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NOVO 47

Editorial

von Thomas Deichmann


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 



Auf nach Hannover




Die Besucherzahlen auf der EXPO 2000 bleiben bislang hinter den Erwartungen zurück, doch wen wundert's: Seit Monaten hat die erste Weltausstellung auf deutschem Boden mit schlechter Kritik zu kämpfen. Das mag an internen Pannen liegen, aber ebenso an den vielen Miesepetern, die auch ungesehen kein gutes Haar an der EXPO lassen möchten. Es ist leider sehr populär geworden, über Großprojekte einfach nur zynisch herzuziehen. So beherrscht seit dem EXPO-Start vor allem ein Thema die öffentliche Diskussion: die angeblich zu teuren Eintrittspreise. Solche "Kritik" ist zwar extrem einfältig, sie verbreitet aber doch eine merkliche Unlust. Dabei ist ein Besuch der EXPO unbedingt anzuraten. Viele Projekte, die uns in Hannover die Zukunft weisen sollen, wurden sehr kreativ und teils witzig-ironisch umgesetzt. Die Reise nach Hannover sollte man sich also nicht vermiesen lassen.

Was nicht heißt, dass man die dort präsentierten Inhalte unkritisch schlucken sollte. "Nachhaltige Entwicklung" lautet das große EXPO-Motto, das die Menschheit ins 21. Jahrhundert leiten soll. Dieses Motto trug zweifelsohne dazu bei, dass schon im Vorfeld nur vereinzelt echte Begeisterung für die EXPO aufkam. Denn wer Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung predigt, verfängt sich automatisch im Widerspruch, wenn er diese gigantische, im wahrsten Sinne des Wortes ressourcenverschleudernde Veranstaltung preist.

Dieses Dilemma steht aber für weit mehr als nur für Konzeptionsprobleme der EXPO-Macher. Vielmehr zeigt sich darin eine verbreitete Zukunftsangst und Orientierungslosigkeit der Menschheit zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Aus einer traditionellen Leistungsschau, die früher technologische Errungenschaften feierte und der Zukunft offen gegenüberstand, wurde in Hannover folglich eine mitunter sehr beklemmende Werteschau, die die Zukunft nur noch als recycelte Version der Gegenwart zulässt.

In Mittelpunkt der EXPO stehen die Postulate der Ökologiebewegung, die heute zwar moderater auftritt, die an Bedeutung und Einfluss aber offenbar noch zugelegt hat. Das zeigt sich nicht zuletzt am "intellektuellen Beiwerk" zur EXPO, präsentiert in einer lesenswerten Buchreihe von Campus.

Wer sich also konstruktiv in Zukunftsdiskussionen einmischen möchte, sollte aufhören, über 69 Mark Eintrittsgeld zu lamentieren. Er sollte lieber Novo und einige der Campus-Bücher lesen und dann nach Hannover reisen. Die EXPO bietet reichlich Inhalt, über die es zu diskutieren gilt.

Eine anregende Lektüre wünscht


 
 
Thomas Deichmann
Chefredakteur

 


 

BITTE NOTIEREN

> Teamer des Jugendklub Get Alive Frankfurt e.V. (JUGA) haben für das aktuelle Novo eigene Artikel beigesteuert. Der JUGA ist offizieller EXPO-Veranstalter und wird dabei gesponsert von One World. In der Woche vom 1.-6. August ist der JUGA vor Ort aktiv und sucht dafür noch Mitstreiter. Get-Alive-Kontakt: Tel. 069 240059-30, eMail juga@gmx.de.

> In der letzten Ausgabe berichteten wir über den Urteilsspruch im Fall ITN vs. LM. Das Magazin hat nun das Konkursverfahren eingeleitet und zum "Abschied" eine äußerst gehaltvolle letzte Ausgabe produziert. Für dieses letzte Heft mit Namen Last Magazine gibt es ein Bestellformular, das wir Ihnen gerne faxen. Mehr zum von LM initiierten Institute of Ideas finden Sie unter www.InstituteOfIdeas.com.

 



 


 

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> Über die "Zukunft der Arbeit" wird seit einigen Jahren viel gesagt und geschrieben — auch vom Soziologen Ulrich Beck, dessen Vision einer Weltbürgergesellschaft wir in dieser Ausgabe schon einmal kritisch kommentieren. Auf welchen Prämissen beruhen die Diskussionen über Arbeit im 21. Jahrhundert? Was ist davon zu halten, wenn heute, statt der traditionellen Forderung nach Vollbeschäftigung, die Förderung ehrenamtlicher Tätigkeiten im Zentrum politischer Initiativen steht. LESEN SIE SELBST IN NOVO 48 (September / Oktober 2000).

 

 



   
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