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Rumänische Erfolgsgeschichte: Transgene
Sojabohnen lohnen sich
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Klimaforschung oder Der zweite Abschied vom geozentrischen Weltbild
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Deutschland ist Weltmeisterin
[Heft S.81]
INNOVOTION
von Hans-Joachim Maes
[Heft S.82]
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Rumänische Erfolgsgeschichte: Transgene Sojabohnen lohnen sich
Graham Brookes über die Bedeutung von herbizidtoleranten
RoundupReady-Sojabohnen für die Landwirtschaft Rumäniens.
Rumänien verfügt nach Italien, Serbien und Montenegro mit 75.000
Hektar über das drittgrößte Anbaugebiet für Sojabohnen
in Europa. Die Fläche entspricht in etwa der Anbaufläche Frankreichs.
Seit 1999 werden in dem südosteuropäischen Land transgene RoundupReady-Sojapflanzen
(RR-Soja) angebaut. Ihr Anteil an der Gesamtheit angebauter Sojabohnen
ist im Jahr 2003 auf 55 bis 60 Prozent angestiegen (eingeschlossen der
Anteil an Saatgut, den die Landwirtschaft zur Wiederpflanzung zurückbehält).
Ein
großes Problem für die rumänische Landwirtschaft stellt
der Unkrautwuchs dar. Er ist für signifikante Ertragsverluste und
eine schlechtere Qualität der Ernte verantwortlich. Die Probleme
werden einerseits durch lokale klimatische Faktoren und Bodenbedingungen,
andererseits durch den seit dem Jahre 1990 nur noch begrenzten Einsatz
von Herbiziden verursacht. Als Folge dieser eingeschränkten Verwendung
von Herbiziden - maßgeblich bedingt durch den Zusammenbruch des
real-sozialistischen Wirtschaftssystems und des Übergangs zur Marktwirtschaft
- ist ein merklicher Zuwachs in der Variationsbreite von Unkräutern
zu verzeichnen. Zusätzlich haben sich besonders problematische Unkräuter,
beispielsweise das ursprünglich in Afrika beheimatete Johnsongras
(auch bekannt als Guineagras) verbreitet, die, einmal angesiedelt, durch
die meisten Herbizide nur schwer zu kontrollieren sind. Die umfassende
Behandlung, die eine vernünftige Unkrautkontrolle beim Sojabohnenanbau
verspricht, besteht in der Anwendung verschiedener Herbizide im Verlauf
von drei bis vier Sprühdurchgängen. Diese Praktiken kommen aber
nur bei einer geringen Anzahl von Bauern zur Anwendung. Hauptursachen
hierfür sind der Mangel an Finanzmitteln und die nur geringe Steigerung
der Profitabilität, die dadurch erreicht werden kann.
Die
Durchschnittsgröße der Betriebe, die Soja anbauen, liegt bei
ungefähr 400 Hektar; die der Betriebe, die herbizidtolerante Sojabohnen
kultivieren, bei ca. 500 Hektar - es gibt aber keinen Zusammenhang zwischen
der Betriebsgröße und der angewandten Technologie. Die meisten
der Betriebe, die genetisch veränderte Sojabohnen anbauen, tun dies
entweder ausschließlich oder zum überwiegenden Teil. Mit anderen
Worten: Konventionelle Sojabohnen sind bei der Aussaat nur zu einem kleinen
Teil vertreten. Hieran zeigen sich die erschwerten Zugangsmöglichkeiten
zu den notwendigen Bewässerungssystemen oder - insbesondere in diesem
Jahr - zu transgenen Sojasamen.
