| | Aktuell
(Home/News) | Dafür
steht
NOVO | Wer liest NOVO
| Archiv | Kontakt/Impressum | | Das aktuelle Heft | LifeScience | Infoletter | Einzelheft | NOVO abonnieren | |
| MEDIZIN |
INFOS
Inside Die Homöopathie
ist
|
|||||
|
|
Wolfgang Vahle wagt den Versuch, umfassend zu erklären, warum die Homöopathie von der wissenschaftlichen Medizin nicht anerkannt und als "Irrlehre" bezeichnet wird.
Das
Prinzip der Ähnlichkeit ist bereits im Ansatz falsch. Zunächst
muss man wissen, dass Ähnlichkeiten in unserem Kopf entstehen. Ähnlichkeit
hat etwas mit Mustererkennung zu tun. Und Mustererkennung hat etwas mit
unserem Kopf, mit unserer Fantasie, Erfahrung, Biographie etc. zu tun.
Ein bekanntes Beispiel ist der "Rorschach-Test": Ein völlig
irregulärer Tintenklecks wird von jeder Versuchsperson anders interpretiert.
Jede Versuchsperson sieht Ähnlichkeiten mit ihr vertrauten Bildern.
Diese Ähnlichkeiten sind aber nicht objektiv vorhanden, sie werden
"hineininterpretiert". Ein weiteres Argument gegen das Ähnlichkeitsprinzip ist die Tatsache, dass der Reaktionsfähigkeit unseres Körpers auf Störungen von außen offenbar Grenzen gesetzt sind. Einer Nase ist es beispielsweise völlig egal, ob sie von einem Virus, einem Allergen, einem Bakterium, einem Operateur oder einem Witzbold mit einer Feder geärgert wird: sie reagiert immer mit Naselaufen, Schleimhautschwellung, Rötung, Niesen usw. Wenn ich nur auf die Reaktion schaue, dann kann ich sowohl mit Pfeffer oder Salz als auch mit Paprika und Curry ein Arzneimittelbild erstellen, das in diesem Punkt einer Erkältung gleicht. Wie ist es bei einer Allergie? Birkenpollen führen bei einem Birkenpollenallergiker zum Niesen, Katzenhaare bei einem Katzenhaarallergiker. Das Niesen ist immer gleich. Daraus kann man aber keineswegs schließen, dass Birkenpollen und Katzenhaare irgendetwas miteinander zu tun haben. Andersherum: Wäre der homöopathische Arzneimittelprüfer ein Birkenallergiker gewesen, dann hätte er "herausgefunden", dass Birken gegen Schnupfen helfen (weil Birken ja bei ihm Schnupfen "machen"); wäre er Katzenallergiker gewesen, hätte er "herausgefunden", dass Katzen gegen Schnupfen helfen. Dem Zufall ist also Tür und Tor geöffnet. Kein Wunder, dass Hahnemanns Ur-Experiment (das mit der Chinarinde) nicht ein einziges Mal reproduziert werden konnte. Hahnemanns gesamtes Theoriegebäude hat sein Fundament in einem "fundamentalen" Irrtum. Interessiert das irgendeinen Homöopathen? Nein. Ähnlichkeiten
zwischen Arzneimittelbildern (Vergiftungserscheinungen, die von den "Arzneimitteln"
hervorgerufen werden) und Krankheitserscheinungen sind also von vielen
Dingen abhängig: von der Genauigkeit der Beobachtung, vom Reaktionsspektrum
der Organe und von der Interpretationskunst des Homöopathen, der
das Arzneimittelbild beschreibt. Dabei wird dieser sicher auch von seinem
Wunschdenken beeinflusst sein. Sucht er zum Beispiel ein Arzneimittel
gegen Heuschnupfen, dann wird er andere Symptome für wichtig (oder
unwichtig) halten, als wenn er auf der Suche nach einem Mittel gegen Darminfekte
ist. Im Übrigen ist es wegen der enormen Vielzahl an Substanzen und
der nicht minder großen Vielzahl an Krankheitssymptomen statistisch
hoch wahrscheinlich (eigentlich sogar sicher), dass sich Korrelationen
zwischen beiden Gruppen finden lassen. Und hier "hilft" uns
Menschen wieder unser psychologischer Mechanismus, selbst im völligen
Chaos noch Muster "erkennen" zu können. Aber was ist diese
"Erkenntnis" denn eigentlich wert?1 Was
ist mit dem Prinzip der Wirkungsverstärkung durch Verdünnen?
