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Inside Der Terror der
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Die einen rufen: „Der Klimawandel ist nah!“; die anderen basteln Bevölkerungsbomben und Gentechnikmonster. Viele Branchen des Angst produzierenden Gewerbes bedienen sich beim „Krieg gegen den Terror“. Von Frank Furedi
Die Versicherungsbranche, so scheint es, ist besessen von der Vorstellung, eine globale Katastrophe könnte sie überrollen. Nach dem 11. September richtete sich das ganze Augenmerk auf den Terrorismus. Rodger Lawson, der Vorsitzende des Verbandes der US-amerikanischen Versicherer, erklärte seinerzeit, gegen Terroranschläge könne man sich nicht versichern.(2) Die Behauptung, etwas „sei nicht versicherbar“, drückt die Annahme aus, es entziehe sich der menschlichen Kontrolle. Nicht selten hört man, der Terrorismus sei, verglichen mit anderen Gefahren, eine vergleichsweise kleine Bedrohung. Anfang dieses Jahres konnte man in dem vom Weltwirtschaftsforum herausgegebenen Bericht Global Risks 2006 lesen, dass Top-Manager die Vogelgrippe für die gegenwärtig größte Bedrohung halten. Der H5N1-Virus, so der Report, könne „unsere globale Gesellschaft und Wirtschaft plötzlich und erheblich beeinträchtigen“.(4) Wieder andere sehen im Bevölkerungswachstum die weitaus größte Gefahr für die Zukunft der Menschheit. Die Propheten des Untergangs unterscheiden sich kaum voneinander, ganz gleich, ob sie links oder rechts, grün oder neoliberal angehaucht sind. Umweltgruppen nehmen nur zu gerne die Warnungen des Pentagons auf, um damit ihr eigenes Süppchen zu kochen. Greenpeace International zitiert zustimmend einen Bericht des US-Verteidigungsministeriums, in dem es heißt: „Die Kriege der Zukunft werden ums Überleben geführt werden, nicht um Religion, Ideologie oder Nationalstolz.“(5) Sicherheit, ein bedrohtes Gut Auch das Worldwatch Institute, eine grün orientierte Organisation, bedient sich für seine Zwecke der Sprache der Anti-Terror-Kämpfer. Nach dem 11. September war in einer Erklärung mit dem Titel „Bioterror in Ihrem Burger“ zu lesen, dass in der Vergangenheit Versuche, Nahrungsmittel schadstofffrei zu machen, bei der Politik auf taube Ohren gestoßen seien, nun jedoch im Sinne der patriotischen Verteidigung des Vaterlandes auch an dieser Front endlich gehandelt werden müsse. In einem anderen Bericht behauptet das Institut, die Parallelen zwischen Klimawandel und Terrorismus seien bestechend: „Wie im Falle des Terrorismus wissen wir, dass sich die Situation ändern wird – nur wann, das wissen wir nicht.“(9) Im Angst produzierenden Gewerbe setzt man heute immer öfter darauf, das eigene Anliegen mit dem Terrorismus in eins zu setzen. So behauptet z.B. das Australian Homeland Security Research Centre in einem seiner Berichte: „Pandemien sind wie Terrorismus – beide werden wahrscheinlich zuschlagen, nur können wir die Folgen nicht abschätzen.“(10) Die Ungewissheit über die Zukunft wird hier umgemünzt in eine unmittelbar greifende Drohkulisse. Durch diese rhetorische Ausweitung des Sicherheitsbegriffs ist Terrorismus zur Messlatte für alle anderen Bedrohungen und Gefahren geworden. Im November 2003 erklärte die damalige britische Gesundheitsministerin Rosie Winterton: „Ereignisse der letzten Zeit haben gezeigt, dass Terrorangriffe und Naturkatastrophen sich jederzeit und überall ereignen können und dass all unsere Bürger potenziell gefährdet sind“.