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Inside Von Kennzeichnung
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Wenn die neuen Gentechnik-Kennzeichnungsregeln etwas dokumentieren, dann die offiziell verordnete Behandlung der EU-Bürger als Dummköpfe. Von Thomas Deichmann.
Ein
sachlich nachvollziehbarer Grund für das komplexe, teure, inkonsistente
und zum Teil nicht praktikable Regelwerk ist nicht zu erkennen, solange
man Nahrungsmittel als biochemischen Energierohstoff unseres Organismus
betrachtet, von dem man sich wünscht, er möge uns allen gesund,
vielfältig, geschmackvoll und ausreichend zur Verfügung stehen.
Dafür begann die Menschheit schon vor Urzeiten mit der Landwirtschaft
und später mit der Züchtung von Nutzpflanzen und Tieren. In
der jüngeren Zeit gesellten sich die klassische Biologie und die
modernen Biowissenschaften hinzu. Sie liefern neue Agrarprodukte mit verbesserten
Eigenschaften, weshalb ihre Anwendung kontinuierlich zunimmt, so wie sich
einmal der Holzpflug im Ackerbau auszubreiten begann. Letztes Jahr wuchsen
transgene Pflanzen weltweit auf 67 Mio. Hektar. In Europa und Deutschland
findet man sie selten, denn hierzulande steht technologischer Fortschritt
unter einer Art Generalverdacht - und mit ihm auch das vernünftige
Ansinnen, aus einem Stück Ackerland mit möglichst wenig Aufwand
auf lange Sicht möglichst viele kulinarische Köstlichkeiten
für Mensch und Tier herauszuholen. Jedenfalls wird die heimische
Scholle neuerdings in Brüssel und Berlin wie eine heilige Kuh behandelt,
die es vor dem "Genteufel" zu retten gilt. Dabei gehört
eine Mischung aus Fantasie und Aberglaube dazu, um sich die Gentechnik
als Teufelszeug vorzustellen. Im Grunde ist sie nicht mehr als die Verfeinerung
der klassischen Pflanzenzüchtung. Mit ihrer Hilfe überträgt
man gewollte Eigenschaften auf Nutzpflanzen, nur dass die neue Züchtergeneration
dabei effizienter und zielgerichteter vorgehen kann. Bis auf eine Eigenschaft,
die durch ein neues Eiweißprodukt im pflanzlichen Stoffwechsel angeregt
wird (wie etwa Abwehrkräfte gegen Fraßschädlinge oder
gegen Pilzbefall), unterscheiden sich transgene Pflanzen und aus ihnen
hergestellte Produkte qualitativ nicht von klassischen Lebensmitteln.
Eine Kartoffel bleibt eine Kartoffel usw. Bleiben wir beim Wesentlichen der Kennzeichnung und sehen wir deshalb auch von den etlichen Ausnahmen ab, die das Regelwerk enthält (Milch von Kühen oder Fleisch von Schweinen, die mit transgenen Futtermitteln versorgt werden, müssen zum Beispiel nicht gekennzeichnet werden): Ob nun GVO-Spuren in einem Endprodukt übrig sind oder nicht ist eh unwichtig, denn einen qualitativen Unterschied gibt es nicht. Und für den Verzehr sicher sind Lebensmittel allemal, sonst kämen sie nicht auf den Markt. GVO-Lebensmittel sind also so sicher und von mindestens gleicher Qualität wie herkömmliche Produkte. Ihre Kennzeichnung ist auch kein Warnhinweis, die GVO-Kennzeichnung ist vielmehr rausgeworfenes Geld und kommt dem Tatbestand der Volksverdummung nahe. Sie hat nichts mit wirklicher Wahlfreiheit zu tun - denn wo es keine messbaren Unterschiede beim Biss in die Rübe gibt, gibt es wohl auch nichts zu wählen. Ähnlich substanzlos wäre der Hinweis im Impressum einer Zeitung, dass das Medium mit Computertechnologie hergestellt worden ist. Wenn
also ein Rat erlaubt sein darf: Sofern Sie nicht aus speziellen Gründen
die volle Bandbreite des neuen EU-Regelwerks kennen müssen, vergessen
Sie das Thema einfach. Es gibt keinen Grund für "Otto Normalverbraucher",
die Gentechnik-Kennzeichnung ernst zu nehmen, geschweige denn den Einkauf
darauf abzustellen. Sorglos ignorieren können Sie die Hiobsbotschaften
(mit entsprechenden Einkaufsratschlägen) der selbst ernannten "Gentechnikexperten"
bei BUND oder Greenpeace. Sie nutzen das Thema Kennzeichnung lediglich,
um neue Anhänger für ihre Anti-Gentech-Ideologie zu gewinnen
und schwadronieren zu diesem Zweck pausenlos über Verbraucherschutz.
Übergehen können Sie auch die Lobpreisungen von Verbänden,
Politikern und Agro-Unternehmen, denen zufolge nun endlich die anscheinend
seit jeher verwehrte "Wahlfreiheit" auf dem Lebensmittelmarkt
ermöglicht worden ist. Und Lebensmittelhändlern (samt den großen
Handelsketten), die mit vorauseilendem Gehorsam die Gunst des Verbrauchers
zu erschleichen versuchen, indem sie ihre Regale von jeglicher "Genkost"
freihalten, sollte man wohl auch mit Vorsicht gegenübertreten. Ihnen
wäre wahrscheinlich auch zuzutrauen, im vermeintlichen Dienste der
"Verbraucher" ihre Großmutter zu verramschen.
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