Editorial
Inhalt
KRIEG &
TERRORISMUS
Sabine Reul und
Thomas Deichmann:
Die Ursachen des Terrors liegen im Westen
Slavoj Zizek im Gespräch
mit Sabine Reul und
Thomas Deichmann:
Der Krieg und das fehlende ontologische Zentrum
der Politik
Thilo Spahl und Thomas Deichmann:
Die Biotechnologie im Bann des Terrorismus
[Heft S.16]
ERNÄHRUNG
Eva Balzer und Matthias Heitmann:
Wenn Glaube und Politik Schokolade versalzen
[Heft S.18]
Frank Füredi:
Verbraucherschutz als Instrument der Macht
Dirk Maxeiner und Michael Miersch:
Elitäres Essen als Anleitung zum Massenmord
[Heft S.24]
Beda Stadlers:
Gene im Suppentopf
[Heft S.27]
Josef Reichholf:
Fleischfressend der Zivilisation entgegen
[Heft S.28]
Udo Pollmer:
Die Fett-Saga
[Heft S.30]
Thilo Spahl:
Fäkalien-gedüngtes Biogemüse von Ratten bevorzugt
[Heft S.32]
Alex und Dennis Avery:
Hokuspokus um bildschaffendes Biogemüse
[Heft S.35]
Ulrike Gonder:
Functional Food: Die nutzlose Reise durch den Darm
[Heft S.36]
Jocelyne Reich-Soufflet im Gespräch mit Eva Balzer:
Diätmarathons machen nicht schlank
[Heft S.38]
Thilo Spahl:
Essen, was den Genen schmeckt
[Heft S.39]
Thilo Spahl und Thomas Deichmann:
Noch nie hatte die Weltbevölkerung mehr zu essen als heute
[Heft S.40]
Dr. Channapatna S. Prakash:
Gentechnisch veränderte Lebensmittel -
ein Segen für Mensch und Natur
[Heft S.44]
WISSENSCHAFT &
ÖKOLOGIE
Kenan Malik:
Der Mensch ist kein Tier
[Heft S.48]
Ulrike Schwemmer:
Der Fall Bayer: Durch eine Hexenjagd in die Knie gezwungen
[Heft S.50]
Ulrike Schwemmer:
Eine Allianz fürs Leben: Nabelschnurblut
[Heft S.52]
Carl Djerassi im Gespräch
mit Thomas Deichmann:
"Wir brauchen Verhütungsmittel-
Supermärkte"
[Heft S.55]
Carl Djerassis:
Pille, Sex und Fun
[Heft S.58]
Hans-Joachim Maes:
Sieben Millionen US-Dollar Einsparung pro überlebendem Säugling
[Heft S.62]
Dirk Maxeiner:
Kauft nicht beim Amerikaner
[Heft S.64]
Herbert Uhlen:
Bauen und hausen wie die Erdmännchen
[Heft S.68]
WELTGESCHEHEN
Kirk Leech:
Wenn der Westen "hilft" und nichts als Leiden bringt
[Heft S.71]
POLITIK UND
GESELLSCHAFT
Stefan Chatrath:
Kinder per Mausklick auf den Fußballplatz locken
[Heft S.76]
Sabine Rothemann:
Die neue Alltagsreligion: die Welt des Coachings
[Heft S.78]
Bernd Herrmann:
Böse Marke, Menetekel
[Heft S.80]
RUBRIKEN
ZEITGEISTER
[Heft S.6]
BÜCHER
[Heft S.7]
STOP VIOLENCE
von Michael Najjar
[Heft S.42]
FROHE BOTSCHAFT
von Dirk Maxeiner und
Michael Miersch
[Heft S.54]
KÄSBLATT
Deutsche Leidkultur im Schatten des Terrors
von Sinasi Dikmen
[Heft S.77]
SCHWERHÖRIBERT
W wie Witzemachen für
den Weltfrieden
von Matthias Heitmann
[Heft S.82]
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Dysfunktion...
