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Inside Der Allerweltskrieg
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Die aktuellen Friedensbemühungen lassen die Hoffnung schwinden, dass der Nahe Osten zur Ruhe kommt. Von Brendan O'Neill.
Wenige
Wochen nach Ende des Irakkrieges hat Israel allerdings nicht einmal ansatzweise
freie Hand bekommen, um seine Stellung im Nahen Osten zu festigen. Stattdessen
hat die Bush-Regierung mit der Wiederbelebung des Friedensprozesses seine
Forderung nach Gründung eines palästinensischen Staates wiederholt.
Israel ist erneut aufgefordert worden, die Besetzung der palästinensischen
Gebiete zu beenden und illegal errichtete jüdische Siedlungen räumen
zu lassen. US-Präsident George W. Bush sprach nach einem israelischen
Attentat auf einen Hamas-Führer sogar seine "bislang ernsteste
Warnung" an Israel aus. Wer
meint, der Krieg gegen den Irak wurde geführt, um Israel zu stärken,
interpretiert aktuelle Ereignisse und Entwicklungen so, als lebten wir
in der Vergangenheit. Übersehen wurde, dass sich die Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Israel in den letzten Jahren fundamental
verändert haben. Das Ende des Kalten Krieges hatte zu einer Lockerung
der traditionell engen Bindungen zwischen beiden Staaten geführt. Heute
zeigt sich ein anderes Bild. Die enge Verbundenheit zwischen den USA und
Israel ist brüchig geworden. Zwei Ereignisse Anfang der 90er-Jahre
brachten die unterschwellig wachsenden Spannungen zwischen Amerika und
Israel zum Vorschein: der Zusammenbruch der Sowjetunion und der erste
Golfkrieg im Jahr 1991. Beide Ereignisse zeigten, dass der arabische Nationalismus
enorm an Kraft und regionalem Einfluss eingebüßt hatte. Dadurch
wurde indirekt die weltpolitische Bedeutung Israels im Nahen Osten untergraben.
Washington zeigte sich fortan immer weniger daran interessiert, den alten
Verbündeten den Rücken zu stärken. Stattdessen gingen die
USA verstärkt dazu über, ihren Einfluss auf den gesamten Nahen
Osten direkter auszuüben und auszudehnen. Durch den neuen amerikanischen Friedensplan von Anfang Mai diesen Jahres hat sich der Druck auf Israel erhöht. Entworfen in Washington und unterstützt vom Mächtequartett aus USA, Russland, der EU und der UNO verlangt dieser Plan von beiden Konfliktparteien tief greifende Veränderungen in "politischen, sicherheitspolitischen und ökonomischen Feldern sowie in der Menschenrechtspolitik". Erneut wurde die Forderung erhoben, die israelische Besetzung der palästinensischen Gebiete zu beenden. Als Ziel wird die Errichtung eines lebensfähigen palästinensischen Staates bis spätestens zum Jahr 2005 formuliert.3 Sicher wäre es falsch zu glauben, dass das Bündnis zwischen den USA und Israel vollends aufgelöst wurde. So waren es trotz der politischen Krise hauptsächlich US-amerikanische Waffen und andere Hilfsmittel, mit denen die israelische Armee seit dem Beginn der zweiten Intifada vor drei Jahren gegen die Palästinenser vorging. Der grundlegende Kurswechsel in der amerikanischen Nahost-Politik ist dennoch unübersehbar: Israel wird zunehmend als ein Unsicherheitsfaktor im Nahen Osten angesehen. Es gilt nicht mehr als der zentrale Verbündete in der Region, sondern ist neben den Palästinensern nur noch einer von zwei Verhandlungspartnern. Beide Parteien sind gleichermaßen aufgefordert worden, "das Ziel der verhandelten Übereinkunft" zu akzeptieren, weil die "Nichteinhaltung die Fortschritte behindern" würde.4 Abgesehen von den geopolitischen Veränderungen im Nahen Osten nach dem Ende des Kalten Krieges gibt es einen weiteren bedeutenden Faktor, der die Art der amerikanischen Federführung im Friedensprozess zwischen Arabern und Israelis bestimmt. Offenbar werden die aktuellen Initiativen nicht von einer kohärenten Zielsetzung der US-Regierung vorgegeben, den Nahen Osten gemäß eigener klar umrissener Interessen neu zu strukturieren. Vielmehr zeigt sich in Washington eine ausgeprägte Defensivität beim Umgang mit dem Nahen Osten, die ständig zwischen diplomatischem Vorpreschen und dem Zurückweichen vor den Konsequenzen des vorgeschlagenen Weges schwanken lässt. Es scheint vor diesem Hintergrund Amerikas schleichendem Gefühl der globalen Isolation und der anhaltenden Kritik wegen des Irakkriegs geschuldet, dass und wie sich Washington derzeit im Nahen Osten engagiert. Zweifellos würden manche "Falken" in der Bush-Regierung am liebsten einen klaren pro-israelischen Kurs einschlagen. Doch zum Zuge kommt dieses Lager momentan nicht. Die Bush-Regierung scheint vielmehr darum bemüht, die seit dem Irakkrieg in den Keller gerutschten globalen Sympathiewerte wieder aufzupolieren und der weltpolitischen und moralischen Isolation zu begegnen. Das führt zu der eher defensiveren Form der Verhandlungsführung im Nahen Osten. Die
Friedensgespräche in Jordanien, bei denen Bush und seine Verbündeten
den aktuellen Friedensprozess für den Nahen Osten ins Leben riefen,
bestätigten den Trend zu einer verstärkten Intervention dieser
Art in den arabisch-israelischen Konflikt. Als Ergebnis ist seitdem auch
eine zunehmende Internationalisierung der Politik im Nahen Osten zu sehen.
Den Israelis und den Palästinensern sind die Zügel in ihrem
schwierigen Aussöhnungsprozess weitgehend aus den Händen genommen
worden. Die
immer wieder aufflammende Gewalt auf beiden Seiten ist symptomatisch dafür,
dass ein Friedensprozess dieser Qualität wenig Aussicht auf Erfolg
hat. Den betroffenen Parteien wurden Statistenrollen zugewiesen. Außerdem
geht es den auswärtigen Initiativen offenbar weniger um eine langfristige
Lösung für den lokalen Konflikt als um eine Anpassung an das
veränderte globale Machtgefüge, bei der die Rolle des Nahen
Ostens neu justiert wird. Hinzu kommen die subjektivistischen Befindlichkeiten
der Weltmacht USA, die ihre internationale Isolation und die anhaltende
Kritik an ihrer Außen- und Militärpolitik zu überwinden
versucht. Seit Beginn des Friedensprozesses Anfang der 90er-Jahre gehen
daher die Friedensgespräche Hand in Hand mit immer neuen Gewaltexzessen. Dieser
Prozess der Konfliktinternationalisierung ging einher mit einer starken
Zunahme überheblicher und moralisierender Rhetorik. Die anti-israelischen
Stimmungen, die dieser Tage in vielen westlichen Ländern zu vernehmen
sind, sind typisch hierfür. Sie sind in aller Regel Ausdruck oberflächlicher
Vorurteile. So wird Israel häufig dafür kritisiert, an der eigenen
Souveränität festzuhalten und sich kompromisslos für nationale
Interessen einzusetzen. Solche Vorstellungen gelten im Zeitalter "humanitaristischer
Interventionen" als überholt. Entsprechend wird von Israel verlangt,
wie es ein europäischer Politiker kürzlich formulierte, "sich
ins 21. Jahrhundert [zu] bewegen". Aus dem Englischen übersetzt von Eva Balzer.
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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