Inhalt
ZUR SACHE:
Politik, Korruption und Theater
Von Thomas Deichmann
STICHWORT:
Politik ist das nicht mehr
Von Sabine Reul
POLITIK UND
GESELLSCHAFT
James Heartfield:
Skandalöse Politik
Bernd Herrmann:
WORTGESCHICHTEN: Wahl
[Heft S.11]
Sabine Beppler-Spahl:
Die Familie als Hochrisikozone?
Michael Fitzpatrick:
Vatikan – Weltmacht oder Werte-Tankstelle?
Horst Meier:
Die Freiheit der NPD
Ingo Wolf:
POSITION: Die Versammlungsfreiheit ist von fundamentaler Bedeutung
[Heft S.18]
WELTGESCHEHEN
Julian
Namé:
Europas neue unheilige Allianz
Bijan Farnoudi:
Die Welt muss erfahren, dass es auch im Iran
Rockmusiker gibt
KRIEG UND
TERRORISMUS
Brendan O’Neill:
Die Huren von Guantanamo
[Heft S.24]
WISSENSCHAFT
UND ÖKOLOGIE
Karin Hollrichter:
Grüne Maulkörbe
Dirk Maxeiner:
Stellvertreterkrieg zu Lasten der Armen
[Heft S.28]
Ingo Potrykus:
„Die Hysterie europäischer Meinungsbildner
gegen die Grüne Gentechnik ist auf die Entwicklungsländer übergeschwappt“
Matthias Heitmann:
Politik im Namen des Hasen
Michael
Breu:
Eine starke Wurzel
[Heft S.35]
Hubert
Wennemer, Gerhard Flachowsky und Volker Hoffmann:
Fressen die Nutztiere der Welt den Armen die Nahrungsmittel weg?
[Heft S.36]
Frank Furedi:
EINSPRUCH: Mama ist auf der Mailbox
[Heft S.39]
Thomas
R. DeGregori:
Gibt es ein Recht auf irrelevante Informationen?
MEDIEN UND
KULTUR
Jennie Bristow:
Welt in Angst
[Heft S.43]
Hanko Uphoff:
Gehirn und Willensfreiheit
Frank Furedi:
Werteverfall? Kein Grund, aufs Fernsehen
zu schimpfen
RUBRIKEN
DAFÜR STEHT NOVO
[Heft S.4]
BRIEFE
[Heft S.8]
IMPRESSUM
[Heft S.5]
FROHE
BOTSCHAFT
von Dirk Maxeiner und
Michael Miersch
[Heft S.19]
SCHÖNE
NEUE WELT
von James Woudhuysen:
Volkskrankheit Konzentrationsschwäche?
[Heft S.42]
BRIEF AUS BERLIN
von Klaus Bittermann:
Der Papst, die Medien und der Tod
[Heft S.50]
|
Politik, Korruption und Theater
Dass wir in Novo eine Lanze für Joschka Fischer brechen, kam noch nicht
vor. Dabei soll es vorerst auch bleiben. Doch im Zusammenhang mit der „Visa-Affäre“ ist
es uns ein Anliegen, denen zu widersprechen, die in den vergangenen Monaten
dafür sorgten, dass die ohne Frage verbesserungswürdige deutsche
Visapolitik weltweit in die Schlagzeilen und von dort nicht mehr wegkam. Die
implizite Unterstellung an das Außenministerium, man habe für das
grüne „Multikulti-Weltbild“ (oder für wen und was auch
immer) zum „Schaden der Nation“ wissentlich Menschenhandel und
Schlepperprostitution in die Wege geleitet, ist an Borniertheit kaum zu übertreffen.
Dass es Fischer zunächst zu dumm erschien, auf solch impertinenten Quatsch
auch noch öffentlich zu reagieren (was ihm den Vorwurf der Arroganz einbrachte),
erschien als durchaus sympathischer und verständlicher Zug des Ministers.
Doch seine Opponenten (die dieses Mal die Saubermannfraktion mimten und sich
z.T. offenbar genüsslich für den CDU-Spendenskandal rächen wollten)
ließen nicht locker und ihn schließlich auf Knien rutschen und
nur noch demütiges Agenturen-Deutsch salbadern. Aus einem verunglückten
Reformversuch niederer diplomatischer Bedeutung (der wohl einzig das Ziel hatte,
das Leben einiger Osteuropäer ein klein bisschen zu erleichtern) inszenierten
sie eine Staatskrise von internationalem Rang.