...beschreibt in der Medizin eine gestörte Funktion des Organismus.
Wir haben den Begriff dysfunktionale Eliten erstmals vor einigen
Monaten benutzt - angesichts der BSE- und der MKS-Paniken und den Massenverbrennungen
von Vieh schien uns das nur zu passend. Auch der politische Budenzauber
gegen hinreichend geprüfte und sichere Nahrungspflanzen und Lebensmittel
aus Gentechlabors bekräftigten uns in der Vermutung, dass ein vernünftiger
politischer Entscheidungsprozess zu allen möglichen Fragen unseres
Lebens im wahrsten Sinne des Wortes gestört ist. Mehr zu diesem Themenbereich
gibt es in unserem aktuellen Schwerpunktthema "Ernährung".
Wo
man auch hinschaut: Allem Anschein nach haben Politiker den Glauben an
sich und das Fortkommen der Menschheit verloren. Von Selbstzweifel geplagt,
suchen sie ihr Glück in symbolischen Aktionen. Dazu zählen die
Scheiterhaufen fürs Schlachtvieh und seit dem 7. Oktober der Luftkrieg
gegen Afghanistan. Das Inferno des 11. September hat die Dysfunktionalität
und die Selbstzweifel der Eliten bestärkt, das Resultat ist ein seltsamer
Mix aus Kriegsaktionismus, Apologetik und Defensivität. Ihr Agieren
vor und nach dem Schreckenstag brachte ihre tief sitzende Verunsicherung
und Orientierungslosigkeit zum Vorschein.
Das ging so weit, dass mit den Zwillingstürmen in New York vorübergehend
auch Präsident Bush von der Bildfläche verschwand. Die Vereinigten
Staaten waren für einen Tag führungslos. Unzählige Menschen
warteten vergeblich nach moralischem Halt und Zuspruch ihrer Politiker.
Die Feuerwehrmänner von Manhattan wurden zu den Helden des 11. September,
während sich der Präsident versteckt hielt.
Bush tauchte wieder auf und kündigte wenig später einen militärischen
Gegenschlag an, bei dem keine 2-Millionen-Dollar-Raketen auf 10-Dollar-Zelte
mit Kamelen darin gefeuert würden. Das "Kameleschiessen"
begann dann doch am 7. Oktober, und die versprochene Offenlegung der Beweise
für die Schuld Osama bin Ladens blieb er ebenfalls schuldig. Auf
die Frage, gegen wen genau und vor allem mit welchem Ziel der Krieg begonnen
wurde, sollte der Hinweis auf einen "monumentalen Kampf zwischen
Gut und Böse" genügen.
Wie
nie zuvor bei Fragen des Krieges brachen Unstimmigkeiten im US-Establishment
hervor. Man stritt im Pentagon darüber, ob die Militäroperation
überhaupt als Krieg bezeichnet werden dürfe. Es dauerte nach
dem 7. Oktober keine zwei Wochen, bis die ersten Politiker Nerven zeigten.
So wurden Sorgen darüber geäußert, dass man gegen die
"Taliban-Propaganda" an Boden verlieren könne. Die Ausstrahlung
von Videoaufzeichnungen mit Osama bin Laden, die ihn eher als irren Demagogen
denn als überzeugenden Redenschwinger entblößten, wurde
kritisiert. Auch vor dem Charisma des einschläfernden Taliban-Sprechers
in Pakistan wurde gewarnt. Obwohl die Kommunikationdefizite des "Gegners"
augenfällig waren, glaubte man allen Ernstes, diese beiden Personen
könnten den US-Sprechern mitsamt ihres gigantischen PR-Apparats den
Rang ablaufen. Die USA haben zwar alle Militärmacht mit Afghanistan
anzustellen, was immer man sich vorstellt. Doch es fehlt offenbar allerorts
an der nötigen Überzeugung, dass der eingeschlagene der richtige
Weg ist.
