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Heft 58/59 Mai-August 2002 ZUR SACHE
 

 
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NOVO 58/59

Cover NOVO 58/59

Editorial

von Thomas Deichmann


 

 

Heft 58/59: Übersicht
 




Verfallsdatum




Verbraucherschutzpolitik liegt im Trend. Je weniger die Bürger zu den Wahlurnen gehen und je mehr das Interesse an den Vorgängen in der parlamentarischen Arena verkümmert, desto mehr zeigen Politiker sich bemüht, den Bürger als Verbraucher durch Wahlmöglichkeiten anderer Art an sich zu binden. Er wird "empowert", indem man ihm in den Supermärkten vermeintlich sinnvolle neue Alternativen bietet. Noch besser klappt diese Art Wählerbindung, wenn man Leute aufschreckt und ihnen dann Schutz vor der wirklichen oder angeblichen Gefahr in Aussicht stellt. Bei diesem Spiel mit der Angst lässt sich politische Handlungsfähigkeit demonstrieren. Und die Gentechnik bietet hier offenbar ein reiches Reservoir an Themen.

In Deutschland ist diese Politikform am weitesten gediehen. Vergangenes Jahr wurde hierzulande ein neues Verbraucherschutzministerium (BMVEL) gegründet. Ministerin Renate Künast (B'90/Grüne) kümmert sich seitdem um die traditionellen Ressorts Landwirtschaft und Ernährung. Ihre Politik wird meist unkritisch abgenickt und oft gepriesen. Welch hohen Preis die Gesellschaft dafür zahlt, erfahren Sie in diesem Novo.

Glücklicherweise gibt es erste Anzeichen dafür, dass das Verfallsdatum der Verbraucherschutzpolitik Renate Künasts bald abgelaufen sein könnte. Neue Umfragen aus dem Hause Allensbach deuten darauf hin, dass Haltungen wie "Der Verbraucher will keine Gentechnik" längst überholt sind. Eine auszugsweise in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 2.12.01 veröffentlichte Allensbach-Studie titelte jedenfalls kurz und knapp "Gentechnik ist gut". Die Meldung bot einen kleinen Einblick in den Stimmungswandel der Bevölkerung, die offenbar nackten Tatsachen und Fakten weit mehr Glauben schenkt als Frau Künast recht sein mag. Auftraggeber der Studie war das Bundespresseamt in Berlin, von dem auf Anfrage lediglich eine Kurzfassung bereitgestellt wurde. Die Bundesregierung kümmert sich offenbar darum, dass die wohl eher unerwünschten Untersuchungsergebnisse nicht an die breite Öffentlichkeit gelangen. Wie sonst sollte Künast sich weiter diffuser Ängste gegen die modernen Biowissenschaften bedienen und sich gleichzeitig als Verbraucherschützerin profilieren?

Anlässlich der Fußball-WM präsentieren wir Ihnen in diesem Heft einen Schwerpunkt der besonderen Art. Wer sich schon lange fragt, warum selbst der deutsche Fußball nicht ganz das ist, was er einmal war, erfährt hier einiges.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre

   
 
 

Thomas Deichmann
Chefredakteur

 


 


 

BITTE NOTIEREN

> Michael Najjar lebt als freier Fotograf und Künstler überwiegend in Berlin. Er lieferte das Fotomaterial für unser aktuelles Doppel-Cover - passend zu den beiden Schwerpunktthemen Verbraucherschutz und Fußball-WM. In der Mitte des Heftes stellt er eines seiner neuen Projekte vor. Najjars Website findet sich unter www.michaelnajjar.com.

> Das britische "Institute of Ideas" veranstaltet am 30. Mai 2002 in London die Debatte "A Posthuman Future?". Hauptredner sind Francis Fukuyama, Autor von Our posthuman future, und Gregory Stock, Autor von Redesigning Humans. Informationen zur Veranstaltung gibt's unter www.instituteofideas.com (Tel. +44-207-2699230).

> Vom 9.-14. Oktober 2002 findet die Frankfurter Buchmesse statt. Novo ist wieder mit einem Stand vertreten. Informationen gibt's unter www.buchmesse.de.

> Im November 2002 hat Novo wieder ein Jubiläum. Im Januar 2001 feierten wir mit Lesern und Autoren die 50ste Ausgabe unseres Magazins. Im kommenden November hat Novo seinen 10ten Geburtstag. In welchem Rahmen wir feiern, ist noch unklar - Vorschläge sind herzlich willkommen.




 


 

NEXT NOVO

> Das nächste Magazin (Novo60, 9-10 2002) ist als Einzelheft geplant und wird im September erscheinen. Ein Schwerpunktthema war bei Redaktionsschluß noch nicht festgelegt. Klar ist nur, dass die Biowissenschaften wieder gebührend behandelt werden. Und zu den Bundestagswahlen gibt es sicher auch gescheite Artikel.

 

 

 

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