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POLITIK &
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Agenda 2010.
Von Thomas Deichmann
STICHWORT:
Reformdebatte.
Von Sabine Reul
Kai Rogusch und
Thomas Deichmann:
Brüssel: Autoritär statt visionär
OBACHT:
Gaga-Politik.
Von Matthias Heitmann
[Heft S.13]
James Malone:
Die falsche Kapitalisten-Schelte
Stefan Grüll:
Der Fall Möllemann oder
Niemals geht man so ganz!
WISSENSCHAFT &
ÖKOLOGIE
Edgar Gärtner:
CO2-Zertifikate: Der Teufel steckt
im Detail
Joe Kaplinsky:
Denkmalschutz für Aberglaube
EINSPRUCH:
Microsoft im Regenwald?
Von Michael Miersch
[Heft S.22]
Reimar von Alvensleben:
Eine Agrarwende zum Guten?
Oliver Rautenberg:
Wem schaden eigentlich Nützlinge? Schlupfwespen im Maisanbau
[Heft S.27]
Michael Breu:
Der Schwindel von der "giftigen Zeitbombe"
[Heft S.28]
WELTGESCHEHEN
James Woudhuysen:
SCHÖNE NEUE WELT: IT und SARS
[Heft S.30]
Germinal Civikov:
Gericht und Gerechtigkeit
Brendan O'Neill:
Der Allerweltskrieg in Nahost
MEDIEN UND
KULTUR
Stefan Chatrath:
Vierzig Jahre BOOMdesliga
GRÄTSCHE:
Bananenwerfen verboten!
Von Bernd Hermann
[Heft S.41]
Gunnar Sohn:
Wunschhandeln und Wirklichkeitsverlust: Mechanistisches Management-Denken
[Heft S.76]
Hanko Uphoff:
Das Subjekt: Ein Trauerfall?
[Heft S.45]
Bernd Herrmann:
Abseits im Mittelkreis
RUBRIKEN
INHALT /
DAFÜR STEHT NOVO
BRIEFE / IMPRESSUM
[Heft S.6]
UPDATES
[Heft S.7]
FROHE BOTSCHAFT
von Dirk Maxeiner und
Michael Miersch
[Heft S.29]
BÜCHER
[Heft S.38]
INNOVOTION
[Heft S.50]
|
40 Jahre BOOMdesliga
Die Kommerzialisierung des deutschen Fußballs hat entgegen aller
Kritik überwiegend positive Wirkungen gezeigt, argumentiert Stefan
Chatrath.
Als im Jahre 1963 die Bundesliga aus der Taufe gehoben wurde, war ein
Verein den anderen Teams meilenweit voraus: der 1.FC Köln. Beim FC
erkannte man schon frühzeitig, dass ein professionell geführter
Klub nur dann erfolgreich sein kann, wenn er auf eine breite Basis gestellt
wird. Franz Kremer, der damalige Präsident der Kölner, verließ
sich nicht allein auf die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, sondern
führte den Klub wie eine Art Aktiengesellschaft. Er gründete
einen Verwaltungsrat mit potenten Sponsoren aus der Region. Den Spielern
bot er von Anfang an professionelle Bedingungen: Medizinische Versorgung,
Betreuung und Ausrüstung waren damals keine Selbstverständlichkeit.
"Der Unterschied, den die neue Klasse brachte, bestand in erster
Linie darin, dass der Fußball nun vor allen privaten Belangen und
vor zivilberuflichen Zielen zu rangieren hatte", erzählt Hans
Schäfer, Kapitän der Kölner in der Premieren-Saison 1963/64.
Den Vollprofis vom Rhein konnte kein Team das Wasser reichen: Der 1.FC
Köln wurde überlegen mit sechs Punkten Vorsprung Meister.
40
Jahre später ist das, was in Köln zu Gründerzeiten der
Bundesliga zaghaft praktiziert wurde, längst Standard geworden: Die
Vereine generieren ihre Einnahmen zu 36,8 Prozent aus TV-Honoraren, zu
23,8 Prozent aus der Werbung, zu je 16 Prozent aus Eintrittsgeldern und
Merchandising sowie zu 7,2 Prozent aus dem Transfergeschäft.