Mit Verlaub: das ist grober Unfug! Eine Substanz, die aus einer Lösung
entfernt worden ist, kann nicht mehr wirken. Bei Verdünnungen von
C200 bedeutet das "C", dass jede Verdünnung im Verhältnis
1:100 durchgeführt und das ganze noch 200-mal wiederholt wird. Das
Ergebnis ist eine Verdünnung im Verhältnis 1:10400 (also eine
1 mit 400 Nullen). Im ganzen Universum gibt es aber "nur" 1080 Atome (eine 1 mit 80 Nullen).3 Das bedeutet, dass man diese Verdünnung
nicht einmal im gesamten Universum bewerkstelligen kann. Man benötigte
dazu sage und schreibe 10320 Universen, und man könnte sich am Ende
glücklich schätzen, wenn die Wirkung zumindest in unserem Universum
geblieben ist. Nach Ansicht der Homöopathen soll das funktionieren.
Sie glauben nämlich, dass sie es schaffen können, die "Information"
aus dem Molekül von diesem zu trennen und dem Lösungsmittel
zuzuführen. Gerne werden hierfür Vergleiche herangezogen: Wenn
man eine unbespielte und eine bespielte Videokassette wiegt, erhält
man das gleiche Ergebnis, aber dennoch ist auf der einen eine Information
(ein Film) und auf der anderen nicht, sagen sie. Es ist zwar richtig,
dass "Information" etwas Körperloses ist, aber sie ist,
wenn man sie "zugänglich" machen will, "speichern",
"verarbeiten" und wieder "lesen" will, an etwas Körperliches
gebunden. Wenn die Arzneiinformation das Arzneimolekül braucht, dann
braucht der Film die Magnetschicht der Videokassette. Entferne ich das
Molekül aus der Lösung, dann ist das so, als kratze ich die
Magnetschicht vom Trägermaterial. Es
stellt sich überdies die Frage, wie das Lösungsmittel die Information
speichern soll. Beim Speichern von Information muss sich ja irgendetwas
verändern. Das Lösungsmittel kann sich aber nicht ändern,
denn alle Moleküle bleiben gleich. Leider muss man feststellen, dass
Wasser oder Alkohol die Information gar nicht speichern können, denn
die Moleküle des Lösungsmittels sind "ununterscheidbar",
das heißt, man kann keine unterschiedliche Anordnung von Wassermolekülen
erkennen, man kann keine zusammengehörende Gruppe von Wassermolekülen
im Umgebungswasser ausmachen. Alles ist gleich wahrscheinlich, und damit
ist die Information gleich Null. Häufig
werden angeblich unwiderlegbare Argumente zur Erklärung der homöopathischen
Wirkung herangezogen, wie zum Beispiel der "Welle-Teilchen-Dualismus"
oder die "Heisenberg'sche Unschärferelation". Oft muss
die Quantenphysik herhalten, denn sie ist ohnehin schwer zu verstehen.
In dem physikalischen Begriff "Unschärferelation" kommt
ja wohl für jeden klar erkennbar zum Ausdruck, dass es noch etwas
"Unscharfes", etwas "Nicht-Erklärbares" gibt,
auf das sich die Homöopathie berufen kann, könnte man meinen.
