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Nie vor ihrer Markteinführung kontrolliert: Kartoffeln, Sellerie, Wirsing, Rhabarber, Kohlrabi, etc. Warum herkömmliche Lebensmittel weit mehr Gefahren bergen als neue gentechnisch veränderte Produkte. Von Channapatna S. Prakash.
Für
Pflanzenzüchter ist die Gentechnik ein weiteres Mittel zur Verbesserung
von Getreide. Mit der Entwicklung der Gentechnik wurden für die Pflanzenzucht
strenge Regularien erlassen und Tests vorgeschrieben. Die Zulassung gentechnisch
veränderter Pflanzen erfolgt nur noch nach Einzelfallprüfung.
Aus Sicht der Wissenschaft gibt es heute keine neuen oder erhöhten
Risiken, die nicht erkannt oder reduziert werden können; nicht vorherzusehende
Effekte sind vernachlässigbar bzw. einfach zu vermeiden. Eine
wichtige Prämisse der Debatte ist vielen noch unklar: Es geht nicht
darum, dass die genetische Ausstattung von Nahrungspflanzen verändert
wird - dies tun wir seit Tausenden von Jahren. Der Streit dreht sich um
das Wie. Und genau das ist das Problem. Statt über die Art und Weise,
wie die genetischen Veränderungen herbeigeführt werden, zu urteilen,
sollten wir die Wirkungen betrachten. Die meisten Nutzpflanzen wurden durch den Menschen weit verbreitet und wachsen heute an ganz anderen Orten als ihre wilden Vorfahren. So sind beispielsweise die USA der größte Produzent von Mais und Sojabohnen - ursprünglich stammen diese aber aus Mexiko bzw. China. Kaffee hat seinen Ursprung in Äthiopien, wird heute aber größtenteils in Lateinamerika und Asien angebaut. Ernährungspflanzen, die heute wichtiger Bestandteil der Kultur sind, wie etwa Kartoffeln in Europa, Chilli in Indien, Cassava in Afrika oder Süßkartoffeln in Japan, kommen alle aus Südamerika. Tatsächlich kommen, abgesehen von Blaubeeren, Artischocken, Sonnenblumen und Kürbissen, alle Pflanzen, die in den USA angebaut werden, ursprünglich aus anderen Ecken der Welt. Die entscheidende Herausforderung für die Pflanzenzüchtung im letzten Jahrhundert war die schnell wachsende Weltbevölkerung. Gemeinsam mit den Fortschritten im Bereich der Bewässerung, der Düngung, der Mechanisierung und des Pflanzenschutzes ist es gelungen, im Zuge der "Grünen Revolution" die landwirtschaftliche Produktion schneller zu steigern als das rasante Wachstum der Weltbevölkerung. In der Züchtung wurden dabei eine Vielzahl von Methoden eingesetzt: Die künstliche Kreuzung oder das "Hybridisieren" ermöglichte es, verschiedene Vorteile verschiedener Sorten in einer zu vereinen. Konnte man die gewünschten Eigenschaften in Nutzpflanzen nicht finden, wurden Gene aus verwandten Wildpflanzen übertragen. Gab es Probleme bei der Kreuzung von Nutz- und Wildpflanzen, halfen verschiedene Tricks weiter, etwa der Einsatz von erbgutverändernden Substanzen, Methoden der Zellkulturtechnik oder radioaktive Bestrahlung. Die meisten Menschen, die der Biotechnologie ablehnend gegenüberstehen, haben keine Ahnung davon, mit welchen Methoden man in der Vergangenheit gearbeitet hat, als nach ihrer Vorstellung alles noch ganz natürlich war. Auch ist ihnen nicht klar, dass Nutzpflanzen beständig und radikal verändert wurden. Sie wurden dadurch besser kultivierbar und an klimatische Verhältnisse angepasst; sie wurden aber auch gesünder, indem Giftstoffe reduziert wurden, bekömmlicher, nährstoffreicher, wohlschmeckender und haltbarer. Aus der murmelkleinen wilden Lycopersicon wurde unsere heutige kiloschwere Tomate. So ist es der modernen Landwirtschaft gelungen, eine sichere, bezahlbare und ausreichende Nahrungsversorgung für Milliarden von Menschen zu ermöglichen. Die durchschnittliche amerikanische Familie gibt heute lediglich 11 Prozent ihres Einkommens für Essen aus und erhält dafür bessere Qualität und mehr Vielfalt als je zuvor. Ohne den Einsatz wissenschaftlicher Techniken müssten wir jeden Quadratzentimeter fruchtbaren Landes beackern, um uns ernähren zu können. Der Einsatz der Gentechnik ist die sinnvolle Fortsetzung der bisher angewandten Methoden. Im Vergleich zur Hybridisierung oder dem Einsatz erbgutverändernder Strahlung ist das direkte Einfügen eines einzelnen Gens ein sehr viel feinerer Eingriff mit spezifischen