Die Bundesligisten sind im Laufe der Zeit zu mittelständischen Unternehmen
herangereift. Nahm der 1.FC Kaiserslautern in der ersten Bundesligasaison
umgerechnet noch rund 600.000 Euro ein, beträgt der Umsatz eines
Bundesligaklubs heute im Durchschnitt 62,5 Mio. Euro. Das ist einhundertmal
mehr als 1963/64. Wie kaum eine andere Branche profitierte der Fußball
dabei von der Entwicklung des privaten Fernsehens. In der Saison 1988/89,
als erstmals private TV-Anbieter die Übertragungsrechte erwarben,
explodierten die Fernseh-Honorare. Nachdem ARD und ZDF ein Jahr zuvor
noch 9,2 Mio. Euro bezahlt hatten, läutete der Vertrag zwischen dem
DFB und der Vermarktungsagentur Ufa den Beginn einer neuen Ära ein.
Die Bertelsmann-Tochter - zugleich Hauptgesellschafter beim Privatsender
RTL - investierte für ihr dreijähriges Bundesliga-Engagement
69 Mio. Euro. In den vergangenen zehn Jahren flossen alles in allem TV-Gelder
in Höhe von 1,8 Mrd. Euro in die Kassen der Lizenzvereine - seit
der Saison 2000/2001 sind es pro Jahr sogar durchschnittlich mehr als
300 Mio. Euro.
Der relativ hohe Anteil der TV-Einnahmen am Umsatz der Bundesligaklubs
wird häufig skeptisch beäugt: "Die Liga hängt am Tropf
des Fernsehens", kritisiert der Kicker-Redakteur Rainer Franzke und
wirft den Vereinen vor, in den vergangenen Jahren "schlecht gewirtschaftet"
zu haben. In der Tat erlösen die Bundesligaklubs den Großteil
ihrer Einnahmen durch die Vermarktung der Übertragungsrechte. Doch
ihnen das zum Vorwurf zu machen, ist ein Fehler: Im Vergleich zu früheren
Jahrzehnten, als nahezu 100 Prozent der Erlöse aus Eintrittsgeldern
stammten, stehen die Vereine heute auf einer gesunden Basis. Durch die
Öffnung des Fußballs für kommerzielle Interessen konnten
über das Fernsehen hinaus weitere neue Geldquellen erschlossen werden.
Heute kassiert allein Rekordmeister Bayern München jährlich
in etwa 20 Mio. Euro von seinem Trikotpartner und Hauptsponsor "Deutsche
Telekom". Auch das Merchandising hat sich zu einem Geschäftszweig
entwickelt. Der Umsatz der ersten Bundesliga wird auf annähernd 350
Mio. Euro pro Jahr geschätzt.
Die breite Streuung der Einnahmequellen ist ohne Zweifel ein Fortschritt
gegenüber früheren Zeiten, erhöht sie doch die finanzielle
Unabhängigkeit der Vereine. Auch wenn eine der wichtigen Umsatzsäulen
(kurzfristig) einbrechen sollte, wie jetzt im Zuge der Kirch-Pleite geschehen,
dann bedeutet das nicht zwangsläufig das Aus: Kein aktueller Erst-
oder Zweitligist ist durch den Zusammenbruch der Münchner Medien-Gruppe
Kirch insolvent gegangen - und das, obwohl nach deren Bankrott in der
vergangenen Saison 70 Mio. Euro weniger an TV-Geldern in die Kassen der
36 Bundesligavereine strömten. Ursprünglich hatte Kirch der
Liga für die Übertragungsrechte 360 Mio. Euro garantiert. Am
Ende mussten die Vereine froh sein, mit 290 Mio. Euro aus der Insolvenzmasse
bedient zu werden.
Die
verstärkte Kommerzialisierung des deutschen Fußballs in den
90er-Jahren und die damit verbundene Generierung neuer Einnahmequellen
hat entgegen aller Kritik überwiegend positive Wirkungen gezeigt.
Die erste Bundesliga ist heute wieder international konkurrenzfähig,
nachdem sie seit Mitte der 80er nach und nach den Anschluss verlor. Erfolge
im Europapokal blieben für lange Zeit Mangelware - nicht zuletzt
aufgrund der Abwanderung vieler deutscher Nationalspieler zu den finanzkräftigeren
Klubs Italiens.
