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Inside Dickbäuchige
Banker
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Scharlatane, Hohepriester und andere Managementberater bevölkern die Etagen unserer überforderten Top-Chefs. Ständig schwappen neue Kalenderweisheiten von Amerika nach Europa über. Gunnar Sohn stellt einige davon vor.
Für "fraktale" Schwatzstunden mit dem Management-by-Love-Propheten Gerd Gerken zahlen gestandene Manager Phantasiepreise. Reflexionsgespräche mit Führungskräften verhelfen akademisch gestrandeten Philosophen noch zu einer ansehnlichen Einkommensquelle in philosophischen Beratungspraxen. Aus den USA schwappte das "Coaching" zu uns herüber - eine "ganzheitliche" Beratung in allen Lebenslagen. Wer Probleme mit seiner Karriereplanung hat oder sich einfach nur schlecht fühlt, bucht sich einen Coach, und alles ist wieder gut. Die mildeste Esoterikform ist die Verwendung eines rasch wechselnden Insiderjargons. Das viele Geld für esoterische Beratung und Coaching zeigt: Auf Chefetagen muß viel Ängstlichkeit, Orientierungslosigkeit und Ideenarmut herrschen. Managementberater können dagegen optimistisch in die Zukunft blicken. Ohne große Kraftanstrengungen machen sie sich für überforderte Manager unverzichtbar. Das ist die Grundlage, um mit Binsenweisheiten gute Geschäfte zu machen. Richtig in Fahrt kam das Interesse an Managementtheorien in den achtziger Jahren, als sich die Reichen der Welt bemühten, mit dem Aufstieg Japans, der sich ausbreitenden Computertechnik und den radikalen Veränderungen der Arbeitsabläufe zurechtzukommen. Für eine neue Garde zunehmend missionarischer Managementtheoretiker, allen voran Tom Peters, war die damit verbundene Selbstanalyse der Unternehmer eine Goldgrube. "Mitte1982 veröffentlichte Peters gemeinsam mit seinem McKinsey-Kollegen Robert Waterman Auf der Suche nach Spitzenleistungen, das den amerikanischen Geschäftsleuten ebenso kühn wie korrekt verkündet, sie seien besser, als sie selbst glaubten. Das Buch wurde mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren zu einem echten Renner. Auf der Bestsellerliste der New York Times stand es mehr als zwei Jahre lang; seine geistigen Väter wurden dadurch zu Millionären. Seit dem Erscheinen von Auf der Suche nach Spitzenleistungen boomt die Guru-Industrie. Pro Jahr gehen allein in Amerika Managementbücher im Wert von 750 Millionen Dollar über den Ladentisch, der Markt für Tonkassetten, Videofilme, Kurse und Seminare ist sogar noch lukrativer", so die Autoren John Micklethwait und Adrian Wooldridge in ihrem Buch Die Gesundbeter. Peters kassiert pro Tagesseminar ungefähr 60.000 Dollar - und von diesen Seminaren leitet er etwa sechzig im Jahr. Gurus wie er sind nur die Spitze des Beratungs-Eisbergs. Allein amerikanische Unternehmen geben im Jahr 15 Milliarden Dollar für externe Berater aus. In Großbritannien bieten rund 40 Beraterfirmen Abenteuerkurse an, bei denen sich übergewichtige Handelsbanker an Seilen über Bäche hangeln und ihren Kollegen am Lagerfeuer ins Gesicht sagen, was sie in tiefster Seele wirklich von ihnen halten: "Teambuilding" in der Wildnis für einige tausend Mark. Was früher Medizinmänner, Hohepriester, lokale Kleriker oder Hofnarren erledigten, wird nun von Unternehmensberatern geleistet: Den Desorientierten und Ungläubigen will man wieder Halt, Kraft und Mut spenden, damit die Managerkarriere steil nach oben geht. Tausende von Managementspezialisten zerbrechen sich den Kopf, wie sie ihre Beraterexistenz absichern und die Unternehmen abschöpfen können. In immer rascherer Folge prasseln neue Managementmodelle und Führungslehren aus Amerika auf die leitenden Angestellten in Europa ein. Manager, meist leseabstinent und chronisch zeitknapp, müssen