Auswirkungen
des Technologieeinsatzes
RR-Sojabohnen werden in Rumänien im Paket mit dem Herbizid Roundup
verkauft. Im Jahr 1999 entsprachen die originären Kosten etwa 160
US-Dollar pro Hektar. Sie sind bis 2003 jedoch auf 130 US-Dollar pro Hektar
gesunken. Der Preis, den die Bauern zahlen, variiert allerdings je nach
Ort des Kaufs und der Möglichkeit, Rabatte auszuhandeln (etwa bei
Großbetrieben). Seit Einführung der Technologie war das Preisniveau
bei den Herbiziden weitgehend stabil, auch wenn der Preis für Roundup
in den vergangenen zwei bis drei Jahren um fast ein Drittel gefallen ist
(parallel zu den sinkenden Preisen generischer Glyphosat-Alternativen,
die seit kurzem in Rumänien erhältlich sind).
Durch
eine systematische Unkrautvernichtung konnten die Erträge um durchschnittlich
31 Prozent gesteigert werden; die Steigerung variierte in einer Bandbreite
von 16 bis zu 50 Prozent. Diese signifikante Ertragsverbesserung ist vor
allem durch die Vernichtung "schwer kontrollierbarer" Unkräuter
zu erklären. So kann Rumänien mittlerweile durchaus mit Ländern
wie Argentinien, den USA und Kanada mithalten, wo Unkraut einen weitgehend
ertragsneutralen Einfluss ausübt und ein weitaus geringeres Problem
darstellt. Auch von der leichten Steigerung der Sojapreise von zwei bis
drei Prozent konnten die meisten Bauern profitieren. Diese Preissteigerung
ist eine Folge der verbesserten Erntequalität, die sich wiederum
aus dem Rückgang der unkrautbedingten Verunreinigungen ergibt.
Im
Durchschnitt haben die rumänischen Bauern merkliche Kosteneinsparungen
und verbesserte Bruttogewinnmargen erreicht. Diese lagen bei jeweils 184
Prozent für kleinere Landwirtschaftsbetriebe, die zertifizierte Samen
verwendeten, bei 127 Prozent für größere Landwirtschaftsbetriebe,
die zertifizierte Samen verwendeten und bei 185 Prozent für größere
Landwirtschaftsbetriebe, die eigengezogene Samen verwendeten (siehe hierzu
die Abbildung). Betriebe, die transgene Sojabohnen kultivierten, gaben
an, dass die gentechnisch veränderten Pflanzen mittlerweile die profitabelsten
seien, die in Rumänien gezogen würden. Neben den quantitativ
wie qualitativ verbesserten Erträgen sorgen auch die geringeren Produktionskosten
(Einsparungen bei Herbiziden und den Betriebskosten, die durch die Anwendung
konventioneller Pflanzenschutzmittel entstehen) für eine finanzielle
Entlastung der Landwirte. Dieser positive Einfluss der Technologie war
wesentlich größer als in anderen Ländern, die gentechnisch
optimierte Sojabohnen verwenden - und ist maßgeblich durch die Verbesserungen
in der Unkrautvernichtung bedingt.
Daneben
ließen sich aus der Untersuchung noch weitere Erkenntnisse ableiten:
- Manche Bauern gaben an, von der größeren Annehmlichkeit des
RR-Sojabohnenanbaus und dem flexibleren Management zu profitieren, am
meisten von der gestiegenen Zeitspanne, die zum Sprühen des Herbizids
verbleibt.
- Auffällig ist, dass rumänische Bauern bis heute noch keinen
Nutzen aus sparsameren und schonenden Ackerbewirtschaftungssystemen haben
ziehen können, bei denen beispielsweise auf das Umpflügen des
Ackerbodens weitgehend verzichtet wird. In den USA und in Argentinien
haben sich diese "minimum and low tillage"-Systeme durchsetzen
können. Ihre mangelnde Anwendung in Rumänien reflektiert einerseits
den Mangel an Finanzmitteln, um die hierfür benötigten Geräte
anzuschaffen. Andererseits erschwert der in Rumänien verbreitete
Lehmboden den Einsatz dieser Systeme.
- Manche Bauern gaben an, dass auch der geringere Zeitaufwand für
die Ernte zur finanziellen Entlastung beitrug.
