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  Juli/August 1999 ZUR SACHE
 

 
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NOVO 41

Editorial

von Thomas Deichmann


 



Sabotage der Demokratie

 

Nach 72tägigem Bombardement akzeptierte Belgrad die Kriegslogik des Westens und stimmte einem "Friedensplan" zu, der einer Kapitulation gleichkam. Eine weitere Woche dauerte es, bis alle Details ausgehandelt waren und die NATO ihre Luftangriffe einstellte. Nur Stunden später wurde das Kosovo zum Aufmarschgebiet britischer, deutscher, französischer, italienischer, amerikanischer und russischer Soldaten - "Wettlauf ins Kosovo" hieß es in der taz. Ein weiteres internationales Protektorat auf dem Balkan ist entstanden. Das wurde von Anfang an als einzige Option dargestellt; unsere Autoren sind jedoch anderer Meinung. Sabine Reul analysiert rückblickend die Kriegspolitik der rot-grünen Regierung und den furchterregenden Reifungsprozeß der 68er-Generation (Seite 10). David Chandler, der als OSZE-Beobachter die Situation in Bosnien-Herzegowina studierte, ist der Auffassung, daß dort das Gegenteil von dem erreicht wurde, was beabsichtigt war: die Festigung ethnischer Spannungen statt ihrer Überwindung, ein autoritatives Diktat statt Demokratieaufbau. Das gleiche blüht nun dem Kosovo (Seite 13). In einem Gegen-Dossier (als Erwiderung auf ein Dossier von Gunter Hofmann in der Zeit vom 12 .Mai '99 über die gescheiterten Friedensverhandlungen von Rambouillet) geht es um die anhaltende Degeneration eines Großteils der Medien: Schönfärberei und Sabotage der Demokratie statt kritischer Distanz und Fragen aufwerfender Recherche sind Kennzeichen dieses journalistischen Schurkenstücks in der bedeutendsten Wochenzeitung Deutschlands (Seite 14).

Weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das zusehends an Popularität gewinnende Thema Mobbing. In den USA und in Großbritannien wurde es von einschlägigen Experten längst als Volkskrankheit diagnostiziert. Nun schwappt es auch auf Deutschland über. Hierin zeigt sich nicht etwa gewachsene Sensibilität gegenüber den Leidtragenden asozialen Verhaltens am Arbeitsplatz, an der Uni oder an der Schule. Vielmehr handelt es sich um die Institutionalisierung des um sich greifenden Mißtrauens gegenüber Mitmenschen und des sich Hingebens in eine passive Opferrolle. Anti-Mobbing-Konzepte zielen darauf ab, zwischenmenschliche Beziehungen und Emotionen zu regulieren, sie rauben Freiheiten und Autonomie und bedeuten einen weiteren Schritt in Richtung Auflösung der Privatsphäre. Alexander Ewald eröffnet unseren Themenschwerpunkt auf Seite 22.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Ihre Meinung bezüglich des Gegen-Dossiers würde mich besonders interessieren.

Thomas Deichmann
Chefredakteur

 


 

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