Inhalt
ZUR
SACHE
Von Thomas Deichmann
STICHWORT:
Die Kosmopolitik des Risikos
Von Sabine Reul
POLITIK UND
GESELLSCHAFT
Frank Furedi:
Von Holocaustrevisionisten und Klimawandelleugnern
Sabine Beppler-Spahl:
Bildung für Alle! Aber welche?
Stuart Simpson :
BATTLE IN PRINT: Der Kampf um Wohlstand
Matthias Horx:
Plädoyer für einen evolutionären Optimismus
[Heft S.16]
Kai Rogusch:
HARTZ: Vom Sozialstaat zur Bedürftigkeitsprüfungsanstalt
Alexander Horn:
Das Unternehmen als Risikofaktor
WISSENSCHAFT
UND ÖKOLOGIE
Michael Miersch:
Hurra, wir werden die Welt retten!
Lee M. Silver:
SALON: Der Zusammenstoß von Biotechnologie und post-christlicher Religiosität
Tessa Mayes:
BLOG FROM LONDON: Lust auf’n Klon-Burger?
[Heft S.36]
Peter Langelüddeke:
POSITION: Gähn-Skandal um Gene
[Heft S.37]
Paul Driessen:
Erst das Klima, dann der Mensch
[Heft S.38]
Thomas Deichmann:
Greenpeace und die Gemeinnützigkeit
HÖRSAAL
Nasrin Karimi und Philippe Koch:
Die deutsche Rechtsordnung im rechtskulturellen Spannungsfeld
WELTGESCHEHEN
Ian Pryde:
Russland und der Westen – Gegensätze oder zwei Seiten derselben Medaille?
Philip Cunliffe:
Die sich selbst verleugnende Politik des Staatenbauens
[Heft S.50]
KRIEG UND
TERRORISMUS
Brendan O’Neill:
Der impotente Imperialismus
Claire Fox:
EINSPRUCH: Späte Gerechtigkeit?
[Heft S.54]
MEDIEN UND
KULTUR
Jürgen Wimmer:
Web 2.0 – so what?
Markus Beauchamp, Nicole Glocke und Andreas Lichte:
Rudolf Steiner in Berlin
Nicole Glocke:
Inkarnieren zum Klavier
RUBRIKEN
DAFÜR STEHT NOVO
[Heft S.5]
IMPRESSUM
[Heft S.5]
UPDATE
von Michael Breu:
Der Kampf gegen Umwelt-Esoterik
[Heft S.27]
MITTENDRIN
von Tillmann Prüfer:
Skandal: Knuts Tagebücher sind gefälscht!
[Heft S.34]
SCHÖNE NEUE WELT
Ingo Schramm:
Oliver Twist fällt vom Himmel
[Heft S.43]
BÜCHER
von Julian Namé:
Mord in historischer Perspektive
[Heft S.60]
FUNDSTÜCK
von Edgar Gärtner:
Durch REACh reif für die Insel
[Heft S.61]
POSTEINGANG
BRIEF AUS BERLIN
von Klaus Bittermann:
Gute Nacht, Deutschland?
[Heft S.66]
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German Aufbruch `07
Erregungen über den Zustand der Menschheit und unseres Planeten (begleitet von Betroffenheitsritualen, Opfergetue, Demutsversprechen und Spargelübden) werden mittlerweile im Monatsrhythmus abgespult. Es mehren sich zwar vereinzelt Gegenstimmen, das Frappierende ist aber: Zu wenige Menschen versuchen, der „hysterischen Zukunftsangst“ (Matthias Horx) Paroli zu bieten. Die Politik liebt ihre Knuts sowie die Klima- und andere Katastrophen, um zu signalisieren: „Liebe schutzbedürftige Verbraucher, wir wissen, wo’s langt geht.“ Viele Medien eifern fleißig mit – so auch die Bild, die neuerdings in offizieller Mission gemeinsam mit Greenpeace und Co. danach trachtet, den (zum x-ten Mal angekündigten und ausgefallenen) Weltuntergang abzuwenden.
