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Inside Rumäniens
schwieriger
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Seit Mai 2004 ist die EU um zehn osteuropäische Länder größer. Nicht dabei ist das neue Nato-Mitglied Rumänien, das seit der Wende 1989 ein trauriges Schattendasein fristet. Von Edmond Nawrotzky-Török.
Bis
1989 war in Rumänien Demokratie ein Fremdwort. Der ehemalige Diktator
Nicolae Ceausescu wollte von einer Opposition nichts wissen. Bürger
wurden eingeschüchtert, verprügelt oder ermordet, wenn sie es
wagten, sich seiner Politik in den Weg zu stellen. Ceausescus gefürchteter
Geheimdienst Securitate führte Tag und Nacht Verhaftungen durch und
zerstörte die Hoffnungen vieler auf ein normales und zivilisiertes
Leben. Durch die kontinuierliche Repression entwickelte sich eine willfährige
Gesellschaft, die sich weitgehend problemlos manipulieren ließ. Aber nicht alle Menschen ließen sich betören. Sie boten dem Regime trotz Verfolgung und Bespitzelung die Stirn. Manche flohen ins Ausland und verbreiteten ihre Meinungen über die Medien. Der Sender Radio Freies Europa wurde zum Hauptfeind der kommunistischen Diktatur. Als Antwort auf die "feindliche Propaganda" beauftragte Ceausescu den berüchtigten Terroristen Ilich Ramirez Sanchez (besser bekannt unter dem Namen "Carlos der Schakal"), einige unbequeme Regimeopponenten aus dem Weg zu räumen. Doch auch in Rumänien stieß der Diktator auf teilweise heftigen Widerstand, denn es gab mutige Menschen, die für ihre Ideale kämpften. Besondere Erwähnung verdienen zwei Namen, die die von Uderzo und Goscigny erfundene Welt von Asterix und Obelix Wirklichkeit werden ließen: Nucsoara, ein kleines mutiges Dorf, und Elisabeta Rizea, eine ebenso mutige Frau, die dort lebte und sich für die Freiheit engagierte. Laut Academia Catavencu, einer der führenden Zeitungen Rumäniens, sollen die rumänische Miliz und die Securitate zehn Jahre gebraucht haben, um die Widersacher zu besiegen. Die Redaktion hat deshalb kürzlich dazu aufgerufen, für die Errichtung eines Denkmals dieser Heldin des rumänischen Volkes Unterschriften zu sammeln und Geld zu spenden, denn vor der freien Presse, so Academia Catavencu, "gab es Nucsoara und Elisabeta Rizea". Die
Auseinandersetzungen um die Zukunft des Landes sind noch längst nicht
beendet. Die heutigen Politiker Rumäniens sind im Grunde nichts weiter
als Abziehbilder der alten Politikerkaste. Sie stehen einer weiteren Demokratisierung
und wirtschaftlichen Erholung im Weg. Aber auch das rumänische Volk
trägt eine Mitschuld an der anhaltenden Misere, weil es sich zu wenig
für seine Rechte einsetzt. So dümpelt das Land vor sich hin. Westliche
Regierungen scheinen auch deshalb gern die Augen zu verschließen,
weil Rumänien eine wichtige strategische Position innehat. Die USA
beispielsweise sind an Rumänien interessiert, weil sie einen großen
Armeestützpunkt in Constantia aufbauen wollen. Die Tatsache, dass
Rumänien in Sachen Wirtschaftskraft unter den EU-Kandidaten den letzten
Platz belegt, stört dabei nicht. Rumänische Regierungspolitiker
machen dennoch stolze Mine zum bösen Spiel und betören das Volk
mit Floskeln, sie hätten die Visumfreiheit eingeführt und das
Land in die Nato eingegliedert. Doch das ist weit gefehlt. Der Historiker
Neagu Djuvara sagte, Rumänien sei nicht ins westliche Militärbündnis
integriert worden, weil die Sozialdemokratische Partei (PSD) an der Macht
ist, sondern obwohl dies der Fall ist. Ion
Iliescu, der erste Nachrevolutionspräsident Rumäniens, sitzt
gerade sein letztes Mandat ab. Er war früher ein Sekretär Ceausescus.
