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Inside Der Hamster
im Laufrad
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Eberhard Diepgen, der Toplangweiler mit der Berliner Gartenlaubenmentalität, und die Zukunft Berlins. Von Klaus Bittermann.
Dieses drollige Bekenntnis steht im Internet unter www.Diepgen.de/persoenlich/profil.htm. Und dieses Profil passt denn auch auf Diepgen. Auf der Website des Berliner Bürgermeisters findet man außerdem unter topSecret die Hinweise, dass er zu aktuellen Fragen immer eine hohe Detailkenntnis [hat] und über ein hervorragendes Gedächtnis verfügt, was in der Tat so top secret ist, dass nicht mal seine engsten Freunde es wussten. Sein Fitnessgeheimnis: Er kann ganz leicht abschalten, was er denn auch ständig und ausgiebig tut. Seine Lieblingssendung ist Akte X. Unter Stärken und Schwächen erfährt man: Diepgen ist nicht nur Politiker. Er ist vor allen Dingen auch Familienmensch. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Frau Monika und den beiden Kindern. Und man fragt sich, worin bestehen nun eigentlich die Stärken? Der Schwafelgehalt seiner Reden ist selbst für einen Politiker ungewöhnlich hoch. Diepgen sagt: Ich freue mich besonders, dass wir im Gemeinsamen Ausschuss immer mehr dazu kommen, über die praktische Umsetzung von bereits gefassten Beschlüssen zu reden. Also, es geht um praktische Arbeit vor dem Hintergrund von Beschlüssen. Kein
Wunder, dass man bei öffentlichen Anlässen versucht, Diepgen
nur dann ans Mikrophon zu lassen, wenn es das Protokoll verlangt. Diepgen,
so diagnostizierte Alexander Osang, verpackt seine Aussagen in Sätze,
die mit Substantiven voll gestopft sind, er betont falsch und macht unmotiviert
lange Pausen zwischen den Wörtern. Manchmal auch mitten im Wort.
Diepgen sagt Chan.....cen. Zwischen den Worthälften kann
man sich ein Bier holen. Er schindet Zeit wie ein Conférencier,
der noch auf die Band wartet. Zusammen mit seinem säuselnden Bass
führt es dazu, dass ihm niemand länger als zehn Minuten folgen
kann. Das
zeigt, dass man diesen Mann trotz seiner Lächerlichkeit nicht unterschätzen
darf. Seit 14 Jahren ist er Regierender Bürgermeister, seit 17 Jahren
Landesvorsitzender, und nachdem er von seiner Partei vor einigen Monaten
zum neunten Mal in seinem Amt bestätigt wurde, sieht es so aus, als
würde Diepgen auch weiterhin Berlins Zukunft gestalten
(Parteitagsmotto). Immer wieder wurde Diepgens Fall prophezeit, zuletzt
im Herbst 98, als die Berliner CDU bei den Bundestagswahlen hinter
Brandenburg am schlechtesten abschnitt. Die Tage des Eberhard Diepgen
sind gezählt, orakelte damals der Spiegel, aber nur eineinhalb
Jahre später erhält Diepgen auf dem Landesparteitag SED-verdächtige
knappe 90 Prozent der Stimmen. Diepgen hat Berlin nie verlassen. In Berlin wurde er geboren, in Berlin hat er studiert Jura. 1962 trat er der CDU bei. Er war RCDS-Mitglied und 1963 einmal ein schnell scheiternder AStA-Vorsitzender. 1972 wird Diepgen als Rechtsanwalt zugelassen. Während seines Studiums lernt er die entscheidenden Leute kennen, die er als Häuptling Brauner Bär braucht, um seine lokale Macht auf dem langen Marsch durch die Parteimühle aufzubauen. Als kleiner Provinzboss hat Diepgen ein mafiöses Netz geknüpft, in dem Freunde mit Ämtern und Pfründen bedacht und Feinde ins politische Abseits geschoben werden. Natürlich wird dadurch auch der Politik-Stil geprägt. Entscheidungen werden verschleppt und ausgesessen. Die ideale Form des Weiterwurstelns, befand der Tagesspiegel: Vorn Landowsky als Personalunion von Volkstribun und Minenhund, hinten Kittelmann und Freunde als Kulissenschieber und Pöstchenverwalter. Dennoch