An
dieser neuen Zögerlichkeit in der westlichen Politik zeigt sich das
gescheiterte Projekt, nach dem Ende des Kalten Krieges eine neue Weltordnung
unter Führung der USA auch politisch auf stabile Fundamente zu stellen
und das eigene weltpolitische Handeln neu und glaubhaft zu legitimieren.
Die moralisierende und unglaubhafte Menschenrechtsrhetorik konnte das
alte Blockdenken nicht ersetzen. Sie führte vielmehr zur Relativierung
aller Leitbilder und Werte, die der US-Führung einmal Stärke
und Zuversicht gaben. Heute dominieren relativistische Selbstzweifel das
politische Geschäft und befördern einen gefährlichen Aktionismus.
Die aktuelle Militäroperation zielt wohl am ehesten darauf ab, dieser
Misere spontaneistisch zu begegnen. Den US-Bürgern soll Entschlossenheit
und eine neue Scheinmission der in Wirklichkeit ratlosen und desolaten
Eliten vorexerziert werden. Der US-Luftkrieg ist weniger ein Kampf gegen
den Terrorismus denn ein halbherziger Kreuzzug zur Selbstfindung der verloren
gegangenen Designation.
Fest
steht: Um die Entwicklungen seit dem 11. September klären zu können,
bedarf es Fragestellungen, die den gegenwärtigen Diskurshorizont
in Politik und Medien sprengen. Anregungen dazu finden Sie in der Rubrik
"Krieg und Terrorismus".
Ich
wünsche Ihnen trotz allem und schon jetzt erholsame Feiertage, einen
guten Rutsch ins neue Jahr und eine anregende Lektüre
Thomas Deichmann
Chefredakteur

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BITTE NOTIEREN |
> Michael Najjar lebt als freier Fotograf und Künstler
überwiegend in Berlin. Er gestaltete die letzten fünf
Cover für Novo - in der vorliegenden Ausgabe zusätzlich
die Doppelseite 42/43. Wie unsere Titelseiten im nächsten
Jahr aussehen werden, ist ungewiss. Vorschläge und Bewerbungen
sind willkommen. Wir bedanken uns herzlich bei Najjar für
die glänzend getane Arbeit. Najjars Website findet sich
unter www.michaelnajjar.com.
> Peter Handke erhält vom Literaturhaus Frankfurt
für sein Werk den erstmals verliehenen "Blauer
Salon Preis". Nach den großen Romanen der 90er-Jahre
Mein Jahr in der Niemandsbucht und In einer dunklen Nacht
ging ich aus meinem stillen Haus wird im Januar 2002 Handkes
neuer etwa 760-seitiger Roman Der Bildverlust oder Durch
die Sierra de Gredos erscheinen - sein opus magnum.
Eine vom Suhrkamp-Verlag veröffentliche Leseprobe verspricht
eine fesselnde Lektüre.
> Jo van Nelsen bereichert seit 1989 die deutsche
Chansonszene, jetzt hat er sein erstes Buch herausgegeben
und zieht mit einem gleich lautenden Programm durch die Lande:
Wir richten scharf und herzlich! Chansons aus 100 Jahren
Kabarett. Das Buch (dtv, München, 208 S., DM 18,50) und
das Bühnenprogramm können wir für die kalten
Wintermonate wärmstens empfehlen. Informationen zum Tourneeplan
gibt's von UrsArt unter www.ursart.de
(Tel. 040 / 423000-0).
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NEXT NOVO |
> Das nächste Magazin (Novo57, 3-4 2002) soll im
März nächsten Jahres erscheinen. Ein Schwerpunktthema
wurde noch nicht festgelegt. Einig sind wir uns darin, dass
für Wissenschaftsthemen weiterhin gebührender Platz
im Magazin reserviert bleiben wird. Lassen Sie sich überraschen)
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