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60  Sept./Okt. 2002 WISSENSCHAFT UND ÖKOLOGIE

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NOVO 60

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China versus
Greenpeace


von Pia Rufener Al Mazyad und
Klaus Ammann


 
 
 
 
 
 
 
 

Drei der befragten Wissenschaftler (S. Jia, Y. Peng und K. Wu) reagierten mit Erstaunen und Entsetzen auf den Greenpeace-Bericht und fühlten sich im Nachhinein betrogen.

 


 
 
 
 
 
 
 

Die Kampagne von Greenpeace erreicht nicht annähernd Qualität und Seriosität der Arbeit chinesischer Forscher.

 

 

Heft 60: Übersicht
 




China versus Greenpeace (2)

 

In China wird seit einigen Jahren gentechnisch verbesserte Bt-Baumwolle angepflanzt. Greenpeace behauptet neuerdings, das hätte negative Auswirkungen auf die Umwelt. Pia Rufener Al Mazyad und Klaus Ammann über die Kampagne der vermeintlichen Naturschützer gegen die moderne Biotechnologie.



Der Greenpeace-Bericht:
Ein Machwerk unseriöser Gentech-Gegner

Ein Kommentar

Der in aller Welt herumgereichte Greenpeace-Bericht fußt auf einer Umfrage von Prof. Dayuan Xue vom Nanjing Institute of Environmental Sciences. Der Bericht grenzt an eine Fälschung großen Stils. Im vorigen Artikel in diesem Novo haben wir nur einige Beispiele der Datenmanipulation vorgestellt. Auch das Zustandekommen dieses Machwerks spricht Bände für seine niedere Qualität.
Nach Aussage seiner Gesprächspartner konzentrierte sich Prof. Xue bei seinen Befragungen ausschließlich auf Negativ-Resultate der Forschung. Was ihm von den Kollegen bereitwillig zugetragen wurde, beurteilte er anschließend laienhaft und parteiisch. Xue fungierte nicht als neutraler Gutachter. Er interessierte sich weder für die positiven Aspekte der Forschung noch für eine ausgewogene Wiedergabe der wissenschaftlichen Arbeit. Die Möglichkeiten dazu waren gegeben: Xue befragte erfahrene Biosicherheitsexerten, die Feldexperimente und den Anbau transgener Baumwolle in China über Jahre hinweg beobachtet hatten. Sie stellten ihm ihre Forschungsarbeiten zur Verfügung.
Doch offenbar hatten Xue und Greenpeace anderes im Sinn. Bei der Lancierung ihrer Kampagne gegen den Bt-Baumwollanbau in China kam ihnen zugute, dass einige Forschungsberichte nur in Chinesisch vorlagen und somit nur zum Teil einer breiten Leserschaft zugänglich waren. Drei der befragten Wissenschaftler (S. Jia, Y. Peng und K. Wu) reagierten mit Erstaunen und Entsetzen auf den Greenpeace-Bericht und fühlten sich im Nachhinein betrogen.
Renommierte Pflanzen- und Insektenspezialisten der Sicherheitsforschung aus der ganzen Welt kritisierten einstimmig die Präsentation der Forschungsdaten im Greenpeace-Bericht. Es dreht sich dabei um von Prof. Xue zusammengeklaubte Auszüge aus verschiedenen Forschungsberichten und sonstigen Veröffentlichungen chinesischer Wissenschaftler. Man findet im Bericht eine Reihe Grafiken mit unvollständigen Erklärungen der Versuchsanordnung. Zudem fehlen Statistiken, ohne die eine wissenschaftliche Interpretation von Daten unmöglich ist. Tendenziell positive ökologische Wirkungen der Bt-Baumwollpflanzen, die sich aus einigen der Grafiken herauslesen lassen, bleiben im Bericht unerwähnt. Und bedeutende Publikationen jüngeren Datums, die in Englisch erschienen sind und die ein ausgewogenes Bild des Bt-Baumwollanbaus in China zeichnen, sind in den Greenpeace-Bericht ebenso wenig eingegangen. Nach wissenschaftlichen Maßstäben ist es unverantwortlich, aus dem von Xue präsentierten Material die Schlussfolgerungen seines "executive summary" abzuleiten.
Es ist äußerst bedenklich, mit welchen Methoden Greenpeace der Weltöffentlichkeit und China seine Meinung aufzuoktroyieren versucht. Aus wissenschaftlicher Sicht laienhaft, aus propagandistischer zweifelsohne wirkungsvoll, aber in jedem Fall mit einem unerträglichen Maß an Menschenverachtung und Überheblichkeit mischt sich die Umweltorganisation in die politischen Geschicke und die biologische Sicherheitsforschung des Landes ein. China ist nach den USA der größte Investor in die Grüne Gentechnik und betreibt sehr umfangreiche Begleit- und Sicherheitsforschung. Die Kampagne von Greenpeace ist hinsichtlich Qualität und Seriosität von der Arbeit chinesischer Forscher unerreichbar weit entfernt.

