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Inside Fleisch essen
statt
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Die Gentechnik könnte in Zukunft überraschende Unterstützung durch Tier- und Naturschützer erfahren. Dirk Maxeiner vom Nutzen der Gen-Bulette.
Wie
so oft nimmt der Fortschritt ironische Wendungen. Die wünschenswerte
Demokratisierung eines Privilegs beendete die Mangelernährung der
Massen, bescherte dem Stoffwechsel reichlich Cholesterin und besorgte
die Umverteilung der Herz-Kreislauferkrankungen auch auf die sozial Schwachen.
Dies sind jedoch bei weitem nicht die einzigen Kolateralschäden der
gewonnenen Proteinschlacht. "Wir können den Planet der Rinder zu einem Planet der Menschen machen", sagt der Münchner Evolutionsbiologe Professor Josef H. Reichholf, "mit menschenwürdigen Lebensbedingungen und einem guten Miteinander von Mensch und Natur." Gerade die Wiederkäuer haben sich zum großen Konkurrenten für wilde Tiere, Blumenwiesen und Wälder entwickelt. Die Landwirtschaft bedroht die natürlichen Artenvielfalt, Industrie und Verkehr spielen eine untergeordnete Rolle. Während die Siedlungsfläche 0,5 Prozent der Kontinente ausmacht, werden etwa 40 Prozent der eisfreien Fläche des Planeten landwirtschaftlich genutzt - und davon zwei Drittel als Weideland. Obendrein landen 40 Prozent der Getreideernte und 20 Prozent des Fischfanges nicht als Lebensmittel auf dem Tisch, sondern als Futtermittel im Trog. Gibt es irgendwo Licht am Ende des Massenstalls? Erste Gesetze zur artgerechten Tierhaltung lassen auf eine bessere Behandlung der Tiere hoffen. Wer vom Biobauern erzeugtes Fleisch kauft, fördert eine naturverträglichere Landwirtschaft. Doch der Biometzger kann angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung, die partout nicht zum Vegetarier werden will, nicht die einzige Alternative sein. Eine über sechs Milliarden hinauswachsende Menschheit wird auch technologische Durchbrüche brauchen, um umweltverträglich zu produzieren und zu konsumieren. Es muss daher die grundsätzliche Frage gestattet sein: Ist die Produktion von Fleisch wirklich zu stark industrialisiert? Oder liegt das Problem - ganz im Gegenteil - darin, dass sie zu wenig industrialisiert und technisiert ist? Produktionstechnisch
betrachtet ist das Nutztier von Pflanzen gespeicherte und für den
Verzehr umgewandelte Sonnenenergie. Ein großer Teil davon wird allerdings
- denkbar uneffizient - nicht in Fleisch, sondern in tierische Abwärme
sowie in problematische Stoffe wie Methangas und Gülle verwandelt.
Die Emissionen entweichen ungefiltert in die Atmosphäre und Millionen
Tonnen schadstoffhaltiger Rückstände werden in Form von Fäkalien
einfach auf die Felder gekippt. Was wäre, wenn ein Chemiekonzern
sich Derartiges leisten würde? Richtig: Greenpeace säße
auf dem Schornstein und die Manager hinter Gittern. Aus
solchen und ähnlichen Entwicklungen könnten neue Allianzen entstehen:
Tierfreunde und Naturschützer dürften sich dem Gedanken öffnen,
dass der Fleischhunger der Menschheit nicht mit noch mehr Tierleid und
Umweltzerstörung erkauft werden muss. Das vermeintlich "Künstliche"
könnte sich einmal mehr als Rettung für das "Natürliche"
erweisen. Die heutige Form der Fleischerzeugung ist möglicherweise
nur ein vorübergehendes Stadium einer Entwicklung, die vor 10.000
Jahren mit der Domestizierung der Nutztiere begann und im neuen Jahrtausend
in die Domestizierung des Fleisches mündet. Dies mag eine bizarre Farce aus dem Jahr 1995 illustrieren. Die EU wollte in Deutschland, wie in anderen Ländern auch, geringe Mengen Soja in der Wurst erlauben. Doch eine große Koalition aus Bauern, Fleischern, Verbraucherschützern und Feinschmeckern schrie auf: Von "Manipulationen" und "Imitaten" war die Rede. Anstatt Soja direkt in die Wurst zu befördern, bestand man darauf, dass deren Einarbeitung auf dem Umweg über das geschundene Tier erfolgen müsse - also unter Vernichtung von Ressourcen und Hinterlassung von Fäkalien und Arzneimittelrückständen. Nur dies verdiene das Prädikat "echte deutsche Wurst". Das Landwirtschaftsministerium assistierte: Würde nur ein Prozent des Fleischanteils in der deutschen Wurst durch Sojastärke ersetzt, dann blieben jährlich 150.000 Schweine und 13.000 Rinder unverkauft. Welch grausamer Gedanke! Inzwischen
darf in der Wurst etwas Soja drin sein und niemand redet mehr darüber.
Eines Tages könnte die menschliche Spezies zum De-facto-Vegetarier
werden, nicht aufgrund einer ethischen Philosophie, sondern durch Steaks
und Schinken, die nichts mehr mit Tieren zu tun haben. Der Gedanke an
Millionen Mitgeschöpfe, die in Schlachthäusern getötet
werden, wird künftigen Generationen vielleicht genauso fern erscheinen
wie einer heutigen Hausfrau der Gedanke an ein lebendiges Huhn, dem sie
in ihrer Designerküche den Kopf abhackt. Die Zivilisierung des Menschen
tendiert längst dahin, erkennbare Züge geschlachteter Kreaturen
zu verbergen. Den vorläufigen Endstand markiert der Hamburger. Weder
sieht er aus wie Fleisch noch verrät sein Name diesen Ursprung. Dennoch
lieben unsere Kinder BigMacs. Sollte irgendwann kein Fleisch vom lebenden
Rind mehr drin sein, wird dies ihre Begeisterung kaum schmälern.
Es wäre ein kleiner Schritt für die Bulette und ein großer
für die Menschheit.
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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