Anbiederung an Fortschrittsmuffel oder Panikmacher gehört längst auch in der Industrie zum guten Ton. Suchen Sie einmal nach einer Firmenwebsite, die frei ist von Huldigungen des „Vorsorgeprinzips“ und anderem Nachhaltigkeitsgebrabbel. Der Milchmulti Campina hat sich im letzten Jahr (anders als die Müllermilch-Gruppe) im Zuge der engstirnigen Kampagne gegen gentechnisch veränderte Futtermittel vorsorglich und nachhaltig in den Greenpeace-Schwitzkasten nehmen lassen. Jetzt kuscht der Lebensmittelgroßhandel als Defensivreaktion auf den vermeintlichen „Pestizidskandal“ bei Obst und Gemüse. Firmennormen schreiben den Hauslieferanten neuerdings Grenzwerte für Pflanzenschutzmittelrückstände weit unterhalb der gesetzlichen Toleranzen vor. Ein Apfel, der dieser „Fühlnorm“ entspricht, ist nicht gesünder, wohl aber erscheint jetzt plötzlich Obst und Gemüse, das allen wissenschaftsbasierten Qualitätsanforderungen genügt, als potenziell giftig. So stärkt man die Autorität der deutschen Angstindustrie.
Den Knüller bietet die Lidl-Kette, die von Greenpeace zunächst scharf kritisiert wurde. Seit Sommer 2006 verkauft der Discounter das Greenpeace-Magazin in seinen über 2600 deutschen Filialen – unter Umgehung des Pressegrossos. Das wäre nicht der Rede wert, gäbe es da nicht ein interessantes Detail: Lidl rechnet nicht (wie sonst üblich) nur die verkauften Magazine ab (und remittiert den Rest), sondern steht für die bestellte Gesamtmenge von ca. 100.000 Stück gerade – die genaue Anzahl verrät leider niemand. Für eine Tagesmeldung des Greenpeace-Magazins, in der man den Lidl-Chef abfeierte, wurde verschmitzt formuliert (als kenne man nicht einmal in Hamburg die exakten Zahlen), es „soll sich um ein gewaltiges Stück der Gesamtauflage handeln“ (18.4.07).
Eigene Recherchen lassen darauf schließen, dass ein Großteil dieser Magazine später im Altpapier landet, weil sie bei Lidl keine Abnehmer finden. Trotzdem klingeln mit jeder Ausgabe satte, vermutlich sechsstellige Eurobeträge in der Kasse des Greenpeace-Magazins. Da könnten wir bei Novo schon fast neidisch werden: Chapeau nach Hamburg für dieses originelle Geschäftsmodell! Nehmen wir es also lieber spaßig, wie auch folgende Frage: Hat in Hamburg jemand nachgerechnet, wie viel CO2 durch diesen Deal nur für volle Lidl-Altpapiercontainer emittiert wird? Beim zweiten „Supermärkte-Pestizid-Vergleich“ belegte Lidl übrigens einen Spitzenplatz. Ein Zusammenhang mit dem Magazinverkauf ist aber natürlich ausgeschlossen.
Für das vorliegende Heft haben unsere Autoren kräftig in die Tasten gehauen, um diese wie andere Gepflogenheiten freundlich, aber mit Nachdruck zu hinterfragen. Ganz besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen die Beiträge von Frank Furedi, Matthias Horx, Michael Miersch, Sabine Reul, Lee Silver, Stuart Simpson sowie meinen eigenen Essay.
Anregende und unterhaltsame Lektüre wünscht Ihr
Thomas Deichmann
Chefredakteur
| In
eigener Sache |
>Vom 22. bis 25. März 2007 findet die Leipziger Buchmesse statt (www.leipziger-buchmesse.de), auf der Novo mit einem eigenen Stand vertreten sein wird. Ein großes Dankeschön geht an die „Kellmann-Stiftung Humanismus und Aufklärung“ (www.kellmann-stiftung.de), die eine Spende zur Deckung der Messekosten geschickt hat.
>Ein Novo-Team arbeitet daran, das Magazin einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen. Das Layout soll verbessert und neue Vertriebskanäle sollen erschlossen werden. Voraussetzung dafür ist die Kooperation mit Investoren und Förderern. Melden Sie sich, wenn Sie Interesse oder Vorschläge haben.
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NOVO |
Das nächste Magazin (Novo89, 7–8 2007) erscheint Anfang Juli. Themenvorschläge sind willkommen.
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