Zurück zu Teil 1:
Das "chinesische Baumwollwunder":
Fakten und Fiktionen

 

 

 


 

Autoreninfo
Prof. Klaus Ammann
ist Direktor des Botanischen Gartens der Universität Bern (Schweiz) und Projektleiter von Bio-Scope. Er ist im Organisationskomitee des "7th International Symposium on the Biosafety of Genetically Modified Organisms", das vom 10.-15. Oktober in Peking (China) abgehalten wird, und Mitveranstalter der Konferenz "From Global Inequity towards a Humane World", die vom 23.-25. Oktober in der Akademie Engelberg (Schweiz) stattfindet. Kontakt: klaus.ammann@ips.unibe.ch.

Dr. Pia Rufener Al Mazyad ist Mitarbeiterin am Botanischer Garten der Universität Bern (Schweiz) und des Bio-Scope-Teams. Kontakt: pia.rufener@ips.unibe.ch.

 

Danksagung
Für die wertvollen Informationen zur Sicherheitsforschung in China und die interessanten Gespräche danken wir Frau Dr. Lillian Auberson-Huang, InterNutrition, Zürich.


 



 

LITERATURTIPPS

D. Xue (2002): "A summary of research on the environmental impact of Bt cotton in China", Published by Greenpeace, 4.7.2002. Der vollständiger Bericht wie auch diverse Stellungnahmen von Forschern sind unter dem Schlagwort "Greenpeace" über die Funktion "verfeinerte Suche" in der Datenbank von Bio-Scope (www.bio-scope.org) zu finden.
J. Huang et al. (2002): "Plant Biotechnology in China", Science, Vol 295, 25.1.2002, S.674-677.
Pray et al. (2001): "Impact of Bt-Cotton in China". World Development, 29 (5). Dieses Dokument gibt eine Übersicht zum Bt-Baumwollanbau in China und ist in der Datenbank von Bio-Scope (www.bio-scope.org) zu finden.
J. Carpenter et al. (2002): "Comparative Environmental Impacts of Biotechnology-derived and Traditional Soybean, Corn, and Cotton Crops", Council for Agricultural Science and Technology (CAST), 24.6.2002. Der Bericht beschreibt die Umwelteinflüsse durch transgene und konventionelle Baumwoll-, Soja- und Maispflanzen und ist in der Datenbank von Bio-Scope (www.bio-scope.org) zu finden.


 


 

WEBTIPPS

Bio-Scope - Knowledgepool zur Grünen Biotechnologie:
http://www.bio-scope.org

"7th International Symposium on the Biosafety of Genetically Modified Organisms":
http://www.worldbiosafety.net

"From Global Inequity towards a Humane World":
http://www.academia-engelberg.ch

Botanischer Garten Bern:
http://www.botanischergarten.ch

InterNutrition:
http://www.internutrition.ch

 


 



   
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