Für sein Amt wurde er in der Sowjetunion ausgebildet. Ihm ist es
zu "verdanken", dass Bergarbeiter wiederholt aufgestachelt wurden,
um nach Bukarest zu ziehen und gegen die Regierung zu demonstrieren, sie
in einem Fall sogar zu stürzen - 1990 musste die Regierung Roman
nach Aktionen militanter Bergarbeiter abdanken. Die rumänischen Sicherheitsbehörden
ließen solche Aktionen in aller Regel geschehen und rührten
keinen Finger. 1999 wurden sogar Polizisten von Bergarbeitern umzingelt
und gefangen genommen. In Rumänien gehören "Putschanheizer"
wie Ion Iliescu seit Jahr und Tag zum Establishment. Filz
und Korruption sind aber nicht nur in Bukarest an der Tagesordnung. Auch
in anderen großen Städten werden Handlungen toleriert, die
eigentlich Strafverfahren nach sich ziehen müssten. Ein Beispiel
hierfür ist Cluj-Napoca (Klausenburg): Die Stadt hat wegen ihres
Bürgermeisters Gheorghe Funar einen miserablen Ruf. Um sämtliche
seiner Missetaten aufzuzählen, würde dieser Artikel nicht reichen.
Funar ist ein rechtsextremer Politiker, der ständig den Ungarn alle
Probleme in die Schuhe schiebt. Bei der Unterzeichnung des ungarisch-rumänischen
Grundlagenvertrags ging er sogar soweit, dass er Rumänien angesichts
der vermeintlichen Bedrohung symbolisch beerdigen ließ. Im Fernsehen
teilte er mit, dass Rumänien Gefahr laufe, Siebenbürgen zu verlieren. Aber es gibt auch Rumänen, die diese Probleme erkennen und um das Schicksal ihres Landes bangen. Leider haben sie noch nicht genügend Einfluss. Zum Teil ziehen sie es auch vor, sich nicht öffentlich in die Politik einzumischen. Stattdessen bevorzugen sie, beispielsweise mit der Herausgabe von Büchern, das Volk zum Sinneswandel zu bewegen. In der Tat ist es für einen Kulturschaffenden im heutigen Rumänien kein guter Weg, sich in eine Partei einschreiben zu lassen. Denn die Verdrossenheit über den politischen Apparat ist so stark ausgeprägt, dass man ihn sogleich als bestechliche Person betrachten würde. So ist es vielen bis heute ein Rätsel, warum der früher angesehene Philosoph Andrei Plesu im Jahre 1996 das Amt des Außenministers übernahm. Zwar gab es damals die vage Hoffnung auf eine Kursänderung des Landes, nachdem eine aus mehreren traditionsreichen Parteien gebildete Koalition die Macht übernommen hatte. Aber es war dennoch schon damals befremdlich, dass Plesu ausgerechnet auf Bitte von Petre Roman, einem ehemaligen Verbündeten Iliescus, den Regierungsposten übernahm. In
Rumänien scheint sich derzeit eine neue Alternative zu formieren.
Es gibt eine neue, größtenteils aus jungen Menschen bestehende
Partei namens URR - die Union für den Wiederaufbau Rumäniens.
Anders als bei den anderen Parteien gibt es für Bewerber klare Voraussetzungen,
um als Mitglied beitreten zu können. Ehemalige Securitate-Mitglieder
oder -Informanten haben zumindest theoretisch keine Chance. Die Partei
scheint besonders junge Menschen zu ermutigen, sich am politischen Leben
aktiv zu beteiligen. Ihr Vorsitzender ist 35 Jahre alt, die stellvertretenden
Vorsitzenden weit jünger. Aber auch bei der Union besteht die Gefahr,
dass ehemalige Diktaturfreunde in die Partei infiltriert werden, denn
es gab früher auch Informanten in den jüngeren Bevölkerungsschichten.
Die Redaktion der Academia Catavencu hat nun Listen mit den Namen ehemaliger
Securitate-Mitglieder veröffentlicht. Weitere Enthüllungen sollen
folgen. Allerdings ist ihre Wirkung derzeit begrenzt, weil laut Gesetz
niemand aufgrund seiner Tätigkeiten im alten Regime zur Verantwortung
gezogen werden kann. Rumänien kann dennoch Fortschritte vorweisen. An viele Grundrechte und Freiheiten, derer sich die rumänischen Bürger heute erfreuen, war im alten Regime nicht einmal im Traum zu denken. Der wichtigste Sieg ist die nach und nach weichende Furcht vor den Behörden. Die Menschen beginnen zu verstehen, dass sie "das Volk" sind und als mündige Bürger über die Geschicke ihres Landes zu bestimmen haben, wenngleich dieser Prozess noch sehr schüchtern vorangeht. Es bleibt zu hoffen, dass diese Einsicht Schule macht. Die diesjährigen Wahlen (im Juni sind Kommunal-, im Herbst Parlamentswahlen) werden zeigen, wie weit der Mut geht.
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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