wäre Diepgen auch mit Unterstützung seiner Kumpels niemals ans
Ziel seiner Träume angekommen, hätte sich 1981 die SPD-Regierung
unter Dieter Stolpe mit dem Garski-Skandal nicht selbst den Todesstoß
versetzt. Und selbst dann gelangte Diepgen erst an die Macht, als Hans-Jochen
Vogel und Richard von Weizsäcker Berlin wieder verlassen hatten und
einfach keiner mehr übrig war, dessen Niveau Diepgen noch hätte
unterlaufen können. Kaum war Diepgen aus Mangel an Alternativen Regierender
Bürgermeister, bewies er in der Antes-Affäre auch
schon, dass die CDU im Fach Korruption durchaus mit der SPD
Schritt halten konnte. Als
Berlin jedoch, wie Diepgen sich das gewünscht hatte, Hauptstadt wurde,
veränderten sich die politischen Koordinaten. Die Zeiten, als sich
Diepgen im Glanze der Queen oder des amerikanischen Präsidenten sonnen
durfte, waren vorbei. Schröder machte die Honneurs und scheuchte
den blassen Diepgen weg, wie noch im letzten Mai, als Schröder mit
Clinton konferierte. So musste Diepgen versuchen, sich selber wieder ins
Rampenlicht zu mobben. Zur Wiedervereinigungsfeier am 9. November letzten
Jahres trieb er seinen Stab in den Tagen vor dem Festakt fast in
den Wahnsinn. Am Wichtigsten, erzählte laut Spiegel ein Betroffener,
war die Frage, ob und wie es der Regierende Bürgermeister schafft,
gemeinsam mit dem Bundeskanzler anzukommen und auf das Podium zu steigen. Und
tatsächlich scheinen die Fragen der Etikette Diepgen wesentlich wichtiger
als die auf fünf Jahre verteilte halbe Milliarde, mit der sich jedoch
auch nicht alle drängenden Probleme in der Hauptstadt lösen
lassen. Zwar ist der Streit darüber entschärft, welche Leuchttürme
der Kulturlandschaft vom Bund und welche vom Land unterhalten werden,
aber interessant ist es schon zu wissen, wie Diepgen darüber denkt.
Ich akzeptiere nicht, sagte Diepgen dem Tagesspiegel, dass
sich der Bund ausschließlich für den deutschen Widerstand zuständig
erklärt und dem Land Berlin den Holocaust überlässt. Der Neubau des Topographie des Terrors wurde gestoppt, weil die Kosten von 45 auf 70 Millionen Mark explodierten. Das Olympiastadion konnte mittlerweile dem Bund aufs Auge gedrückt werden, aber der Flughafen bleibt eines der ganz wichtigen Projekte, wo schnell mit den Baumaßnahmen begonnen oder unumkehrbare Entscheidungen getroffen werden müssen, so Diepgen, aber in Berlin-Schönefeld und auch beim Bau eines anderen Prestigeobjektes, der U5, schlägt man sich gerade mal mit dem herum, was sich in der poetischen Sprache der Bürokratie Planfeststellungsverfahren nennt. Lieber hängt Diepgen dem Projekt nach, den Schlossplatz, diese offene Wunde im Herzen der Stadt, zu bebauen, ein Vorhaben, das die meisten Beobachter, die die Angelegenheit etwas weniger lyrisch betrachten, als Verschwendung öffentlicher Gelder sehen. Diese
Liste der Pannen, Versäumnisse und Renommierprojekte erhebt selbstverständlich
keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für den Spiegel handelt
es sich um das trostlose Versagen des politischen Managements.
Aber genau darin besteht das Wesen der Berliner Regierungspolitik, das
System Diepgen: aus schlechten Kompromissen, der Organisierung des Mittelmaßes
und aus der Verwaltung des Mangels eine Politik, die eben herauskommt,
wenn sie auf bloßen Machterhalt aus ist. Und Diepgen? Diepgen repräsentiert.
Endlich wieder auf internationalem Parkett, wo er allerdings in seiner
Tapsigkeit manchmal mit einem Dolmetscher oder Leibwächter verwechselt
wird. Aber gerne geht er auch als Sänger auf ein Brauereifest in
Friedrichshagen, wo der 100 Prozent Berlin-Mann noch gerne
genommen wird.
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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