in kurzer Zeit entscheiden, welchem Trend sie sich anhängen. Unternehmensberater suggerieren, daß sie stets die richtige Lösung präsentieren können. Angst und Habgier sind die Triebfedern, wenn sich eine Führungskraft am Frankfurter Flughafen ein weiteres Buch über Führungsmethoden kauft oder wenn ein Vorstandsvorsitzender seinen "Consultants" noch drei Millionen Mark für dreimal durchgekaute Ideen in den Rachen wirft. Mit sakraler Anmut werden bedeutungsschwer bunt gestaltete Charts mit vielen Pfeilen präsentiert und fast schweigend entgegengenommen. Managementtheorien sind eng mit drei Revolutionen verknüpft, die uns alle direkt oder indirekt betreffen: der völligen Umstrukturierung von Unternehmen, Karriere und Globalisierung. Unternehmen in allen Ländern müssen Verrenkungen machen, die ihre Vorläufer so nie betrieben hätten. Immer mehr Firmen verschwinden: so existiert heute nur noch etwa ein Drittel der Betriebe, die 1970 zu den 500 wichtigsten Unternehmen in Amerika zählten. Getrieben von der Furcht, auf diesem immer größer werdenden Unternehmensfriedhof zu landen, stürzen sich selbst erfolgreichste Firmen in eine Umstrukturierung nach der anderen. Jede Umstrukturierung ist mit neuen Beratungsnarreteien verbunden. Nach Meinung des früheren VW-Vorstandes Daniel Goeudervert treibt die Wirtschaft in einen sinnentleerten Geschwindigkeitsrausch hinein, mit dem die Menschen nicht mehr Schritt halten können. Das führt zu einer tiefgreifenden Orientierungskrise, deren Symptome sich täglich vervielfachen: "Diesem komplexen Zusammenhang gerecht zu werden, erfordert vom Management schöpferische Ideen und vielseitige Anstrengungen. Ich bin überzeugt davon, daß nur solche Unternehmen, denen es gelingt, die verschiedenen Erfordernisse auszubalancieren, langfristig eine Überlebenschance haben", so Goeudervert. Es ist kein Zufall, daß viele der eifrigsten
Stellenabbauer zugleich die begeistertsten Konsumenten von Managementtheorien
sind, denn oft haben Berater die Funktion, die Schuld für Stellenabbau auf
sich zu nehmen, damit das eigene Management sich hinter diesen externen "Experten"
verstecken kann. AT&T bietet den externen Beratungsfirmen seit langem ergiebige
Weidegründe. Ständig wuseln geschniegelte Gestalten durch die Gänge,
oder sie bearbeiten Mitarbeiter in entfernt gelegenen Waldhotels mit geheimen
Strategiepapieren. Der Telefonriese ist Urheber des wohl skurrilsten Managementslogans:
"Putting the moose on the table" - den Elch auf den Tisch stellen. Das
hat irgend etwas mit dem Abbau von Hierarchien und dem Übertragen von Kompetenzen
von oben nach unten zu tun. Der Spruch gehörte zu den zweifelhaften Ansätzen,
mit denen der AT&T-Tochter NCR moderne Management-Ideen eingetrichtert werden
sollten. Viele Theorien und aufgeblasene Sprachungetüme
sind bei genauer Analyse nichts anderes als ostfriesische Dampfplaudereien. Manager
und Berater dürfen sich gegenüber Kunden, Kollegen, Vorgesetzten oder
der Öffentlichkeit nicht allzu verständlich ausdrücken. Sonst könnte
die schmalbrüstige Inkompetenz des Gesagten zu schnell ans Tageslicht gelangen.
In Vorstandsetagen wird täglich in "Meetings" nach der "Strategy"
gefahndet, um sich aufzustellen, neue Projekte einzukippen, "Commitments"
zu erzielen und am Markt durch "Empowerment" den optimalen, effizienten
und effektiven USP zu erreichen. USP steht für "Unique Selling Proposition"
und ist in seiner Bedeutung profan: das einzigartige Verkaufsargument.
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Wir spüren in den Nischen des globalen intellektuellen Diskurses Ideen und Konzepte auf, die Wege aus der aktuellen geistigen und politischen Stagnation weisen können... >>
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