Editorial
Inhalt
WISSENSCHAFT
UND ÖKOLOGIE
Tillmann Prüfer:
Warten auf die Nanokalypse
[Heft S.10]
Kenan Malik:
Klone, die der Welt neu entgegen treten
[Heft S.14]
Thilo Spahl und Thomas Deichmann:
Genfood: Gefährdung für Allergiker ausgeschlossen
[Heft S.16]
Dr. Stuart Derbyshire:
"Es ist unsere Aufgabe, offensiv gegen Aids vorzugehen"
[Heft S.20]
Ulrike Schwemmer:
Neue Impfstoffe braucht die Welt
[Heft S.24]
Hans-Joachim Maes:
Alle Passivraucher müssen sterben - irgendwann
[Heft S.28]
Jennie Bristow:
Rauchen ist Geschmackssache - sonst nichts!
[Heft S.30]
WELTGESCHEHEN
Sonja Vogel:
Mazedonien: Vom Vorzeigestaat zum Truppenübungsplatz
[Heft S.32]
RECHT UND
DEMOKRATIE
Kai Rogusch:
Folgt dem Opferschutz die gläserne Familie?
[Heft S.36]
POLITIK UND
GESELLSCHAFT
Phil Mullan:
New Economy: Kapitalismus der Feiglinge
[Heft S.38]
Mick Hume:
Die Tories haben verloren. Aber wer hat gewonnen?
[Heft S.40]
MEDIEN UND
KULTUR
Hartmut Schönherr:
Von England lernen...
[Heft S.42]
Yvonne Caldenberg:
Gibt es virtuelle Scheren?
[Heft S.44]
Markus Meier:
Urlaubsliteratur für Männer
[Heft S.47]
Michael Najjar:
www.michaelnajjar.com
[Heft S.48]
RUBRIKEN
ZEITGEISTER & UPDATES
[Heft S.6]
STICHWORT
Bundestagswahl
von Sabine Reul
[Heft S.9]
FROHE BOTSCHAFT
von Dirk Maxeiner / Michael Miersch
[Heft S.18]
EINSPRUCH
Aids: Epidemie der Angst
von Michael Fitzpatrick
[Heft S.19]
NEUE MITTE
von Tillmann Prüfer
[Heft S.26]
BÜCHER
All about Music
von Kerstin Kubanek
[Heft S.31]
SCHWERHÖRIBERT
V wie Verkehr(t)l
von Matthias Heitmann
[Heft S.50]
|
Viel Wind um Minimotoren
Im Januar 2000 rief der damalige US-Präsident Bill Clinton eine Nationale
Nanotechnologie-Initiative ins Leben und erklärte die Forschung auf
diesem Gebiet zur obersten Priorität. In Europa wird derweil immer
noch über harmloses transgenes Gemüse gestritten, die Diskussionen
um die Gentechnik hinken dem internationalen Forschungsstand meilenweit
hinterher. Die vielfältigen Initiativen im Rahmen des "Jahr
der Lebenswissenschaften" haben zum Teil Abhilfe geschaffen. Der
Informationsbedarf zur vernünftigen Meinungs- und Urteilsbildung
ist allerdings nach wie vor gewaltig - auch hinsichtlich der Nanotechnologie.
Korrekterweise müsste man eigentlich von der Nanobiotechnologie reden,
denn die Bausteine der Minikonstruktionen können auch biologischer
Herkunft sein. Molekulare Motoren und Kleinstmaschinen (ein Nanometer
ist ein Millionstel Millimeter!) aus Bakterien, Makrophagen oder Fibroplasten
sollen in absehbarer Zeit im Inneren unserer Zellen agieren und z.B. Gene
ein- und ausbauen. Im Bereich der Forschung an Gentherapien werden zu
diesem Zweck bereits virale Genfähren genutzt, die Erbmaterial in
fremde Organismen transportieren können. Der Grundgedanke der Nanotechnologie
ist es also, aus kleinsten Teilen dem Menschen nutzbringende Maschinen
zu basteln. Dabei können biologische und anorganische Bestandteile
kombiniert werden, das Ergebnis sind Nanomotoren und Nanoroboter (kurz
"Nanobots" und "Naniten" genannt).