Die Quantenphysik hat unsere Welt allerdings vorhersehbarer und verständlicher
gemacht. Sie hat uns zum Beispiel die Atomuhr beschert. Und der Welle-Teilchen-Dualismus
sowie die Heisenberg'sche Unschärferelation erklären in keinster
Weise, wie man Information in einer homogenen Lösung aus nicht voneinander
zu unterscheidenden Molekülen speichern kann, so gerne uns Homöopathen
das weismachen möchten. Das alles kümmert Homöopathen wenig. "Ein großer Teil experimenteller Wissenschaft besteht darin, Tests zu konstruieren, die sicherstellen, dass das Ergebnis eines Experiments nicht das Ergebnis eines menschlichen oder eines Interpretationsfehlers ist. Die unendliche Verdünnung' ist ein solcher Test. Wenn der beobachtete Effekt nicht verschwindet, nachdem die Verdünnung Null erreicht hat, ist das ein klarer Beweis dafür, dass der Effekt nicht durch die getestete Substanz erzielt worden ist."4 - Wenn also zum Beispiel mein Auto weiterfährt, obwohl ich die ganze Seifenlösung aus dem Scheibenwaschtank herausverdünnt habe, ist das eben gerade kein Beweis dafür, dass Seifenlösung der stärkste Treibstoff der Welt ist, weil das Auto sogar noch ohne sie fährt. Das ist vielmehr ein Beweis dafür, dass die Seifenlösung nichts mit dem Treibstoff zu tun hat. Die Homöopathie erblickt aber gerade in solchen Gedankenspielen einen "Beweis" für die hohe Wirksamkeit der Arzneimittel, wenn diese, ohne anwesend zu sein, noch wirksam sind. Der
französische Homöopath Benveniste behauptet entdeckt zu haben,
dass die Information im Wasser in Form von elektromagnetischen Wellen
gespeichert wird, die man mit Hilfe einer Spule um das Wasser herum sichtbar
machen könne. Gemäß Benveniste könnte man die Informationen
in einem Computer abspeichern und ins Internet stellen, so dass sie überall
auf der Welt Wasser aktivieren können. Aber wie soll man elektromagnetische
Wellen abspeichern? Sie "fliegen" mit Lichtgeschwindigkeit davon
und nehmen dabei auch noch Energie mit. Kühlt sich das Arzneimittel
"von allein" ab? Man sollte meinen, jeder ernsthaft mit der
Materie Befasste würde merken, wie hanebüchen solche Modelle
sind. Homöopathen finden daran dennoch großen Gefallen.4 Man fragt sich, was dieser ganze "Umweg" über die Informationsbeladung des Lösungsmittels mit Informationen aus dem Arzneimittel soll. Warum wird statt des eigentlichen Arzneimittels Wasser verabreicht, das genau die gleiche Information enthalten soll wie das Arzneimittel selbst? Um Nebenwirkungen zu verhindern? Das kann nicht sein, denn die vermeintliche Information, die übertragen wird, ist ja identisch. So müssten folglich auch die Nebenwirkungen in der homöopathischen Lösung verpackt sein - es sei denn, sie sind bei der Informationsübertragung gelöscht worden. Wenn man fest daran glaubt, könnte das Schütteln und Stoßen hierzu führen: alles, was der Homöopath gut findet, kopiert sich beim Schütteln und Stoßen ins Wasser, und alles, was er schlecht findet, bleibt freiwillig draußen. Physikalisch
und chemisch gesehen ist übrigens völlig klar, dass wirkstofffreie
Lösungen keine spezifischen Wirkungen haben können. Eine Wechselwirkung
zwischen einer Arznei und dem Organismus des Patienten ist immer körperlicher
Art. Wenn das Arzneimolekül entfernt ist, fällt jegliche Wechselwirkung
zwischen Arzneimolekül und dem Körper des Patienten aus. Lediglich
seelische Wirkungen können noch übrig bleiben - man spricht
in diesem Zusammenhang vom Placeboeffekt. Der ist nicht an die Anwesenheit
des Arzneimittels gebunden. Homöopathen mögen es aber nicht,
dass die ihren Arzneimitteln zugeschriebenen Wirkungen als Placebo bezeichnet