und vorhersagbaren Auswirkungen. Der Prozess ist auch weit schneller als die langwierigen klassischen Methoden, die typischerweise zehn bis fünfzehn Jahre beanspruchten. Der größte Vorteil ist jedoch die Möglichkeit, aus einem weit größeren Genpool auszuwählen, um ganz neue Eigenschaften zu erhalten. Wie kann man den Sorgen der Menschen begegnen? Viele Einwände, die gegen "Genfood" vorgebracht werden, müssten eigentlich auch hinsichtlich bisheriger Produkte geäußert werden. Wenn jemand bemängelt, er wisse nicht, was er esse, kann man nur entgegnen, dass er das bisher erst recht nicht gewusst hat. Bei genetisch veränderten Pflanzen wissen wir immerhin, welches Gen neu eingefügt wurde und können daher Tests durchführen, um zu vermutende, aber auch viele nicht vorhersehbare Effekte zu überprüfen. Man bedenke einmal, wie ein klassischer Pflanzenzüchter eine krankheitsresistente Tomate entwickeln würde. Er würden Teile ganzer Chromosomen aus einer verwandten Wildpflanze auf die Tomate übertragen, um ein entsprechendes Gen mit einzufügen. Dabei würden jedoch auch noch Hunderte von weiteren Genen übertragen, von denen manche vielleicht den Bauplan für Allergene oder Gifte enthalten, die Wildpflanzen häufig entwickeln, um sich Fraßschädlinge vom Leib zu halten. Obwohl sie also aus einer Technik mit unzähligen Unbekannten hervorgingen, wurden fast alle klassisch gezüchteten Pflanzen nie auf ihre Sicherheit als Lebensmittel und ihre Umweltverträglichkeit getestet. Wir haben das Risiko einfach immer so hingenommen. Auch
hinsichtlich möglicher Langzeitfolgen für die menschliche Gesundheit,
die heute in Hinblick auf genetisch veränderte Nahrungsmittel ein
großes Thema sind, hat man die Erzeugnisse klassischer Züchtungsverfahren
bisher nicht untersucht, obwohl durch sie neue Eiweißstoffe und
chemische Substanzen zu Tausenden in unsere Nahrung gelangten. Das Gleiche
gilt für exotische Früchte, die ohne Angst, sondern mit Vergnügen
in unseren Speiseplan aufgenommen wurden. Vielleicht die meisten Bedenken werden wegen der möglichen Auslösung von Allergien durch "Genfood" geäußert. Die meisten allergenen Substanzen sind jedoch inzwischen gut untersucht, und wir wissen, dass sie fast ausschließlich aus einigen wenigen Quellen stammen (vor allem aus Erdnüssen, Kuhmilch, Eiern, Weizen, Reis, Sojabohnen, Fisch, Krustentiere) und alle bestimmte Strukturmerkmale aufweisen. Zudem müssen sie in großen Mengen mit der Nahrung aufgenommen werden, damit sich überhaupt eine Allergie herausbilden kann. Daher ist es höchst unwahrscheinlich, dass durch gentechnisch veränderte Lebensmittel neue Allergien auftauchen werden. Es gab immer ein Risiko So etwas wie ein sicheres Lebensmittel gibt es nicht - und hat es nie gegeben. Das soll nicht heißen, dass unser ganzes Essen gefährlich ist. Es ist sicher - obwohl sich in allem, was wir essen, Giftstoffe und krebserzeugende Substanzen nachweisen lassen. Schon Paracelsus sagte vor über 400 Jahren: "Jede Substanz ist ein Gift. Es kommt nur auf die Dosis an." Er hatte recht: Tausende von Substanzen, die wir essen, haben sich in Laborstudien als gefährlich erwiesen, wenn in großen Mengen verabreicht. Ohne dass wir uns deswegen sorgen müssten, nehmen wir täglich rund 5000 bis 10.000 natürliche Gifte auf, die von Pflanzen entwickelt wurden, um sich gegen Krankheitserreger, Schädlinge und Fressfeinden zu schützen. Kaffee enthält über 1000 chemische Substanzen, von denen bisher 27 getestet wurden, wobei sich 19 als krebserregend erwiesen haben. Kartoffeln enthalten die Nervengifte Solanin (tödliche Dosis: 400 mg) und Chaconin, die im Blut eines jeden Kartoffelessers nachgewiesen werden können. Es
ist klar, dass, wenn man durch klassische Züchtung eine Resistenz
gegen Schädlinge erreicht, meist dadurch auch derartige Gifte in
die Nahrungspflanze gelangen. Die
in Afrika verbreitet gegessene Knollenpflanze Cassava (Maniok) enthält
große Mengen cyanogener Glucoside, die zu Lähmungen führen,
wenn sie nicht vor Verzehr aufwändig verarbeitet werden. Solanin
bzw. Tomatidin, das in Tomaten und Kartoffeln enthalten ist, kann die
Erbkrankheit spina bifida ("Offener Rücken") verursachen.
