
Startseite
BLOCK 1
1. Informationen über den Aufruf und die Initiative "Für das Freie Wort"
2. Kurze Zusammenfassung des Artikels von Thomas Deichmann
3. Ausführlichere Zusammenfassung des Artikels von Deichmann und der Entwicklungen im Rechtsstreit ITN gegen LM.
4. Stellungnahme des LM-Herausgebers Mick Hume zur Klage von ITN
5. Eckdaten des Rechtsstreits ITN vs. LM
BLOCK 2
6. Das Original von Deichmann und seine weiterführenden Texte in Novo
7. Die Kontroverse in Deutschland
8. Autoren kommentieren den Fall in Novo
9. Analysen von Deichmann im Ausland
10. Dokumentation des Rechtsstreits auf der LM-Website
11. Sympathisanten und Gegenstimmen in Großbritannien
12. Internationale Resonanz
13. Publikationsorte des Artikels von Deichmann

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Drohungen, Klagen
und Maulkörbe
Stellungnahme des Herausgebers von LM
ITNs Versuch, die britischen Verleumdungsgesetze
zu bemühen, um das Magazin LM mundtot zu machen, setzt in Hinblick auf
Zensur und Einschüchterung neue Maßstäbe.
Es geht hier nicht nur um die Zukunft von LM. Es geht um des Recht eines
jeden, zu veröffentlichen, was er nach seiner Überzeugung für die Wahrheit hält,
und nicht nur das, wodurch sich Chefs und Anwälte großer Unternehmen nicht gestört
fühlen.
ITN und seine Mitstreiter haben viel unternommen, um Nachforschungen zu unterdrücken,
die Thomas Deichmann über preisgekrönte ITN-Beiträge über ein bosnisches Lager
anstellte und die er in der Februarausgabe von LM veröffentlichte. Zunächst
wurde ITN bei LM vorstellig. Am 24. Januar 1997 erhielt ich von den ITN-Anwälten
"Biddle & Co." ein Schreiben, in dem ich aufgefordert wurde, alle
Exemplare der Februarausgabe von LM einstampfen zu lassen. Als ich ablehnte, erhoben
sie Anklage wegen Verleumdung.
Dann wandte sich ITN an den Rest der Medien. Sie drohten jedem, der sich mit
der Sache befasste, rechtliche Schritte an. Am 20. Februar erhoben sie Klage gegen
die Presseagentur Two-Ten-Communications (eine Tochtergesellschaft von
Press Association). Sie forderten Schadensersatz und eine Entschuldigung
vor Gericht, nur weil es Two-Ten gewagt hatte, eine Presseerklärung von
LM zu verbreiten, in der die Februarausgabe und der Artikel von Deichmann
angekündigt wurden. Danach kam der LM-Drucker an die Reihe: Am 24. Februar
schrieb "Biddle und Co." an die Druckerei Russell Press in Nottingham,
bei der LM gedruckt wurde. Sie drohten Russell Press rechtliche
Schritte an, und zwar nicht nur für den Fall, dass die Februarausgabe nachgedruckt,
sondern auch, dass "zukünftige Ausgaben von LM" gedruckt würden. Diese
Drohkampagne führte dazu, dass – noch bevor die Verleumdungsklage überhaupt
verhandelt wird – LM nicht mehr in Großbritannien gedruckt werden
konnte. Gleichzeitig sind wir mit enormen Kosten für einen großen Rechtsstreit
konfrontiert.
Zudem wurde die Berichterstattung über das ITN-Bild, das die Welt täuschte,
in den britischen Medien unterbunden – teilweise mit der zustimmenden Duldung
der Verlagshäuser und der Sender, teilweise aufgrund angedrohter Verleumdungsklagen
von ITN.
Die Nachforschungen Deichmanns wurden in anerkannten Zeitungen in Deutschland,
Italien, der Schweiz, Österreich, Schweden und den Niederlanden ausführlich diskutiert.
In Großbritannien indes, dem Land, in dem die Anschuldigungen gegen ITN einen
Skandal hervorrufen müssten, konnte ein fast perfektes Schweigen organisiert werden.
Eine Ausnahme machte nur die Guardian-Gruppe, die ihre früher oft geäußerte
Kritik an der Verleumdungsgesetzgebung in Großbritannien unter den Teppich kehrte
und eine übernervöse Hetzkampagne gegen Deichmann und LM begann –
bestehend aus einem garstigen Observer-Beitrag von Ed Vulliamy (dem man
freilich das nervöse Zittern des Autoren deutlich anmerkte) und einem geradezu
lächerlichen Text eines "Möchtegern-Vulliamys" im Guardian. Dass
sich sogar ein verleumdungsträchtiges Skandalblatt wie Private Eye zu einem
Unterstützer der Verleumdungsklage gegen LM machte, zeigt, wie weit es
nun schon gekommen ist. Es versteht sich, dass kein einziger dieser Artikel in
irgendeiner Weise auf die von Deichmann vorgebrachten Erkenntnisse einging.
Mittlerweile kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass es ITN darum geht,
LM mundtot zu machen – zwar auf die feine, rechtliche Art, doch nicht
minder brutal. Es geht ihnen nicht um Verleumdung. Wenn bei der ganzen Sache jemand
verleumdet wurde, dann Thomas Deichmann, der schon allerlei primitive Rufmordversuche
ertragen musste.
Die britische Verleumdungsgesetzgebung ist "Zensur zum Mieten", die
jeder in Anspruch nehmen kann, der genügend Nullen am Ende seines Kontoauszugs
vorweisen kann. ITNs Klage gegen LM ist das jüngste Beispiel dafür, wie
diese Gesetze von einem Wirtschaftsmulti genutzt werden können, um sich vor Gericht
Immunität gegenüber Kritik zu erkaufen.
Was diesen Fall indes so außergewöhnlich macht, ist, dass diese mächtige Instanz,
die hier den Maulkorb schwingt, nicht McDonalds oder John Major heißt, sondern
ITN, ein großer Nachrichtensender, der stolz auf seinen weltweiten Ruf ist, furchtlos
über die Wahrheit zu berichten.
Mit ihrem Versuch, LM mundtot zu machen und jeden anderen davon abzuhalten,
Enthüllungen über ihre preisgekrönten Bilder zu veröffentlichen, ist ITN bereits
weiter gegangen als viele Journalisten und Publizisten je gedacht hätten. Wer
weiß, wie viel weiter sie noch gehen werden? Es herrscht ein ziemlich paranoides
Klima rund um die ITN-Zentrale in der Gray’s Inn Road in London. Mitarbeiter
werden ins Kreuzverhör genommen, und alle Anfragen, die mit "diesem"
Bild zu tun haben, werden nur noch zentral über das Pressebüro abgewickelt. Man
könnte glauben, sie hätten etwas zu verbergen.
Nicht nur für LM tut sich hier eine Front auf: Was ITN macht, sollte
jeden alarmieren, dem an einer freien Presse, am freien Wort und einer offenen
Debatte über kontroverse Themen gelegen ist. LM ist entschlossen, sich
jedem Mundverbot, jeder Verleumdungsklage und Einschüchterungstaktik zu widersetzen.
Wir stehen hinter unserer Berichterstattung und zu unseren Prinzipien. Aber wir
werden alle Hilfe brauchen, die wir bekommen können. Bei der Verteidigung dieser
Prinzipien sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen.
Mick Hume
Herausgeber LM, im Frühjahr 1997
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