Auch wenn die vergangene Europapokalsaison enttäuschend verlief,
ist der Trend zum Positiven unübersehbar. In den letzten sieben Jahren
erreichten deutsche Mannschaften sechsmal zumindest das Champions-League-Halbfinale
- ein Ergebnis, das zuletzt vor 20 Jahren erzielt wurde. Eine ähnlich
gute Bilanz offenbart das Abschneiden deutscher Vertreter im UEFA-Cup:
Bayern München und Schalke 04 triumphierten 1996 bzw. 1997. Darüber
hinaus war die Bundesliga seit 1993 siebenmal zumindest unter den besten
Vier vertreten - zuletzt im vergangenen Jahr durch Borussia Dortmund,
das im Finale Feyenoord Rotterdam unterlag. Das Wiedererstarken deutscher
Vereine auf internationaler Ebene spiegelt sich auch in der UEFA-Fünfjahreswertung
wider. Diese Rangliste berücksichtigt das Abschneiden der am Europapokal
teilnehmenden Nationen aus den vergangenen fünf Jahren. Deutschland
liegt momentan auf Platz vier hinter Spanien, Italien und England. Aufgrund
der guten Leistungen auf internationaler Ebene ist die Bundesliga in den
letzten Jahren der schwächelnden Liga Italiens, der Serie A, immer
näher gerückt und war kurz davor, diese nach mehr als zehn Jahren
in der Rangliste wieder zu überholen. Erst das außergewöhnlich
starke Auftreten der italienischen Vertreter in der letztjährigen
Champions League verhinderte den Positionswechsel.
Dass der deutsche Vereinsfußball international wieder Anschluss
gefunden hat, ist keine zufällige Entwicklung: Die Bundesligaklubs
verwendeten einen außerordentlich hohen Teil ihrer in den 90ern
generierten Einnahmen für Spielergehälter und Transfers. Dadurch
konnten Spieler wieder nach Deutschland gelockt werden, die es in früheren
Jahren ins Ausland gezogen hatte. Den Anfang machte Borussia Dortmund,
die mit Jürgen Kohler, Stefan Reuter und Andreas Möller gestandene
deutsche Nationalspieler zurück in die Bundesliga holte und damit
den Grundstein für die äußerst erfolgreichen Jahre Mitte
der 90er legte, als man nicht nur zweimal deutscher Meister wurde, sondern
auch die Champions League gewann und den Weltpokal holte. Viele Vereine
versuchten es, den Dortmundern gleichzumachen - nicht immer war dieser
Weg von Erfolg gekrönt. 1994 verpflichtete der Karlsruher SC Thomas
Häßler für rund drei Mio. Euro vom AS Rom. Der Versuch,
sich mit seiner Hilfe in der Bundesligaspitze zu etablieren, schlug fehl.
Nach den Plätzen acht, sieben und sechs, folgte 1997/98 der jähe
Absturz in die Zweitklassigkeit, von dem sich der Klub noch immer nicht
erholt hat.
Das offensivere Agieren der Bundesligavereine auf dem Spielermarkt machte
darüber hinaus die Verpflichtung ausländischer Stars möglich.
Dank Spielern wie Bixente Lizarazu, Tomás Rosicky oder Marcelinho
hat der deutsche Profifußball deutlich an Qualität gewinnen
können. Jüngstes Beispiel dieser Entwicklung ist Andres D'Allessandro.
Für neun Mio. Euro wechselte der 22-jährige zu Beginn der laufenden
Saison vom argentinischen Rekordmeister River Plate zum VfL Wolfsburg.
In Argentinien war D'Allessandro herausragender Akteur der zurückliegenden
Meisterschaft, begeisterte die Fans mit Toren und Tricks. "Er hat
Unglaubliches drauf. Wenn er davon nur einiges zeigt, können wir
uns freuen", sagt Wolfsburgs Trainer Jürgen Röber.
Oft
wird behauptet, die Kluft zwischen den Spitzenklubs der Bundesliga und
den anderen Vereinen sei in den vergangenen Jahren größer geworden.
