Editorial
Inhalt
POLITIK &
GESELLSCHAFT
Phil Mullan:
Angst frisst Habgier
Kenan Malik:
Menschen sind potenziell gleich, Kulturen nicht
Kai Rogusch:
Die Selbstaufgabe des Liberalismus
[Heft S.14]
Michael Miersch:
"Eine Ratte ist ein Schwein ist ein Hund ist ein Junge."
[Heft S.17]
WISSENSCHAFT &
ÖKOLOGIE
Colin Berry:
Risiko, Wissenschaft und Gesellschaft
[Heft S.20]
Michael Fitzpatrick:
Keine Bio-Revolution in Sicht
Interview mit Clive James:
"Der schlimmste Umweltverschmutzer ist
Armut"
Walter Krämer:
Ökochonder vergiften Lebensmittel
[Heft S.32]
Pia Rufener Al Mazyad und Klaus Ammann:
China versus Greenpeace
Dirk Maxeiner und Michael Miersch:
Die Zukunft und ihre Feinde
Auszug aus ihrem neuen Buch
[Heft S.38]
Reimar von Alvensleben:
BSE, Nitrofen und der Ökolandbau
[Heft S.42]
MEDIEN &
KULTUR
Bernd Herrmann:
Hilfe, Mord! Achtung, Buch!
Stefan Chatrath:
Brasilien ist Europameister!
[Heft S.48]
RUBRIKEN
STICHWORT
Bundestagswahlen
von Sabine Reul
FROHE BOTSCHAFT
von Dirk Maxeiner und
Michael Miersch
[Heft S.7]
SCHWERHÖRIBERT
Z wie Zeit zu gehen
von Matthias Heitmann
[Heft S.50]
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China versus Greenpeace (2)
In China wird seit einigen Jahren gentechnisch verbesserte Bt-Baumwolle
angepflanzt. Greenpeace behauptet neuerdings, das hätte negative
Auswirkungen auf die Umwelt. Pia Rufener
Al Mazyad und Klaus Ammann über die Kampagne der vermeintlichen
Naturschützer gegen die moderne Biotechnologie.
Der Greenpeace-Bericht:
Ein Machwerk unseriöser Gentech-Gegner
Ein
Kommentar
Der
in aller Welt herumgereichte Greenpeace-Bericht fußt auf einer Umfrage
von Prof. Dayuan Xue vom Nanjing Institute of Environmental Sciences.
Der Bericht grenzt an eine Fälschung großen Stils. Im vorigen
Artikel in diesem Novo haben wir nur einige Beispiele der Datenmanipulation
vorgestellt. Auch das Zustandekommen dieses Machwerks spricht Bände
für seine niedere Qualität.
Nach Aussage seiner Gesprächspartner konzentrierte sich Prof. Xue
bei seinen Befragungen ausschließlich auf Negativ-Resultate der
Forschung. Was ihm von den Kollegen bereitwillig zugetragen wurde, beurteilte
er anschließend laienhaft und parteiisch. Xue fungierte nicht als
neutraler Gutachter. Er interessierte sich weder für die positiven
Aspekte der Forschung noch für eine ausgewogene Wiedergabe der wissenschaftlichen
Arbeit. Die Möglichkeiten dazu waren gegeben: Xue befragte erfahrene
Biosicherheitsexerten, die Feldexperimente und den Anbau transgener Baumwolle
in China über Jahre hinweg beobachtet hatten. Sie stellten ihm ihre
Forschungsarbeiten zur Verfügung.
Doch offenbar hatten Xue und Greenpeace anderes im Sinn. Bei der Lancierung
ihrer Kampagne gegen den Bt-Baumwollanbau in China kam ihnen zugute, dass
einige Forschungsberichte nur in Chinesisch vorlagen und somit nur zum
Teil einer breiten Leserschaft zugänglich waren. Drei der befragten
Wissenschaftler (S. Jia, Y. Peng und K. Wu) reagierten mit Erstaunen und
Entsetzen auf den Greenpeace-Bericht und fühlten sich im Nachhinein
betrogen.
Renommierte Pflanzen- und Insektenspezialisten der Sicherheitsforschung
aus der ganzen Welt kritisierten einstimmig die Präsentation der
Forschungsdaten im Greenpeace-Bericht. Es dreht sich dabei um von Prof.