Dieses
abgeschmackte Spiel um Einschaltquoten und vermeintliche Wählergunst
ist mittlerweile Standard im deutschen Politikgeschäft. Scharping
war eines der ersten Opfer aus der rot-grünen Riege. Der einstige
Verteidigungsminister musste 2002 seinen Hut nehmen – nicht etwa,
weil er dreiste Lügen verbreitet hatte, um seine Bomben auf Serbien
zu rechtfertigen, sondern weil belanglose Verbindungen zu einer PR-Agentur
ans Licht kamen. Auch für eine politische Auseinandersetzung um
Fischer gab es im Zusammenhang mit letzten Kriegen genügend Anlass.
Aber da man ihn mangels inhaltlicher Differenzen darüber nicht zu
Fall brachte, versucht man heute offenbar umso inbrünstiger, ihm
einen Strick aus Versäumnissen bei der Visapolitik zu drehen. Man
kann nur hoffen, dass das nicht gelingt. Ähnliches gilt für
jüngst entlarvte „Geschäfte“ von Verbraucherschutzministerin
Künast (auch nicht gerade ein Liebling der Novo-Redaktion). Sie
soll ein Rednerhonorar als Spende für die grüne Partei umdeklariert
haben. So what?, fragt man sich. Seit wann ist es anrüchig, dass
Politiker Lobby für ihre Partei machen? Dass Künast seit Jahr
und Tag mit allen Mitteln der Kunst die Biotechnologieforschung in Deutschland
plättet, wird zwar hin und wieder diskutiert, aber ihr Spiel weitertreiben
darf sie trotzdem – weil das beim Wahlvolk gut ankommt.
Im
Zuge dieser Umtriebe erscheinen Untersuchungsausschüsse heute
immer mehr Menschen interessanter als die Parlamente. Doch wen wundert’s?
Die deutsche Politik dreht sich mittlerweile fast pausenlos um Skandale,
Affärchen, Verfassungsklagen, Ausschüsse und dergleichen. Das
populistische Abwatschen politischer Gegner mit halbseidenen Korruptionsvorwürfen
ist offenbar zu einem Ersatz für die seriöse Auseinandersetzung
um gesellschaftspolitische Perspektiven geworden. In den Ausschüssen
wird deshalb auch nicht Politik, sondern Unterhaltung im TV-Stil geboten – und
dabei die Quote gemessen. So interessierten sich die Kontrahenten der
aktuellen Visa-Affäre alsbald auch fast nur noch für die Frage,
ob man die Ausschusssitzungen live übertragen solle. Hochdotierte
Medienberater gingen in Stellung, um die Auftritte zu inszenieren. Der
nichtige Anlass dieses Theaters geriet damit vollends in den Hintergrund.
Wer meint, seine Energie (als Parlamentarier oder politischer Kommentator)
in solche Manöver stecken zu müssen, sollte sich zumindest
einmal überlegen, was er damit anrichtet. Fischer kurzerhand loszuwerden,
erscheint vielen attraktiv. Aber der Preis, den die politische Kultur
dafür unwiederbringlich zu zahlen hat, ist weit höher.
Sabine
Reul und James Heartfield widmen sich dem Thema, das nicht nur in Deutschland
Wellen schlägt. Auch und insbesondere die Beiträge
von Sabine Beppler-Spahl und Michael Fitzpatrick in dieser Ausgabe von
Novo werfen wieder ein ganz eigenes Licht auf das, was sich in der Welt
derzeit abspielt.
Anregende
Lektüre wünscht Ihr
Thomas Deichmann
Chefredakteur
| Bitte
notieren |
> Novo sucht
Partnerschaften für konkrete Projekte. Wir planen
die Teilnahme an der diesjährigen Buchmesse vom
19.-23. Oktober in Frankfurt (www.buchmesse.de). Wollen
/ können Sie sich an den Kosten von rund 1000 Euro
beteiligen? Dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.
|
|
| Next
NOVO |
Das
nächste Magazin (Novo77) erscheint als reguläres
Einzelheft im Juli 2005. Artikelvorschläge sind
wie immer willkommen.
|
|
Da wir
keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der extern
gelinkten Seiten haben, distanzieren wir uns ausdrücklich von
den Inhalten aller extern gelinkten Seiten auf der Website www.novo-magazin.de
und den darunterliegenden Seiten und machen uns die Inhalte der gelinkten
Seiten nicht zu eigen.
Der Ordnung
halber verweisen wir auf den folgenden Disclaimer.
|