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Inside Editorial
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Der Begriff Nachhaltigkeit geistert seit geraumer Zeit als interdisziplinäre Worthülse durch Universitäten, Redaktionen und Parlamente und verlangt Handeln nach dem Prinzip, nur so viel von der Natur zu nehmen - ganz gleich, worum es sich handelt -, wie auch wieder nachwächst. Das Ganze steht unter dem rührigen Leitmotiv, die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu sichern. Doch was soll man von diesem Postulat halten, wenn seine Apologeten es nicht einmal fertigbringen, die Gegenwart angenehm und erträglich zu gestalten, geschweige denn auch nur eines der drängendsten Probleme unserer Zeit zu lösen? Je mehr in den letzten Jahren über Nachhaltigkeit geredet wird, desto weiter scheint das vorgegeben Ziel in unerreichbare Ferne zu rücken. Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der vor langer Zeit einmal nichts weiter als den Einsteig in die moderne Forstwirtschaft beschrieb. Statt einfach blindlings abzuholzen, ging man dazu über, vernünftig mit den Wald umzugehen, um sicherzustellen, daß für das Wachstum der Wirtschaft und das Wohlergehen der Menschheit immer genügend Holzvorrat bleibt. Dieses Prinzip wurde sinnvollerweise auf andere Breiche übertragen. Mit dem Aufstieg des Ökologismus viele Jahre später, in den siebziger Jahren, wurde der Begriff jedoch verquickt mit der fatalistischen Annahme, die für die menschliche Entwicklung notwendigen Ressourcen auf diesem Planeten sowie die Möglichkeiten, sich neue zu erschließen, seien per se begrenzt und längst überstrapaziert. Konsumverzicht wurde als Losung ausgegeben, und der Begriff Nachhaltigkeit wurde zu einer rückwärtsgewandten Ideologie der Ökobewegung. Als dann auch noch bei den übrigen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft der Glaube an bessere Zeiten und jegliche positive Zukunftsvision schwanden, wurde Nachhaltigkeit zu einem konsensfähigen Sparkonzept der westlichen Eliten, mit dem man nunmehr den Leuten die Flausen vom höheren Lebensstandard und von gerechterer Reichtumsverteilung austreibt. Nicht nur in materieller, sondern in jeder Hinsicht werden mit dem Konzept Nachhaltigkeit die Erwartungshaltungen der Menschen heruntergeschraubt. Unter der Rubrik Nachhaltigkeit in dieser Ausgabe von NOVO befassen wir uns mit einigen Auswüchsen dieses modernen Fortschrittskillers. Nicht zuletzt die zahlreichen positiven Reaktionen auf das NOVO-Dossier über Rambouillet in der letzten Ausgabe haben uns ermutigt, weitere grundlegende Artikel zum Thema Balkankrieg zu publizieren. Sabine Reul kommentiert in ihrem "Stichwort" die Bedeutung des Balkanpakts, unter der Rubrik Balkankrieg gibt es weitere Beiträge zum Thema. Wir bleiben dran. Eine anregende Lektüre wünscht
Thomas Deichmann
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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