein Labor
im US-amerikanischen Buffalo. Sieben Exemplare des afrikanischen Tagfalters
Bicyclus anynana tragen in ihrem Erbgut ein zusätzliches Markierungsgen
aus einer Quallenart, das die Augen der Schmetterlinge zum Leuchten bringt.
· Ärzten der Universität Jena ist es gelungen, mit einem speziellen
Medikament zerstörtes Herzmuskelgewebe nach einem Infarkt wieder
zu beleben. Bei dem Verfahren würden körpereigene Stammzellen
angeregt, das beschädigte Gewebe zu ersetzen.
· Wissenschaftler der Harvard University geben bekannt, 17 neue menschliche
embryonale Stammzelllinien erzeugt zu haben.
· Die erste Fassung des Genoms des Huhns ist veröffentlicht.
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