Eine in Indien verbreitete Erbsensorte (vetch pea) enthält hochgefährliche
Nervengifte, die große Schäden anrichten. Das Hämagglutinin
in ungekochten Kidney-Bohnen ist ebenfalls giftig. Oxalsäure aus
Spinat, Sellerie, roten Rüben und Rhabarber kann zur Bildung von
Nierensteinen führen. Senfölglucosinolate aus Wirsing, Kohlrabi,
Rettich, Senf, Meerrettich, Raps, Gartenkresse und Rüben tragen zur
Kropfbildung bei. Eine
ausgewogene Ernährung gibt uns alles, was wir brauchen. Doch nichts
von dem, was wir heute essen, wurde von unseren Vorfahren ausgewählt,
weil es besonders gesund ist, sondern weil es irgendwie verfügbar
war. So enthält zum Beispiel die wichtigste Nahrungspflanze in den
Entwicklungsländern, der Reis, kein Provitamin A und wenig Eisen.
Die Folgen sind Erblindung von Millionen von Kindern und Eisenmangelanämien
bei fast einer Milliarde Frauen. Gefahren für die Umwelt? Wir alle müssen essen, und die Erzeugung der Nahrungsmittel ist gewiss die größte ökologische Herausforderung, die wir angenommen haben. Der Landwirtschaft mussten über die Jahrhunderte Millionen Quadratkilometer Wald weichen. Fremde Arten wurden eingeführt und haben die jeweils lokale Tier- und Pflanzenwelt durcheinandergebracht. Manche Aspekte der modernen Landwirtschaft hatten einen negativen Einfluss auf die Biodiversität und auf die Luft-, Boden- und Wasserqualität. Doch trotz allem: Es ist gelungen, die meisten der sechs Milliarden Menschen dieser Welt mit guten und erschwinglichen Lebensmitteln zu versorgen. Mögliche
Gefahren von gentechnisch veränderten Pflanzen müssen wir im
Kontext der konventionellen Methoden in der Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung
sehen. Auch bisher haben wir Gene zur Schaffung von Schädlings- und
Krankheitsresistenzen eingekreuzt. Auch Stress- und Herbizidtoleranz wurden
schon auf herkömmliche Art und Weise eingeführt, und die Wachstumseigenschaften
der Pflanzen wurden durchweg verändert. Das
Risiko eines Gentransfers erhöht sich, wenn gentechnisch verbesserte
Nutzpflanzen in einer Region angebaut werden, in der sie wilde Verwandte
haben, die als Unkräuter mit ihnen konkurrieren, wenn die Pflanzen
zur Auskreuzung neigen, wie zum Beispiel Canola, oder wenn das neue Gen
einen Vorteil für das Überleben und Ausbreiten des Unkrauts
bietet. Der letzte Fall ist der wichtigste, kommt jedoch sehr selten vor,
da die in der Pflanzenzüchtung genutzten Gene für Wildpflanzen
meist eher einen Nachteil bedeuten. Besorgnis wird auch hinsichtlich des Verlusts an Artenreichtum zum Ausdruck gebracht. Die starke Verbreitung von Hochleistungssorten hat schon zu einer deutlichen Verringerung der Biodiversität der angebauten Nutzpflanzen geführt. Die Biotechnologie trägt allerdings heute zu einer gegenläufigen Bewegung bei, indem sie bestimmte Gene älterer, nicht mehr gebräuchlicher Sorten wieder aufgreift und in neue Sorten integriert. Neben der Restaurierung alter Sorten hilft sie auch bei der Konservierung, etwa durch neue Methoden der Kryokonservierung, und trägt so dazu bei, dass die genetischen Ressourcen für die Nachwelt erhalten bleiben. Wegen der Einführung einzelner Gene - beispielsweise der Bt-Gene in viele