werden. Und was passiert mit dem Patienten, wenn er ein homöopathisches Arzneimittel genommen hat? Es kann ihm besser gehen, dann wird die homöopathische Therapie als Erfolg gewertet. Die Erkrankung kann aber auch erst einmal eine Weile unverändert bleiben. Das wird immer noch als Erfolg der Homöopathie interpretiert, weil homöopathische Heilungen eigentlich sehr langsam ablaufen sollen, damit sie "nachhaltig" sind. Verzögerte Heilungen sind in der Homöopathie durchaus erwünscht und ein vermeintliches Zeichen ihrer Wirksamkeit. Die Krankheit kann sich aber auch verschlimmern. Dann ist in aller Regel von einer "Erstverschlimmerung" die Rede - freilich ebenfalls ein "sicheres" Zeichen, dass die Homöopathie wirkt und das richtige Arzneimittel ausgesucht wurde. Schließlich sollen das "Arzneimittelbild" und das Krankheitsbild ähnlich sein. Wenn beide sich überlagern, kann es also auch einmal schlimmer werden. Es ist also ziemlich egal, ob eine Krankheit nach einer homöopathischen Therapie besser wird, so bleibt oder sich verschlechtert. Der homöopathische Erfolg ist garantiert. Es
gibt aber auch verantwortungsbewusste Homöopathen. Sie überweisen
ihre Patienten bei ernsten Krankheitsbildern an wissenschaftlich agierende
Mediziner (die so genannte "Schulmedizin" - ich bestehe inzwischen
auf "Hochschulmedizin", denn so viel Zeit zur Ausbildung sollte
sein). Das ist äußerst lobenswert. Aber wo erscheinen die überwiesenen
Patienten in den Erfolgsstatistiken der Homöopathen? Nirgends. Sie
verschwinden aus der Statistik. Begründet wird das mit dem Hinwies,
es habe sich herausgestellt, dass die Homöopathie für sie nicht
"zuständig" war. Auf diese Weise werden die ohnehin zweifelhaften
Statistiken von Homöopathen beschönigt, man könnte dieses
Vorgehen auch verfälschen nennen. Daneben kolportieren sie gerne Berichte über angeblich Tausende und Zehntausende von Opfern der naturwissenschaftlich basierten Medizin. Doch diese Zahlen sind in aller Regel wertlos, weil sie absolut sind und die näheren Umstände nicht beleuchtet werden. Wo genau sind diese Opfer der Schulmedizin zu finden? Und in welchem Zeitraum wurden sie dokumentiert? Wie viele Patienten sind im gleichen Zeitraum überhaupt behandelt worden - was ist also die prozentuale Misserfolgsquote? Solche Informationen werden gerne vorenthalten. Zu bedenken ist hierbei auch, dass bei unheilbaren Krankheiten eine Heilung auch durch die wissenschaftliche Hochschulmedizin nicht möglich ist. Wenn ein sterbenskranker Schmerzpatient nach der Gabe eines Schmerzmittels gestorben ist, ist er noch lange nicht wegen des Schmerzmittels gestorben. Ebenso wenig kann man behaupten, Betten seien Todesfallen, nur weil 95 Prozent aller Menschen in der Horizontale das Zeitliche segnen.5 Manche Kritiker meinen, man solle sich in Toleranz üben und die Homöopathie einfach in Ruhe lassen. Freilich bleibt jedem Menschen in einer freien Gesellschaft das Recht, sich seinen Arzt selbst auszusuchen. Aber Informationen über die Praxis der Homöopathie scheinen dennoch dringend von Nöten, denn nur wenige Menschen kennen die Hintergründe und ihre abstrusen "Theorien". Außerdem pfuschen Homöopathen an der Gesundheit ihrer Patienten herum und kassieren auch noch Geld dafür. Die Homöopathie kostet die Gesellschaft schon heute sehr viel Geld, beispielsweise in Form von Kosten für ausufernde Arbeitsunfähigkeitszeiten, weil man sich für die "Therapie" harmloser Krankheiten Wochen und Monate Zeit nimmt, um eine "nachhaltige" Heilung zu erreichen. Am schlimmsten ist aber, dass Homöopathen zuweilen eine notwendige und wirksame medizinische Therapie verhindern.
|
|||||
Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
Dafür steht NOVO