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Inside Lieber Klimawandeln
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Joe Kaplinsky hält nichts davon, dem Klimawandel passiv und ängstlich zu begegnen. Warum versuchen wir nicht selbst, Schönwetter zu machen?
Man
könnte annehmen, das Problem mit einem solchen Konzept der aktiven
Klimakontrolle sei, dass wir nicht wissen, wie eine solche funktionieren
soll. Dieser berechtigte Einwand steht aber nicht im Zentrum der Klimadebatte.
Stattdessen werden immer wieder grundsätzliche ethische Einwände
gegen die Forschung, die sich gerade bemüht, solches Wissen zu entwickeln,
vorgebracht. Doch
solche visionären Konzepte finden zurzeit wenig Resonanz. Das veranschaulichte
eine Konferenz für Klimatechnik im englischen Cambridge im Januar
diesen Jahres. "Einige der vorgeschlagenen makrotechnologischen Möglichkeiten
sind extrem und recht beunruhigend; manche muten sogar verrückt an",
sagt Professor John Shepherd, Direktor des Tyndall Centre for Climate
Change Research. "Genau deshalb sollten wir sie baldmöglichst
auswerten und gegebenenfalls manche fallen lassen, damit die Gesellschaft
beschließen kann, welche als ernsthafte Optionen weiterzuentwickeln
und bei Bedarf einzusetzen sind." Dies
war jedoch nicht immer so. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg dachten
viele Wissenschaftler - unter ihnen der berühmte und brillante Mathematiker
John von Neumann - , dass der wissenschaftliche Fortschritt auch die Beeinflussung
des Wetters ermöglichen würde. Von Neumann war an der Entwicklung
und dem Bau der ersten Computer beteiligt und ging fest davon aus, dass
man mit Hilfe dieser neuen Maschinen das Klima modifizieren könne. Warum haben wir unsere Vorstellungen von Klimatechnologie auf Eis gelegt? Eine Erklärung ist, dass wir uns der technischen Schwierigkeiten bewusster geworden sind. Sicher waren viele frühe Versuche nicht von Erfolg gekrönt. Ideen, die auf dem Papier gut aussahen, scheiterten an der Umsetzung. Zweifellos haben wir heute eine genauere Vorstellung von der Komplexität des globalen Klimas mit seinen Nicht-Linearitäten und Rückkopplungen. Aber
die Geschichte lässt auch einen anderen Grund erkennen, weshalb man
sich von diesem Thema abwandte. Der gesellschaftliche Klimaumschwung zuungunsten
der Klimatechnologie begann in den 70er-Jahren. Das in dieser Zeit erwachende
Umweltbewusstsein war mehr als nur eine Reaktion auf neue wissenschaftliche
und teils alarmierende Erkenntnisse. Es wurde vielmehr von einer neuen
moralischen Haltung getragen, die Natürlichkeit und Unberührtheit
Priorität gab und menschliche Eingriffe in natürliche Prozesse
problematisierte. Die Kritik der Klimatechnologie entwickelte sich ähnlich wie die Kritik der Atomtechnologie. Was innerhalb der Linken als kritische Auseinandersetzung mit bestimmten Formen des Einsatzes von Technologien begann, verwandelte sich zunehmend in eine prinzipielle Kritik an Technologie überhaupt. Als das Wirtschaftswachstum sich in den frühen 70er-Jahren verlangsamte, nahmen in den westlichen Eliten Skepsis und Zweifel am Sinn von Investitionen in große Projekte zu. Dahinter stand nicht nur eine ökonomische Flaute, sondern auch politische Stagnation und Verunsicherung. Vor diesem Hintergrund wurde der Ökologismus zu einer immer einflussreicheren Ideologie. Dessen
grundsätzliche Abneigung gegen menschliche Eingriffe in die Natur
prägt heute den Umgang mit Fragen der Klimatechnologie selbst in
den entsprechenden Fachkreisen. Stephen Schneider, einer der führenden
Klimaforscher der Welt, zeigt sich sehr misstrauisch gegenüber dem,
was er als "Geotechnologie" bezeichnet. Obwohl er unzureichende
Kenntnis der Zusammenhänge als Ursache dieser Skepsis anführt,
sind seine Bedenken weniger wissenschaftlicher als moralischer Natur.
"Es ist besser, Heroinabhängigkeit durch überlegte medizinische
Versorgung zu heilen, die das Opfer langsam, aber sicher von der Drogensucht
entwöhnt, als durch den massiven Ersatz von Methadon oder eines anderen,
gefälligeren oder günstigeren Narkotikum", sagt Schneider
und gelangt zu dem Schluss, "Geotechnologie" sei eine Art "planetarisches
Methadon" mit potenziell gefährlichen Nebenwirkungen.5 Ein
hoch profiliertes Autorenteam - bestehend aus der EU-Kommissarin für
Umwelt Margot Wallström, dem Gründungsvorsitzenden der Interregierungs-Kommission
für Klimawandel Bert Bolin, dem Nobelpreisträger für Chemie
Paul Crutzen und dem Vorstandsmitglied des Internationalen Geosphäre-Biosphäre-Programms
Will Steffen - vertrat kürzlich die Ansicht, menschliche Eingriffe
in die Natur hätten inzwischen gefährliche Ausmaße erreicht.
"Die Erde ist in die so genannte Ära des Anthropozän eingetreten
- die geologische Ära, in der Menschen ein bedeutender und bisweilen
dominierender Umwelteinfluss sind", erklärten die Wissenschaftler.
Folglich hätten wir nun nur noch zwei Optionen: "Werden wir
die Herausforderung annehmen, vorsichtig und zurückhaltend zu reagieren,
oder warten wir, bis uns eine katastrophale und irreversible Klimaänderung
trifft?"6 Davon auszugehen, dass die Menschheit in Zukunft ihren Einfluss auf die Erde erheblich steigern wird, ist allerdings durchaus realistisch. Wir können uns nicht mit den vorgeschlagenen Optionen - vorsichtige Zurückhaltung oder Passivität - zufrieden geben, sondern müssen uns technologisch weiterentwickeln. Unsere Umgebung auf lokaler Ebene, also durch Modernisierung der Lebensformen in Stadt und Land, weiterzuentwickeln, hat zu großen Verbesserungen geführt, was die Gesundheit, den Wohlstand und die allgemeine Kultur angeht. Warum sollte die Geotechnologie diesen Prozess nicht fortsetzen können? Unser Wissen über das Klima ist noch nicht entwickelt genug, um planetarische Geotechnologie zu betreiben. Weder besitzen wir ausreichend präzises Wissen über die globale Erwärmung noch die Fähigkeit, die Auswirkungen eines globalen Eingriffs vorherzusagen. Doch das wird sich mit besserer Erforschung des Klimawandels ändern. Es ist daher sehr vernünftig, jetzt technologische Experimente - und entsprechende politische Debatten - aufzunehmen, damit die globale Technologie heranwachsen kann, die wir brauchen, um in Zukunft tatsächlich in eine anthropozäne Ära einzutreten.
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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