Editorial
Inhalt
KRIEG &
TERRORISMUS
Jennie Bristow:
Vom 11. September zum Irakkrieg
Phil Mullan:
Bomben auf Bagdad - Alarm an der Börse
[Heft S.12]
Brendan O'Neill:
Die erfundene Welt der Öl-Fetischisten
Josie Appleton:
NGOs als Kriegsgewinnler
[Heft S.16]
Klaus Bittermann:
Alte und neue Kriege
[Heft S.19]
Jennie Bristow:
Die verschwundenen Millionen oder Sprachlosigkeit verbindet
[Heft S.20]
WELLNESS &
KÖRPERKULT
Matthias Heitmann und Eva Balzer:
Leben zwischen Yin und Yang
Erland Erdmann:
Fischgalle gegen Gelbsucht?
[Heft S.25]
Tillmann Prüfer:
Tanz der Therapeuten
Peter Marsh:
Schlechte Angewohnheiten, sie leben hoch!
Hans-Joachim Maes:
Einheit mit dem Kosmos - all inclusive
[Heft S.32]
Michael Breu:
Quanten-Kügelchen?
[Heft S.35]
WISSENSCHAFT &
ÖKOLOGIE
Peter Treue:
Party mit dem Tod
Ulrike Gonder:
Lieber fit und fett als schlapp und schlank
Hubert Markl:
Ist der Mensch biotechnisch optimierbar?
[Heft S.44]
Stuart Derbyshire:
Ansteckende Ängste
Helene Guldberg:
Björn Lomborg - Opfer der Öko-Inquisition
[Heft S.53]
Alexander Gourevitch:
Länger leben mit Chemie
Dan Goodman:
Wählerfang mit Walen
Timandra Harkness:
Tiefe Einblicke
[Heft S.61]
Norman E. Borlaug:
Nicht die Wissenschaft, der Hunger ist der Feind
Edgar Gärtner:
Lieber verbrannt als vergiftet?
[Heft S.64]
POLITIK &
GESELLSCHAFT
Jim Butcher:
Ökotourismus - Elend als (Urlaubs-)Ziel
Matthias Heitmann:
Weise aus dem "Morgen-Land"?
[Heft S.70]
Sabine Rothemann:
Das Konzept Ich-AG
[Heft S.76]
MEDIEN &
KULTUR
Vicky Richardson:
Libeskind: Das Trauma als Bauwerk
Stefan Ehrhardt:
Fußball made in USA: Im Abseits oder mittendrin?
[Heft S.78]
Bernd Herrmann:
100 Jahre Tour de France
RUBRIKEN
STICHWORT
Krieg der Impressionen
von Sabine Reul
EINSPRUCH
von Thomas Deichmann:
Schon wieder die UNO?
UPDATES
von Matthias Heitmann
[Heft S.21]
MITTE
Michael Najjar
[Heft S.42]
FROHE BOTSCHAFT
von Dirk Maxeiner und
Michael Miersch
[Heft S.66]
SCHÖNE NEUE WELT
von James Woudhuysen
[Heft S.73]
GRÄTSCHE
von Matthias Heitmann: Vom Becken- zum Ökobauer
[Heft S.81]
INNOVOTION
von Hans-Joachim Maes
[Heft S.82]
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WELLNESS
Das etwas seltsam anmutende Covermotiv deutet darauf hin, dass wir mit
dem derzeit grassierenden Körperkult unsere Probleme haben. Wenn
Sie die Artikel in diesem Novo gelesen haben, werden Sie (hoffentlich)
nachvollziehen können, warum wir skeptisch sind. Dieser so unschuldig
daher kommende Lifestyle-Trend hat sogar einiges gemein mit den Angstdiskussionen,
die uns heute auf Trab halten. Wie zum Beispiel SARS: Zum Zeitpunkt, als
dieses Editorial geschrieben wird, verschlimmert sich die Lage in China
weiter. In anderen Regionen hat die Krankheit ihren Höhepunkt überschritten.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Einvernehmen mit nationalen
Gesundheitsbehörden schnell und effektiv reagiert. Die Maßnahmen
gegen die Ausbreitung des Virus sind beispielhaft für unser hoch
entwickeltes Gesundheitssystem. Binnen weniger Wochen war das Genom des
Virus offengelegt. Nun arbeiten Wissenschaftler aus aller Welt daran,
ein Gegenmittel bereit zu stellen. Aufgrund der genetischen Wandelbarkeit
des Virus ist ungewiss, ob das in absehbarer Zeit gelingen wird. Dennoch
sind die bisherigen Bemühungen zur Eindämmung der Krankheit
ein großer Erfolg, der auf das Konto der Naturwissenschaften geht.