- Für viele Landwirte ergaben sich signifikante Nutzenvorteile beim
Anbau der auf die Sojabohnenernte folgenden Feldfrüchte. Insbesondere
Maispflanzungen profitierten von der verbesserten Unkrautkontrolle mit
Hilfe der Roundup-Technologie, indem auch bei ihrer Kultivierung der Einsatz
von Herbiziden reduziert werden konnte.
- Die RR-Sojabohnen werden derzeit durch die üblichen Handelswege
auf den Markt gebracht. Eine Trennung konventioneller und transgener Soja
findet nicht statt.
Die
rumänische Landwirtschaft befindet sich in einer Reorganisationsphase.
Dies macht es schwierig, die weitere Entwicklung im Bereich der Herbizidanwendung
und des RoundupReady-Sojaanbaus abzuschätzen. Der einzig stetige
Befund war der gestiegene Einsatz von Glyphosat (der Wirkstoff im Herbizid
Roundup), das wesentlich toxischere Pflanzenschutzmittel vom Markt verdrängte.
Hiervon konnte die Umwelt profitieren. Diese Entwicklung korrespondiert
mit Erkenntnissen aus Ländern wie den USA oder Argentinien.
Es
zeigt sich abschließend, dass der Einsatz herbizidtoleranter Sojabohnen
den Gesamtwert der rumänischen Sojaproduktion im Zeitraum der letzten
drei Jahre um etwa 8,23 Mio. bis 8,62 Mio. Euro gesteigert hat. Dies entspricht
einer Steigerungsrate von etwa 14 bis 19 Prozent.
Aus dem Englischen übersetzt von Jutta Roever.
Graham Brookes ist Agrarwissenschaftler und Manager der Beratungsagentur
Brookes West in Canterbury, England. Der vorliegende Artikel basiert auf
der im August 2003 veröffentlichten Studie "The farm level impact
of using Roundup Ready soybeans in Romania". Sie kann vom Autor direkt
angefordert werden (Tel: +44 1303 840958, Fax: +44 1303 840959, E-Mail:
Graham.Brookes@Btinternet.com). In Novo61/62 veröffentlichte Brookes
den Artikel "Was der Bt-Mais-Anbau in Spanien bringt".
Gentechnisch
erzeugte Herbizidtoleranz
Unkräuter
können erhebliche Ertragsverluste verursachen, weil sie mit Kulturpflanzen
um die Nährstoffe und das Wasser im Boden sowie das Sonnenlicht
konkurrieren. Chemische Unkrautvernichtungsmittel hingegen können
die Umwelt und auch die Nutzpflanzen selbst in Mitleidenschaft ziehen.
Das Aufbringen solcher Substanzen ist deshalb in den meisten Fällen
nur bis zur Aussaat möglich. Anfang der 90er-Jahre stellten Forscher
transgene Soja-, Mais- und Raps-Sorten zur Verfügung, die gegen
bestimmte Breitbandherbizide resistent sind. Die in Monsanto-Labors
gentechnisch hergestellten Kulturen trotzten dem Einsatz des seit Jahrzehnten
im Handel befindlichen hauseigenen Pflanzenschutzmittels Roundup. Dieses
Mittel beendet mit seinem biologisch abbaubaren und für den Menschen
ungefährlichen Wirkstoff Glyphosat das Wachstum von Pflanzen: Ein
lebenswichtiges Enzym des pflanzlichen Stoffwechsels wird gehemmt, als
Folge gehen die mit ihm behandelten Gewächse ein. Den mit einem
neuen Gen versehenen Nutzpflanzen der Monsanto-Produktpalette RoundupReady
macht Glyphosat indes nichts mehr aus. Der Herbizidauftrag kann übers
ganze Jahr verteilt auch nach der Aussaat und dem Keimen und dadurch
wesentlich dosierter erfolgen, und auf eine Reihe problematischerer
Spritzmittel kann ganz verzichtet werden.
Quelle: Thilo Spahl / Thomas Deichmann: Das populäre Lexikon der
Gentechnik, Frankfurt 2001, S.134f.
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