"Finanzielle Unterschiede", sagt Fußball-Autor Dietrich
Schulze-Marmeling, "hatte es zwischen Klubs auch schon zu den seligen'
Zeiten gegeben, als die Zuschauer die Haupteinnahmequelle der Klubs waren.
Ein Großstadtverein verbuchte in der Regel höhere Einnahmen
als ein Kleinstadt- oder Vorortverein. Doch waren die Unterschiede bei
weitem nicht so groß wie heute, wo es ein paar Gewinner gibt, die
immer größer und reicher werden, und viele Verlierer, die sportlich
wie wirtschaftlich immer mehr zurückfallen." Hat die Öffnung
des Fußballs für kommerzielle Zwecke in der Tat dem Wettbewerb
in der Bundesliga geschadet und zu einer Konzentration des sportlichen
und ökonomischen Erfolgs auf wenige Teilnehmer geführt? Bei
genauerer Betrachtung muss diese Frage verneint werden: Die Etats der
Erstligisten haben sich über die Jahre in erheblichem Maße
angeglichen. In der Saison 1983/84 konnte der finanziell am schwächsten
ausgestattete Klub lediglich ein Budgetvolumen in Höhe von zirka
zehn Prozent des Etatstärksten realisieren; in der Saison 2003/04
liegt diese Quote bei 38 Prozent. Bayern München geht mit einem Etat
von 60 Mio. Euro in die aktuelle Spielzeit, der 1.FC Kaiserslautern als
"Schlusslicht" plant mit 23 Mio. Euro. Die finanziellen Ressourcen
sind heute weitaus gleicher verteilt als noch vor 20 Jahren. Durch konsequent
marktorientiertes Handeln haben insbesondere die "kleineren"
Vereine die Chancen der Kommerzialisierung nutzen können. Noch in
den 80ern bestand eine Zweiteilung der Liga: zum einen eine kleine Anzahl
von Vereinen, die die Professionalisierung des Managements vorantrieben,
zum anderen eine große Zahl von Klubs, die in "Feierabendmanier"
von Vereinsfunktionären geführt wurden. Die Bundesliga der damaligen
Zeit war von ausgesprochener Langeweile geprägt, da die Münchner
Bayern lange Zeit die dominierende Mannschaft waren.
In den 90er-Jahren hielt in nahezu allen Klubs betriebswirtschaftlich
orientiertes Management Einzug. Die Professionalisierung der Branche erfuhr
einen entscheidenden Schub und mit ihr auch der sportliche Wettbewerb
in der Liga. Neben den Bayern konnten der 1.FC Kaiserslautern, der VfB
Stuttgart, Werder Bremen und Borussia Dortmund die Meisterschaft für
sich entscheiden; Newcomer wie der VfL Wolfsburg oder der SC Freiburg
schafften den Sprung in den UEFA-Pokal. Auch wenn in den vergangenen fünf
Jahren die Meisterschale vier Mal nach München gegangen ist, das
Meisterschaftsrennen war - bis auf 1998/99 und 2002/03 - durch äußerst
knappe Entscheidungen gekennzeichnet. Wer erinnert sich nicht an das überaus
dramatische Saisonfinale 2000/01, als die Bayern erst in der Nachspielzeit
den FC Schalke 04 abfingen und ihn zum "Meister der Herzen"
degradierten?
Für
die Zuschauer ist es in den Stadien wesentlich angenehmer geworden. Viel
Geld ist in den letzten Jahren in die längst überfällige
Modernisierung der Arenen geflossen. Hochmoderne Fußballtempel sind
entstanden, in denen rundum wettergeschützte Sitzschalenplätze
genauso zum Standard gehören wie VIP-Logen mit erstklassigem Catering
und Digital-Screens. Auch in diesem Bereich hat Borussia Dortmund stilbildend
gewirkt. Ganz nach der Devise, in Steine und Beine zu investieren, hat
man dort nicht nur eine starke Mannschaft aufgebaut. 20 Mio. Euro kostete
die Modernisierung des Westfalen-Stadions, das nun 83.000 Zuschauern Platz
bietet. Auch "kleinere" Vereine konnten diesen Weg gehen: Der
Ostseeklub Hansa Rostock hat für rund 30 Mio. Euro ein Fußball-Stadion
gebaut. In Wolfsburg ist die Volkswagen Arena entstanden - mit 22.000
Sitz- und 8000 Stehplätzen sowie 30 Logen und 1500 Business Seats.