Doch solchen Optimismus hört man im Zusammenhang mit SARS eher selten.
Mitunter wird die Krankheit zu einer globalen Gefahr hoch stilisiert,
die mit AIDS vergleichbar sei. Das ist angesichts des aktuellen Wissensstands
eine irre Übertreibung. Aber offenbar können viele auf Ereignisse
wie den Ausbruch von SARS nur noch ängstlich oder gar panisch reagieren.
Da bislang niemand so recht weiß, woher der Virus stammt, fühlen
sich zudem die Kulturpessimisten bemüßigt, wieder einmal ihren
neunmalklugen Senf zur misslichen Lage der Welt abzugeben. Die Todesrate
bei den Infizierten liegt zwar nur bei wenigen Prozent - aber könnte
sie nicht aus noch unbekannten Gründen nach oben schnellen? Vielleicht
ist SARS nur eine schwere grippeähnliche Erkrankung, die man in den
Griff bekommen wird - aber vielleicht entwickelt sie sich auch zu einer
Pandemie wie 1918, als 40 Millionen Menschen ums Leben kamen? Wer kann
das schon mit Gewissheit sagen?
So und ähnlich argumentieren die auf den ersten Blick so umsichtig
erscheinenden Bedenkenträger, die in aller Regel den Wissenschaften
skeptisch gegenüber stehen. Hinzu gesellen sich im aktuellen Fall
die politischen Besserwissereien von China-Experten, die die Gunst der
Stunde nutzen, um der neuen politischen Führung in Peking, die anfangs
auf Vertuschung, dann auf Zurückhaltung aber nie auf Panikmache setzte,
eins überzubraten.
Die Politik hierzulande sitzt irgendwo zwischen den Stühlen und regt
sich kaum. Man ist zwar offiziell darum bemüht, die Bevölkerung
zu beruhigen. Aber das geschieht eher still und leise. Am ehesten liegt
das wohl daran, dass man sich nicht traut, zu dieser noch teils ungelösten
Problematik dezidiert Stellung zu beziehen, die bisherigen Erfolge plausibel
darzulegen und die erhitzten Warner zur Räson zu rufen. Doch das
kennen wir ja schon länger - zum Beispiel, wenn es um die Anwendungen
der Gentechnik in der Landwirtschaft geht. Es ist heute anscheinend viel
populärer, Ängste zu bedienen als sie zu entkräften und
Zukunftsoptimismus auszustrahlen. Politiker scheuen immer häufiger
davor zurück, für sachliche Argumente zu kämpfen. Damit
wollen sie offenbar vermeiden, für eventuelle Fehler gerade stehen
zu müssen, wenn sie bei dem einen oder anderen Thema die politische
Führung und damit die Verantwortung übernehmen. Das scheint
heute nicht mehr zum politischen Geschäft zu gehören. Lieber
duckt man sich bei Anlässen wie SARS weg, schweigt und lässt
die Diskussion und Aufregung in der Gesellschaft unkommentiert passieren.
Oder man lädt, wie zum Beispiel bei der Grünen Gentechnik, zu
öffentlichen "Diskursen" ein, bei denen dann alle möglichen
Gruppen ihre Weltsicht und damit verbundene Sorgen gleichberechtigt nebeneinander
breittreten dürfen. Diese "dialogische Offenheit" (ein
zentrales Merkmal der aktuellen "Verbraucherschutzpolitik")
klingt toll. Sie bedeutet aber nichts anderes als die Ablehnung der demokratisch
legitimierten Verantwortung der Regierung, politische Entscheidungen zu
treffen und sie umzusetzen. Stattdessen werden die Probleme der Welt auf
die Bevölkerung abgewälzt, indem uns bspw. suggeriert wird,
Gentech-Kennzeichnungen auf Lebensmittelverpackungen seien die Lösung.