(11) Wie beiläufig Winterton hier Terrorismus mit Naturkatastrophen gleichsetzt, verrät viel darüber, wie wir heute die Welt sehen. Die Angst der Öffentlichkeit vor Terroranschlägen ist zu einer Allzweckwaffe geworden, mit der man jede andere Bedrohung zum Weltbrand potenzieren kann. Ein wesentlicher Faktor in diesem Kampf um die Erklärungshoheit ist die Zahl der Toten, für die ein bestimmtes Phänomen angeblich verantwortlich ist. Beim Worldwatch Institute erfährt man: „Der Weltgesundheitsorganisation zufolge fordert der Klimawandel bereits heute mehr Leben als der Terrorismus.“ 160.000 Menschen, wird uns versichert, stürben Jahr für Jahr an den Folgen des sich ändernden Klimas – womit allen klar sein dürfte, wie ungeheuer groß diese Bedrohung ist. Angesichts solcher Zahlen wirkt der Terrorismus fast wie eine Lappalie. Die Bevölkerungsbombe In den 70er-Jahren hatte Paul R. Ehrlich in seinem Buch Die Bevölkerungsbombe behauptet, die rasch zunehmende Zahl von Menschen im Süden müsse unabwendbar zu einem Sieg des Kommunismus führen. Heute hat er diese plumpe These umgemodelt und erklärt mit denselben Argumenten den internationalen Terrorismus. Demografische Faktoren, so Ehrlich, trügen sehr wahrscheinlich zum Terrorismus bei. Warum? – Weil „die überwiegende Mehrheit der Terroristen junge Männer sind“ und es in den muslimischen Staaten „sehr viele Jungen unter 15 Jahren“ gebe.(13) „Man kann unmöglich darüber hinwegsehen, dass schnelles Bevölkerungswachstum und Terrorismus zusammenhängen“, behauptet auch der Vorsitzende von Population Control.(14) Tatsächlich verbirgt sich hinter diesem Schluss eine äußerst einfältige Logik, der zufolge beiden Phänomene deshalb etwas miteinander zu tun haben, da sie gleichzeitig auftreten. Mit gleichem Recht könnte man behaupten, das Bevölkerungswachstum sei die Ursache für den Tsunami in Indonesien, die hohen Immobilienpreise in London oder die Beliebtheit des iPods. Bekannte Organisationen, die für Bevölkerungskontrolle eintreten, darunter das Worldwatch und das Population Institute, verkaufen dies als Anti-Terror-Politik. In einer Studie des Population Institute ist zu lesen: „... in Entwicklungsländern führt rasches Bevölkerungswachstum zu Sicherheitsproblemen, u.a. Unruhen und Terrorismus.“(15) In der Studie wird ein Bericht von Population Action International zitiert, in dem es heißt: „... ein Überschuss an jungen Menschen führt zu Instabilität und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Terrorakten oder inneren Unruhen kommt, um bis zu 50 Prozent.“(16) 50 Prozent! Das klingt ziemlich erschreckend. Aber keine Angst, die Zahl hat man sich ausgedacht – sie ist nichts weiter als ein Fantasieprodukt derjenigen, die um jeden Preis versuchen, eine Beziehung zwischen Bevölkerungswachstum und Terror herzustellen. Der Schluss, zu dem wir mit solchen Scheinargumenten gedrängt werden sollen, lautet, dass weitreichende Bevölkerungskontrolle die Gefahr des Terrorismus halbiert. Oder anders formuliert: Der Terror lässt sich nur dann besiegen, wenn wir die Menschen dazu bringen, sich nicht weiter zu vermehren. Am Ende der Studie des Population Institute heißt es: „Familienplanung allein führt noch nicht zu einer sichereren Welt, doch sie trägt sehr viel dazu bei, den Druck von einer Gesellschaft zu nehmen, der sonst zu Instabilität, inneren Unruhen und Terrorismus beiträgt.