Nutzpflanzen - wird heute manchmal von der ökologischen Gefahr einer "genetischen Verseuchung" gesprochen. Solche Bedenken sind einerseits zur Kenntnis zu nehmen, andererseits müssen sie natürlich in Relation zu anderen Veränderungen und deren Auswirkungen gesetzt werden. So handelt es sich bei dem heute auf 30 Millionen Hektar in den USA angebauten Getreide um vollkommen fremde Arten, die es vor tausend Jahren in Nordamerika nicht gegeben hat. Die Einführung einer Getreideart in eine neue Umgebung bedeutet aber, dass auf einen Schlag Tausende neue Gene ebenfalls eingeführt werden. Dieser großflächige Anbau hat einen massiven Einfluss auf die einheimische Natur. Im Gegensatz dazu fallen ein oder zwei neue Gene überhaupt nicht ins Gewicht. Hinzu kommt der Einsatz von Agrochemikalien, die weit größere Auswirkungen auf die Lebensmöglichkeiten von beispielsweise Schmetterlingen haben als etwa Bt-Mais. Diesem Mais wurde eine Gefährdung des Monarchfalters nachgesagt, die sich bei genauerer Überprüfung schnell als nicht existent erwies. Im Hinblick auf nützliche oder unschädliche Insekten stellen gentechnisch veränderte Pflanzen einen klaren Fortschritt dar, denn die Abwehr der neuen Pflanzen richtet sich viel spezifischer gegen ihre Fraßschädlinge als die alten Giftspritzen. Mit modernen biotechnologischen Methoden kann man leicht neu eingeführte Gene nachweisen, doch eine Einschätzung des Risikos macht wiederum nur im Vergleich zu den herkömmlich gezüchteten Pflanzen Sinn, wo kaum Untersuchungen auf genetischer Ebene durchgeführt wurden. Die Problematik des zufälligen Einbaus an einer nicht bekannten Stelle im Genom, der Instabilität von Genen, der Veränderung in der Interaktion von Genen und ähnliches wird im Hinblick auf gentechnisch veränderte Pflanzen diskutiert, nicht aber in Hinblick auf konventionelle, bei denen derartige Prozesse ebenso ablaufen dürften. Tatsächlich haben wir also wenig Grund zur Sorge. Dennoch muss die wissenschaftliche Risikoanalyse, -vorhersage und -prävention sowie eine systematische Beobachtung des Anbaus natürlich fortgesetzt werden, um eine Beeinträchtigung der Umwelt auszuschließen bzw. zu minimieren. Die meisten Probleme, die auftreten, können durch weitere Verfeinerung der Methoden gelöst werden. Beispielsweise kann durch bestimmte Promotoren erreicht werden, dass in Pollen keine für Nutzinsekten giftigen Stoffe enthalten sind, oder es können Pflanzen mit sterilem Pollen gezüchtet werden, so dass die Gefahr eines Gentransfers auf andere Pflanzen reduziert wird. Auch
sollten die positiven Wirkungen der gentechnisch veränderten Pflanzen
nicht außer Acht gelassen werden. Hierzu zählen der geringere
Flächenverbrauch, der es ermöglicht, mehr wilde Ökosysteme
zu bewahren, die Verbesserung von Boden-, Luft- und Wasserqualität,
der verminderte Einsatz von Chemikalien und Benzin, die Erhöhung
der agrarischen Biodiversität durch Restauration von Arten, die Schonung
von Nutzinsekten sowie die Sanierung kontaminierter Böden mit den
Methoden der Phytoremediation. Aus dem Englischen übersetzt von Thilo Spahl.
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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