| | Aktuell
(Home/News) | Dafür
steht
NOVO | Wer liest NOVO
| Archiv | Kontakt/Impressum | | Das aktuelle Heft | LifeScience | Infoletter | Einzelheft | NOVO abonnieren | |
| WISSENSCHAFT UND ÖKOLOGIE |
INFOS
Inside Das Verbot von
DDT
|
|||
|
|
Umweltschützer fordern das weltweite Verbot des Insektenvernichtungsmittels DDT. Die Folge: Zigtausend Menschen in Entwicklungsländern sterben an Malaria. Von Lorraine Mooney.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg setzten Europäer und Amerikaner DDT ein, um
die Malaria auszurotten. Die UN-Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte
Europa 1975 zu einem malariafreien Gebiet. DDT verdrängte und tötete
den Malaria-Überträger: die weibliche Anophelesmücke. Nach
Angaben der US-Wissenschaftsakademie konnten durch den Einsatz von DDT
bis 1970 über 500 Millionen Menschenleben gerettet werden. Seither
wurden wahrscheinlich mindestens noch einmal so viele Menschen durch das
Insektizid vor einer Ansteckung geschützt. Fast alle Entwicklungsländer verzeichnen eine Zunahme an Malariaerkrankungen. In Südafrika sind die Malariaraten um ca. 1000 Prozent gestiegen, weil statt DDT andere Insektenbekämpfungsmittel eingesetzt wurden, gegen die die Mücken Resistenzen entwickeln konnten. Da die Parasiten unterdessen auch gegen die für die Behandlung der Krankheit verwendeten Medikamente resistent werden, wurde in Südafrika sowie in anderen afrikanischen Ländern aus schierer Verzweiflung wieder auf DDT zurückgegriffen. Dies hat jedoch den Protest der Grünen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, UNEP (United Nations Environment Programme) hervorgerufen. Bei einer für Mai in Stockholm geplanten Konferenz soll ein internationaler Vertrag unterzeichnet werden. Auf eine Konvention zur Ächtung oder starken Einschränkung von zwölf als besonders schädlich eingestuften Stoffen, den so genannten POPs ("Persistent Organic Pollutants") - darunter auch DDT -, hatten sich bereits die Delegierten einer im Dezember in Johannesburg tagenden Konferenz geeinigt. Die Teilnehmer dieser internationalen UN-Konferenz verständigten sich darauf, den Einsatz von DDT zu begrenzen und nur in Einzelfällen als Ausnahme in kontrolliertem Maße für die Bekämpfung von Malaria zuzulassen. Aber auch dort, wo die Ausnahmeregelung gilt, sind viele Staaten von Seiten internationaler Gesundheits- und Umweltorganisationen unter Druck gesetzt worden. Sie werden aufgefordert, kein DDT mehr einzusetzen, wenn sie nicht auf Entwicklungshilfe verzichten möchten. Belize und Bolivien gaben dem Druck der "US Agency for International Development" (US AID) nach. Mosambik, eines der ärmsten Länder weltweit, gibt eine ausweichende Antwort auf die Frage, ob es über die Entwicklungshilfe unter Druck gesetzt wird. Avertino Barreto, zuständig für die Schädlingsbekämpfung im Land, sagte mir jedoch, dass manche Geberländer sich deutlich gegen den Einsatz von DDT ausgesprochen hätten. Politisch selbständigere Länder wie Indien oder China stellen weiterhin DDT für den eigenen Gebrauch her. Daher überrascht es, dass der indische Vertreter bei der Konferenz zur Ausarbeitung der Konvention sich nicht um die Gewährung eines Ausnahmestatus bemühte (Indien wird dies jedoch noch nachholen, bevor der Vertrag ratifiziert wird). Es stellte sich heraus, dass die dafür zuständigen Behörden gar nicht an der Diskussion teilnahmen und auch auf der Konferenz nicht vertreten waren. Aus Angst vor einer möglichen Kürzung der Entwicklungshilfe und aufgrund schlechter bürokratischer Planung haben nur 15 Länder weltweit einen Ausnahmestatus beantragt, obwohl DDT in über 24 Ländern angewendet wird. Allein die Einbeziehung von DDT bei der Auflistung der POP-Schadstoffe und die Forderung nach deren Ächtung wird mit Sicherheit den Tod von Menschen zur Folge haben. Südafrika hat um eine Ausnahmeregelung gebeten. Nachdem DDT im April letzten Jahres wieder eingeführt wurde, hat sich nach Angaben von Jocchonia die Zahl der todbringenden Mücken verringert. Jocchonia kannte den Grund für die DDT-Ächtung nicht. Auch die Debatten darüber, ob man den Einsatz von DDT für immer und überall verbieten soll, hat er nicht verfolgt. Er ist einfach nur eines von vielen Millionen Opfern einer gedankenlosen, übereifrigen Öko-Elite. Jocchonias Frau verbrachte große Teile des vergangenen Jahres mit "Ausflügen" in die örtliche Klinik, da entweder sie oder eines ihrer Kinder an Malaria erkrankt war. Londiwe, ihre 16 Jahre alte Tochter, musste sich drei Krankenhausaufenthalten unterziehen und verlor zahlreiche Schultage. Die 22 Jahre alte Tochter Zanele und der 18 Jahre alte Sohn Duduze waren beide zweimal im Krankenhaus. Jocchonia selber erkrankte im Juli, während er an einer Beerdigung eines an Malaria gestorbenen Familienmitglieds teilnahm. Abgesehen von den Ausgaben für die Fahrten in die Klinik konnte die Familie während der Zeiten der Erkrankung nicht die Felder bestellen. Niemand kümmerte sich um Jocchonias wertvolle Viehherde. Die Krankheit zerstört die Familie und zwingt sie in die finanzielle Armut. Die Umweltschützer, die hinter der Kampagne für ein Verbot von DDT stehen, täten gut daran, sich folgende Namen einzuprägen: Siphiwe, Jabulani, Phumzile, Zondwayo, Phinias und Daniela. Es sind alles Verwandte von Jocchonia. Alle kommen sie aus dem gleichen kleinen Ort und alle verloren sie ihr Leben durch Malaria, nachdem DDT aus Umweltschutzgründen verboten wurde. Es gibt in Südafrika viele, denen es wie Jocchonia geht. Vor allem Kinder sind gefährdet. In Südafrika stirbt alle 15 Sekunden ein Kind an Malaria. Angesichts solch horrender Statistiken erscheint es abscheulich, dass westliche Staaten den Einsatz von DDT in Ländern der Dritten Welt verbieten wollen. Genau das möchte die UN-Konvention jedoch.
|
|||
Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
Dafür steht NOVO