“(17) Was ist Sicherheit? Traditionell galt die Sicherheit als ein durch Konkurrenz zwischen Nationen, Expansionspolitik oder ideologische Gegensätze bedrohtes Gut. Die neue Sicherheitspolitik konzentriert sich nicht mehr auf geopolitische, sondern auf Umweltfragen. Sie basiert auf einem ökologischen Determinismus, auf der Annahme, dass Umweltzerstörung und Ressourcenmangel die größte Bedrohung für die Sicherheit darstellen. Wie eine Gefahr wahrgenommen und wie darüber diskutiert wird, hängt von den vorherrschenden kulturellen und sozialen Strömungen ab. Manche stellen beispielsweise Aids als „militärisches und Sicherheitsproblem“ dar. Die Krankheit, wird argumentiert, hindert einige Regierungen daran, Friedenstruppen zu entsenden, da man befürchte „die im Ausland stationierten Soldaten könnten den Virus weiterverbreiten oder ihn zurück in die Heimat tragen“.(18) Peter Piot, Direktor des UNAIDS-Programms, verglich Aids mit Terrorismus, da die Krankheit zu Armut und inneren Unruhen führen und dadurch zwischenstaatliche Konflikte auslösen könne.(19) Warum hier eine Krankheit als Frage der Sicherheit und nicht als eine der Gesundheit gesehen wird, bleibt unklar. Auch Krankheiten wie die Vogelgrippe können potenziell zahlreiche Menschen töten. Umweltzerstörung und Klimawandel stellen möglicherweise große Herausforderungen an die Menschheit dar – aber es sind keine Probleme, die militärisch gelöst werden müssen; hier sind Technik und Politik gefragt. Gewissermaßen hat natürlich alles, ob nun die Arbeitslosigkeit oder ein Computervirus, Auswirkungen auf die Sicherheit. Dennoch unterscheiden sich derartige Probleme erheblich von absichtsvoller, organisierter Gewalt. Um die Abwehr genau solcher Angriffe geht es bei der Sicherheitspolitik. Weitet man den Bereich der Sicherheitspolitik aus, bringt man einiges durcheinander, ohne damit einer Lösung näher zu kommen. Vertreter der neuen, erweiterten Sicherheitspolitik kritisieren häufig den „Krieg gegen den Terror“ als Überreaktion und Angstmacherei: „Der 'Krieg gegen den Terror' schafft eine Atmosphäre der Angst, die für die Machthabenden von Vorteil sein kann, und er führt dazu, dass beispielsweise nicht wenige Amerikaner regelmäßig – und ohne Grund – ihrer Angst Ausdruck verleihen, ein Mitglied ihrer Familie könnte einem Terroranschlag zum Opfer fallen.“(20) Die modernen Apokalyptiker setzen genauso auf die Angstkarte wie die Terrorkrieger. Sie gehen dabei sogar weiter. In ihrer Vorstellungswelt gefährdet das Meiste, was Menschen tun, ihre eigene Zukunft. Um das ja nur deutlich genug zu machen, akzeptieren sie die Ideologie des Krieges gegen den Terror, um anschließend zu betonen, die Gefahren, vor denen sie warnten, seinen tausendmal tödlicher als jeder 11. September. In früheren Sicherheitsdebatten war der Gegner klar ausgemacht – es waren die Russen, die Kubaner etc. Auch die Terrorkrieger haben noch einen halbwegs greifbaren Gegner – islamische Fundamentalisten. Bei den Untergangspropheten lassen sich Freund und Feind überhaupt nicht mehr unterscheiden. In ihrer menschenfeindlichen Sicht ist alles, was Menschen tun, problematisch, führt jedes Handeln in eine nur noch schlimmere Katastrophe. Der Feind ist überall, der Feind bist vielleicht sogar du. Aus dem Englischen übersetzt von Bernd Herrmann.
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