Dadurch wird die Verunsicherung der Menschen nur weiter gesteigert.
Dieser Politikstil ist zum Normalzustand geworden. Als Folge stagnieren
viele Diskussionen, die sich um wichtige Fragen des gesellschaftlichen
Wandels drehen. Und so dümpeln wir von einer Angstsituation in die
andere, ohne zu unterscheiden, ob es tatsächlich Gefahrenpotenziale
gibt. Mal werden wir von der vermeintlichen Gefahr vor Milzbrand, dann
wieder von den modernen Biowissenschaften, der Klimakatastrophe und SARS
(oder wie demnächst im Rahmen der Tagung der Internationalen Walfangkommission
in Berlin zu erwarten, von den Schrecken des Artensterbens) in Atem gehalten.
Spätestens seit den Terroranschlägen des 11. September 2001
müssen wir wohl jederzeit mit der Apokalypse rechnen. Wir wissen
nur nicht genau, hinter welcher Ecke sie lauert. Wir empfehlen (statt
eines Wellness-Wochenendes): Atmen Sie einmal tief durch, vergessen Sie
das ganze Trara und empfehlen Sie Novo weiter.
Ich
wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Thomas Deichmann
Chefredakteur

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BITTE NOTIEREN |
>
Michael Najjar lebt als freier Fotograf und Künstler
überwiegend in Berlin. Er gestaltet seit einiger Zeit
die Novo-Cover - auch das aktuelle stammt wieder von ihm.
Najjars Website findet sich unter www.michaelnajjar.com.
> Das britische Institute of Ideas veranstaltet
in London in Kooperation mit dem Goodenough College vom 20.-22.
Juni 2003 die Konferenz "Ideas, Intellectuals and
the Public". Mit von der Partie ist Novo-Redakteurin
Sabine Reul, die im Eröffnungsplenum mit UCLA-Professor
Russel Jacoby, Oxford-Politikwissenschaftler Alan Hudson und
der Autorin Prof. Jeremy Jennings über den "Niedergang
der Intellektuellen im öffentlichen Leben" diskutieren
wird. Das Times Higher Education Supplement ist Mediensponsor
der Konferenz. Nähere Infos zum Festival gibt es unter
www.instituteofIdeas.com
oder telefonisch unter 0044 / 20 / 7269-9229 (-9230).
> Vom 8.-13. Oktober findet die Frankfurter Buchmesse statt
(in Frankfurt !). Novo hat wieder mit dem Klaus Bittermann
Verlag (edition Tiamat) einen Stand gebucht. Die Halle mit
Sachbuchverlagen, in der unser Stand platziert sein wird,
wurde in den letzten Jahren immer mehr von Esoterik-, Gesundheits-,
Ernährungs-, Wellness-, Erziehungs- und anderen Ratgebern
überflutet. Wenn Ihnen das alles zu viel wird, schauen
Sie bei uns vorbei. Sofern die Messeleitung keine neuen Verbote
ausspricht, können Sie bei uns in aller Ruhe eine Zigarette
rauchen, starken Kaffee trinken oder sich ein Glas Wein genehmigen.
Die Standnummer erfahren Sie im nächsten Heft, nähere
Infos zur Buchmesse gibt's unter www.buchmesse.de.
Die Teilnahme an der Buchmesse ist für uns eine große
finanzielle Belastung. Wir würden uns freuen, wenn Sie
uns bei der Durchführung unterstützen könnten
- rufen Sie an!
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NEXT NOVO |
>
Das nächste Magazin (Novo66) erscheint im September.
Bis dahin werden sicher neue Gesundheits- und sonstige Paniken
über uns hinweggeschwappt sein und allerlei weitere Zeitgeisterscheinungen
unser Gemüter in Wallung halten. Mit dem vorliegenden
Doppelheft werden Sie hoffentlich unbeschadet über die
Runden kommen. Behalten Sie die Ruhe, lassen Sie sich den
Sommer nicht verderben und freuen Sie sich auf das nächste
Heft.
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Der Ordnung
halber verweisen wir auf den folgenden Disclaimer.
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