Der potenzielle Nutzen dieser Forschungen liegt auf der Hand. Dass die
Menschheit davon erheblich profitieren kann, lässt sich auch mit
konspirativen Mahnungen, die Forschung verbreite lediglich im Auftrag
der Industrie so genannte "Heilsversprechen", nicht unter den
Teppich kehren. Nanobots könnten z.B. in absehbarer Zeit durch unsere
Blutgefäße patrouillieren und Beschädigungen reparieren.
Sie könnten Medikamente exakt platzieren, Krebszellen töten
oder Bakterien bekämpfen. Man könnte sie auch in bestimmte Organe
schicken, um dort Operationen vorzunehmen. Erste Bauteile gibt es schon,
zum Beispiel einen kleinen Motor mit Metallpropeller, der sich mit acht
Umdrehungen pro Sekunde bewegt und im Inneren einer Zelle "leben"
kann. Vielleicht werden "Nanobiotika" sogar irgendwann einmal
herkömmliche Antibiotika ersetzen.
Nanotechnologien sind längst elementarer Teil der Lebenswissenschaften,
eine sachliche Diskussion darüber wäre also ratsam. Da wir aber
trotz "Klimaerwärmung", "Bevölkerungsexplosion"
und dergleichen "Katastrophen" immer noch leben und der Weltuntergang
auf sich warten lässt, werden jetzt auch Nano-Forschungen verstärkt
als Modell für neue (und diesmal noch ernstere!) Apokalypsen herangezogen
- wie vieles im Bereich der modernen Biowissenschaften. Unser Coverfoto
thematisiert diese Stimmungslage, unser Autor Tillmann Prüfer nähert
sich dem Thema freilich aus anderer Perspektive.
Kenan Malik greift in seinem Artikel ein weiteres heikles Thema des gegenwärtigen
"Wissenschaftsdiskurses" auf: das Klonen von Menschen, das jüngst
von Severino Antinori, Panayiotis Michael Zavos und Brigitte Boisselier
angekündigt wurde. Malik hält allerdings wenig von den Argumenten
der Klonierungsgegner, weil ein Verbot des Klonens einem Verbot medizinischen
Fortschritts gleichkomme, der die Möglichkeit birgt, hunderttausende
Leben zu retten. Unmoralisch oder unethisch wäre es daher, solche
Möglichkeiten zu sabotieren.
Eine
anregende Lektüre dieser und anderer Novo-Artikel wünscht
Thomas Deichmann
Chefredakteur
|
BITTE NOTIEREN |
> Im von Thilo Spahl und Thomas Deichmann verfassten Populären
Lexikon der Gentechnik werden auch die Themen
Nanotechnologie und Klonen ausführlich behandelt.
> Wir haben unsere Website erweitert: Unter der Rubrik
"LifeScience"
finden Sie u.a. Web- und Literaturtipps sowie eine Zeittafel,
die wir in regelmäßigen Abständen aktualisieren.
> Die 53. Frankfurter Buchmesse findet vom 10.-15.
Oktober 2001 statt. Wir sind wieder mit von der Partie und
teilen uns einen Stand mit dem Klaus Bittermann Verlag (Edition
Tiamat) aus Berlin. Für gute Stimmung und reichlich Erfrischung
ist gesorgt. Sie finden uns in Halle 3.1, A 175. Weitere Infos
zur Buchmesse: www.buchmesse.de
(Achtung: Neue Hallenbelegung!).
> Das Titelbild stammt von Michael Najjar. Er lebt als
freier Fotograf und Künstler überwiegend in Berlin.
Najjars Website findet sich unter www.michaelnajjar.com.
|
|

|
NEXT NOVO |
> Das nächste Magazin (Novo55/56, 11/2001-2/2002)
erscheint als Doppelheft Mitte November mit reichlich Lektüre
für die frischen Winterwochen. Wir werden Ihnen als Schwerpunkt
das Thema "Ernährung" kredenzen und u.a. von
einem Experten darlegen lassen, warum Fleischfresser die Menschheit
voran gebracht haben. (Keine Sorge: Wir haben nicht Hannibal
Lecter beauftragt; auch Vegetarier kommen auf Ihre Kosten.)
|
|
|