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NOVO 50/51

Cover NOVO 50/51

Editorial

von Thomas Deichmann


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 



50 mal NOVO




Während einer Buchmesse in Frankfurt Anfang der 90er-Jahre bemühte ich mich, NOVO in Journalistenkreisen bekannt zu machen. Auf einem Verlagsempfang traf ich Ulrich Wickert von den Tagesthemen, drückte ihm ein aktuelles Heft in die Hand und sagte, es handele sich um ein neues Politikmagazin. Auf meine freundliche Bitte, es sich auf der Heimreise anzuschauen, erwiderte er mit süffisantem Lächeln: "Ein neues Politikmagazin? Das tut mir aber leid!", und ließ das Magazin später am Tresen liegen.
Wickerts Reaktion war typisch und angesichts des allzu oft nur kurzlebigen Auftauchens neuer Titel im deutschen Blätterwald verständlich. Kaum jemand in der Medien- und Verlagswelt traute NOVO zu, mehr als ein paar Ausgaben zu überleben, zumal es von "Nobodys" in der Medien- und Politwelt ins Leben gerufen wurde. Die Skeptiker belehrten wir eines Besseren: Seit November 1992 erscheint das Magazin zweimonatlich. Vor Ihnen liegt die 50ste Ausgabe, unsere Jubiläumsausgabe.

Im Laufe der Jahre gab es keinen Stillstand, beständig wurde das Redaktionskonzept überprüft und entwickelt mit dem Ziel, sich konstruktiv und horizonterweiternd in gesellschaftliche Diskurse einzumischen, statt sich regressiven Trends anzupassen. Wäre das nicht geglückt, gäbe es längst kein NOVO mehr, denn auch wenn in der Redaktion über Inhalte mitunter gestritten wurde, gab es immer Einvernehmen darüber, kein Magazin zum Selbstzweck zu produzieren - und dafür auch keinerlei Anreize.
Wenn sich also am Fortleben von NOVO etwas zeigt, dann vor allem, dass es anhaltenden Bedarf an einer gesellschaftskritischen, humanistisch, demokratisch und freiheitlich orientierten Stimme gibt, die sich vor der Zukunft nicht fürchtet. Das bringen nicht nur die zahlreichen NOVO-Autoren zum Ausdruck, die allesamt ohne Honorar für das Magazin geschrieben und ihm zu großem Ansehen verholfen haben. Auch die Leserreaktionen, die uns erreichen sowie die überwältigende Resonanz auf unsere Anfrage in Medien- und Kulturkreisen nach einem Kommentar über unser Magazin sprechen hierfür Bände (s.S.10).

Wir meinen, dass der Bedarf an NOVO in Zukunft gehörig anwachsen wird und sollte und dass wir, basierend auf unseren gesellschaftspolitischen Analysen, in der Lage sind, das vorherrschende geistige Vakuum weiter auszufüllen. Das wird einigen Kollegen in meinungsbildenden Positionen nicht gefallen, weil wir auch Unangenehmes auf den Punkt bringen - nicht aus prinzipieller Bosheit, sondern weil es nötig ist. Andere werden sich auch zukünftig an NOVO weniger stören, weil sie sich beharrlich den einschneidenden politischen Veränderungen verschließen und mit dem Magazin daher wenig anfangen können.
Wir zählen jedoch darauf, dass auch in der noch vor uns liegenden Menschheitsgeschichte die Neugierde auf emanzipatorische Impulse überwiegt. Und wären wir mit nur einem Bruchteil der Finanzen ausgestattet, mit denen andere Zeitungen zum Teil gegen ihren Untergang ankämpfen, könnten wir wesentlich mehr leisten. (In dieser Hinsicht seien Verlage und Anbieter im Print- und Online-Gewerbe, die auf der Suche nach zukunftsträchtigem "Content" sind, aufgefordert, Kontakt mit uns aufzunehmen.)

Die Arbeit an diesem Jubiläumsheft war eine inspirierende und motivierende Erfahrung. Die 100 Seiten des Magazins waren fast ausschließlich für auswärtige Autoren reserviert, mitunter sind die Artikel Ergebnis längerer Diskussionen. Dabei wurde auch das eine oder andere Missverständnis ausgeräumt: NOVO folgt zwar einer sehr prägnanten redaktionellen Linie, ist aber in keine Schublade zu packen und offen für Beiträge, die dem in "Dafür steht NOVO" formulierten Geist entsprechen (S.5).
Ein Anliegen der Redaktion ist es, Ihre Aufmerksamkeit zunächst auf folgenden Artikel zu richten: Der britische Soziologe und regelmäßige NOVO-Autor Frank Füredi präsentiert eine Art Standortbestimmung für kritische Geister im neuen Jahrtausend (S.12). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Beitrag unseres Redakteurs Kai Rogusch, der wichtige Trends im Rechtssystem beleuchtet (S.73).

All denen, die NOVO in den letzten Jahren unterstützt haben, sei hiermit unser Kompliment und unser Dank ausgesprochen.

 

Ich wünsche eine anregende Lektüre und eine gute Zukunft für und mit NOVO.


 
 
Thomas Deichmann
Chefredakteur

 


 

BITTE NOTIEREN

> Das Titelbild stammt vom Fotografen und Künstler Michael Najjar (www.michaelnajjar.de) und ist Teil seiner Fotoserie nexus project part I. Einzelheiten dazu und mehr finden Sie auf Seite 84.

> Besuchen Sie unseren Stand auf der Leipziger Buchmesse: 22.-25. März, Halle 2, Stand-Nr. E302. Weitere Infos:
www.leipziger-buchmesse.de

> Anfang April steigt in Frankfurt am Main die NOVO-Jubiläumsfete - zuvor stellt sich die Redaktion mit ihrem Konzept vor. Abonnenten und Autoren wurden bereits eingeladen. Sollten Sie den Termin vergessen oder das Schreiben nicht erhalten haben, setzen Sie sich bitte mit der Redaktion in Verbindung, weil: u.V.w.g.

 



 


 

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> Die nächsten NOVO-Ausgaben erscheinen wieder in gewohntem Umfang im Zweitmonats-Rhythmus. Im kommenden Heft widmen wir uns dem Thema "Rechtsradikalismus", das seit letztem Sommer die öffentliche Diskussion beherrscht. Neue Medienkonzepte für Kinder und Jugendliche werden in Erwägung gezogen, um potenzielle Mitläufer von der falschen Fährte fernzuhalten, die neuen Bundesländer scheinen als Hort des Übels besondere Beachtung zu verdienen, Zivilcourage ist wieder einmal angesagt und wird allerorts demonstriert. Was es damit auf sich hat?
LESEN SIE SELBST IN NOVO 52 (November / Dezember 2000).

 

 



   
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