Darüber hinaus laufen - mit Blick auf die Fußball-WM 2006 -
in vielen anderen Städten ehrgeizige Projekte zum Aus- oder Neubau
von Stadien. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren in etwa 1,4
Mrd. Euro investiert werden.
Die
verstärkte Orientierung des deutschen Vereinsfußballs am Kommerz
und die damit verbundenen positiven Wirkungen sind vom zahlenden Publikum
honoriert worden. Besuchten in den 80ern im Durchschnitt 19.455 Zuschauer
eine Bundesliga-Partie, stieg das Zuschauerinteresse in den vergangenen
Jahren um mehr als 40 Prozent. Der deutsche Fußball boomt mehr denn
je: Am 34. Spieltag der vergangenen Saison konnte erstmals in der Bundesliga-Geschichte
die Schallmauer von 400.000 Besuchern durchbrochen werden; die durchschnittliche
Zuschauerzahl lag 2002/03 bei 33.221 - ein Rekord in 40 Jahren Bundesliga.
Die
Kommerzialisierung des Fußballs ist - trotz aller positiven Aspekte
- nicht unproblematisch: Der Zusammenbruch der Kirch-Gruppe und damit
der Einnahmen aus dem TV-Rechte-Geschäft hat einige Vereine in arge
Existenznöte gebracht. Einer internen Studie der Bundesliga-Dachorganisation
DFL zufolge drohte in der vergangenen Saison drei Lizenzvereinen die Zahlungsunfähigkeit.
Der Erstligist 1.FC Kaiserslautern konnte erst in letzter Sekunde gerettet
werden - dank kräftiger Mithilfe des Landes Rheinland-Pfalz, der
Stadt Kaiserslautern und der Gläubigerbanken. Gleichwohl ist es erstaunlich,
wie flexibel die Branche auf die veränderten Umstände reagiert
hat. Die Maßnahmen, die umgesetzt wurden, um die Ausgaben zu kürzen,
haben nachhaltig gewirkt. Gehälter wurden gesenkt, Prämien eingefroren,
Kader verkleinert, leistungsbezogene Verträge abgeschlossen. Das
Krisenmanagement der Ball-Branche hat sich im Zuge des Kirch-Crashs bewährt
und als außerordentlich erfolgreich erwiesen. Kein aktueller Erst-
oder Zweitligst ist pleite - ein Ergebnis, das auch Ausdruck dafür
ist, wie professionell mittlerweile in der Fußball-Bundesliga gewirtschaftet
wird.
Das
Kommerzialisierungspotenzial ist jedoch noch längst nicht ausgeschöpft.
Mit Borussia Dortmund hat sich erst ein deutscher Bundesligist dafür
entschieden, an die Börse zu gehen. Im Herbst 2000 flossen nach Börsengang
150 Mio. Euro in die Kassen des sechsmaligen Deutschen Meisters. Weitere
Vereine sollen folgen, wenn auch aufgrund der momentan schlechten Stimmung
auf den Kapitalmärkten nicht in unmittelbarer Zukunft. Will der deutsche
Vereinsfußball in den nächsten Jahren und darüber hinaus
mit den besten Ligen mithalten und weiterhin attraktiven Fußball
bieten, muss die Kommerzialisierung weiter offensiv betrieben werden.
Wer stattdessen fordert, den Fußball zu "entkommerzialisieren",
outet sich als Ahnungsloser: "Eine Rückkehr des Fußballs
zum Amateursport würde die spielerische Qualität des Fußballs
zerstören, würde ihn exklusiv, rückständig und borniert
machen. Das wäre", sagt Sport-Journalist Duleep Allirajah, "das
Ende des Fußballs."

Stefan Chatrath ist Novo-Sportredakteur. In Novo63 erschien von
ihm "Fußballprofis wie Erwachsene behandeln" über
die ewige Schiedsrichter-Schelte und ihre Ursachen.
LITERATURTIPPS
Schwerpunkt
"Fußball-WM 2002", Novo58/59, EUR 10
"40 Jahre Bundesliga", Kicker-Sonderheft, EUR 6,80.
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