Xue zusammengeklaubte Auszüge aus verschiedenen Forschungsberichten
und sonstigen Veröffentlichungen chinesischer Wissenschaftler. Man
findet im Bericht eine Reihe Grafiken mit unvollständigen Erklärungen
der Versuchsanordnung. Zudem fehlen Statistiken, ohne die eine wissenschaftliche
Interpretation von Daten unmöglich ist. Tendenziell positive ökologische
Wirkungen der Bt-Baumwollpflanzen, die sich aus einigen der Grafiken herauslesen
lassen, bleiben im Bericht unerwähnt. Und bedeutende Publikationen
jüngeren Datums, die in Englisch erschienen sind und die ein ausgewogenes
Bild des Bt-Baumwollanbaus in China zeichnen, sind in den Greenpeace-Bericht
ebenso wenig eingegangen. Nach wissenschaftlichen Maßstäben
ist es unverantwortlich, aus dem von Xue präsentierten Material die
Schlussfolgerungen seines "executive summary" abzuleiten.
Es ist äußerst bedenklich, mit welchen Methoden Greenpeace
der Weltöffentlichkeit und China seine Meinung aufzuoktroyieren versucht.
Aus wissenschaftlicher Sicht laienhaft, aus propagandistischer zweifelsohne
wirkungsvoll, aber in jedem Fall mit einem unerträglichen Maß
an Menschenverachtung und Überheblichkeit mischt sich die Umweltorganisation
in die politischen Geschicke und die biologische Sicherheitsforschung
des Landes ein. China ist nach den USA der größte Investor
in die Grüne Gentechnik und betreibt sehr umfangreiche Begleit- und
Sicherheitsforschung. Die Kampagne von Greenpeace ist hinsichtlich Qualität
und Seriosität von der Arbeit chinesischer Forscher unerreichbar
weit entfernt.
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zu Teil 1:
Das "chinesische Baumwollwunder":
Fakten und Fiktionen
Autoreninfo
Prof. Klaus Ammann ist Direktor des Botanischen Gartens der Universität
Bern (Schweiz) und Projektleiter von Bio-Scope. Er ist im Organisationskomitee
des "7th International Symposium on the Biosafety of Genetically
Modified Organisms", das vom 10.-15. Oktober in Peking (China) abgehalten
wird, und Mitveranstalter der Konferenz "From Global Inequity towards
a Humane World", die vom 23.-25. Oktober in der Akademie Engelberg
(Schweiz) stattfindet. Kontakt: klaus.ammann@ips.unibe.ch.
Dr.
Pia Rufener Al Mazyad ist Mitarbeiterin am Botanischer Garten der
Universität Bern (Schweiz) und des Bio-Scope-Teams. Kontakt: pia.rufener@ips.unibe.ch.
Danksagung
Für die wertvollen Informationen zur Sicherheitsforschung in China
und die interessanten Gespräche danken wir Frau Dr. Lillian Auberson-Huang,
InterNutrition, Zürich.
LITERATURTIPPS
D. Xue
(2002): "A summary of research on the environmental impact of Bt
cotton in China", Published by Greenpeace, 4.7.2002. Der vollständiger
Bericht wie auch diverse Stellungnahmen von Forschern sind unter dem
Schlagwort "Greenpeace" über die Funktion "verfeinerte
Suche" in der Datenbank von Bio-Scope (www.bio-scope.org)
zu finden.
J. Huang et al. (2002): "Plant Biotechnology in China", Science,
Vol 295, 25.1.2002, S.674-677.
Pray et al. (2001): "Impact of Bt-Cotton in China". World
Development, 29 (5). Dieses Dokument gibt eine Übersicht zum Bt-Baumwollanbau
in China und ist in der Datenbank von Bio-Scope (www.bio-scope.org)
zu finden.
J. Carpenter et al. (2002): "Comparative Environmental Impacts
of Biotechnology-derived and Traditional Soybean, Corn, and Cotton Crops",
Council for Agricultural Science and Technology (CAST), 24.6.2002. Der
Bericht beschreibt die Umwelteinflüsse durch transgene und konventionelle
Baumwoll-, Soja- und Maispflanzen und ist in der Datenbank von Bio-Scope
(www.bio-scope.org)
zu finden.
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